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21.05.2016

Altersgerecht Wohnen 2030

In dem Gastbeitrag spricht Barbara Hendricks über das Förderprogramm "Altersgerecht Umbauen".

Gastbeitrag von Barbara Hendricks

Das Wohnen im Alter ist eine der zentralen stadtentwicklungspolitischen Herausforderungen. Schon jetzt ist ein Fünftel der deutschen Bevölkerung 65 Jahre und älter. 2030 werden es nach Prognosen des Statistischen Bundesamtes 28 Prozent sein. Die über 80-jährigen werden dann acht Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Es wäre eine schöne Vorstellung, wenn alle diese älteren Menschen ihren Lebensabend in einem Wohnumfeld verbringen könnten, das ihren Bedürfnissen gerecht wird, wo sie sozial in die Gesellschaft integriert ohne materielle Einschränkungen leben können. Aber ist das realistisch? Politik wird gern als die "Kunst des Machbaren" beschrieben. Für mich bedeutet das, sich ehrgeizige Ziele zu setzen, dabei aber auch realistisch zu bleiben und alle Maßnahmen auf eine möglichst hohe Umsetzbarkeit auszurichten.

Ein Ziel ist es, die Wohnwünsche älterer Menschen in der Stadtentwicklung stärker zu berücksichtigen. Mit der wachsenden Zahl Älterer werden auch die Ansprüche an die eigenen vier Wände vielfältiger. In den letzten Jahren haben sich bereits viele alternative Wohnkonzepte in Deutschland etabliert: Mehrgenerationenwohnprojekte, Wohngemeinschaften für ältere Menschen und sogar Dörfer für Demenzkranke. Diese Gruppe, die mit der steigenden Lebenserwartung weiter zunimmt, liegt mir besonders am Herzen. Wir können sie mit baulichen Maßnahmen in ihrer Lebensgestaltung unterstützen. Letztlich brauchen wir Wohnkonzepte, die den Menschen eine Vielzahl von Möglichkeiten eröffnen, um zufrieden alt werden zu können. Wir müssen alles dafür tun, damit solche richtungsweisenden Wohnkonzepte eine stärkere Verbreitung finden.

Ein Großteil der Älteren wünscht sich verständlicherweise, so lang wie möglich in der angestammten Wohnung selbstbestimmt zu leben. Mit zunehmendem Alter nimmt die Bedeutung der eigenen Wohnung und des Wohnumfeldes noch einmal zu, insbesondere wenn der Aktionsradius kleiner wird und mehr Zeit zuhause verbracht wird. Eine altersgerechte Anpassung der Quartiere ist daher genauso wichtig, wie die Anpassung des Wohnungsbestandes selbst. Ich wünsche mir, dass im Rahmen des Quartiersansatzes die Freiräume und die kommunale Infrastruktur, wie zum Beispiel Sportstätten, Rathäuser, Theater und Museen noch besser an die demografische Entwicklung angepasst werden. Das ist wichtig, um gerechte Teilhabemöglichkeiten zu gewährleisten. Darüber hinaus sollten Gemeinschaftseinrichtungen und Nachbarschaftscafés aufgewertet werden. Solche Einrichtungen fördern das Miteinander und begünstigen den Austausch zwischen den Generationen. Und auch Servicestützpunkte sind ein sinnvoller Ansatz, da sie den Bewohnerinnen und Bewohnern aufgrund ihrer 24-Stunden-Präsenz ein zusätzliches Sicherheitsgefühl vermitteln.

Die wichtigste Zukunftsaufgabe der Wohnungspolitik ist aber der Neubau von bezahlbarem Wohnraum. Hinzu kommt die Ausweitung des Angebots an altersgerechtem, das heißt barrierefreiem und barrierearmem Wohnraum in ganz Deutschland. Mit dem Programm "Altersgerecht Umbauen" der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) engagiert sich die Bundesregierung bei der alters- und behindertengerechten Anpassung des Wohnungsbestandes. Eine Evaluation dieses Programms hat ergeben, dass 2013 lediglich rund 700.000 Wohnungen altersgerecht waren, also weniger als 2 Prozent des gesamten Wohnungsbestandes. Ohne eine Trendumkehr wird diese Versorgungslücke weiter wachsen. Bereits 2030 werden zusätzlich 2,9 Millionen altersgerechte Wohneinheiten benötigt. Der dafür geschätzte Investitionsbedarf von rund 50 Milliarden Euro zeigt die ganze Dimension der Aufgabe. Deshalb wird der Bund sein starkes finanzielles Engagement konsequent fortsetzen.

Ich bin sicher, dass sich Investitionen in die Wohnwünsche unserer alternden Gesellschaft lohnen. Die Wohnzufriedenheit der älteren Menschen verbessert sich, wenn sie in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Bei bis zu 15 Prozent der pflegebedürftig werdenden Personen könnte ein Umzug ins Heim vermieden oder zumindest aufgeschoben werden. Das wiederum könnte die Sozial- und Pflegekassen um bis zu 3 Milliarden Euro jährlich entlasten. Daneben werden Hilfestellungen durch bezahlbare technische Assistenzsysteme in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen.

Unser besonderes Augenmerk muss auf den Haushalten mit erhöhtem Armutsrisiko liegen. Für diese Menschen ist der altersgerechte Umbau oft problematisch, weil die Mieten aufgrund der hohen Investitionssumme meist oberhalb der Grenzwerte von Wohngeld und Grundsicherung liegen. Ich werde weiterhin alles dafür tun, dass Politik und Wohnungswirtschaft gemeinsam daran arbeiten, genügend bezahlbaren und altersgerechten Wohnraum in Deutschland zu schaffen.

Weitere Informationen

Tag der Städtebauförderung

21.05.2016 | Frankfurter Rundschau
Dr. Barbara Hendricks