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11.07.2017

Barbara Hendricks zum Wohnungsmarkt in Deutschland und über die Umwelt

Im Interview mit "der Glocke" äußert sich die Bundesministerin über den Wohnungsmarkt in Deutschland und die Umwelt.

"Die Glocke": Die Ergebnisse des G20-Gipfels werden in der Klimapolitik überwiegend als enttäuschend beurteilt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Barbara Hendricks: In der Tat wird das in Deutschland von einigen so gesehen, aber die internationale Wahrnehmung ist anders. Und sie ist auch richtig. Es ist klar, dass wir die USA nicht umstimmen konnten. Aber alle anderen haben sich darauf verständigt, dass sie mit weiterem Elan das Klimaabkommen umsetzen wollen. Zum ersten Mal haben wir zudem im G20-Format gemeinsam verabredet, Klima- und Energiewirtschaft gemeinsam fortzuentwickeln.

Halten Sie Formate wie G20 noch für zeitgemäß?

Ja, denn G20 repräsentieren zwei Drittel der Weltbevölkerung, auch mindestens 80 Prozent der Emissionen und 85 Prozent der weltweiten Wirtschaftsleistung. Das heißt, um die Verantwortlichen einmal im Jahr zusammenzuführen, ist G20 auch für die Zukunft das richtige Format.

Selbst Haushalte mit mittleren Einkommen haben in vielen Kommunen zunehmend Probleme, geeignete Wohnungen zu finden. Hat die Politik das Problem zu lange unterschätzt?

Noch vor ungefähr zwölf Jahren ist die Politik, aber auch die Wissenschaft davon ausgegangen, Deutschland sei zu Ende gebaut. Die Wohnungswirtschaft hat nicht investiert. Die falsche Einschätzung von damals hat dazu geführt, dass wir heute einen großen Nachholbedarf haben. Aber in den letzten Jahren haben wir das Ruder herumgerissen, es werden wieder deutlich mehr Wohnungen gebaut.

Wie kann Familien beim Erwerb von Wohneigentum geholfen werden?

Ich habe den Vorschlag gemacht, ein Familienbaugeld einzuführen. Es soll dazu dienen, vor Beginn der Bautätigkeit einen Zuschuss zum Eigenkapital zu geben. Denn es ist ja für Familien, die eine Wohnung mieten ganz schön schwierig, sich zur selben Zeit auch noch das notwendige Eigenkapital anzusparen. Diese erste Hürde mit Hilfe des Baugelds zu überwinden, ist ein ganz wichtiger Punkt.

Der Naturschutzbund hat in NRW 80 Prozent weniger Fluginsekten als vor 20 Jahren gezählt. Der Feldhamster ist fast ausgestorben. Welche Möglichkeiten zum Gegensteuern hat die Umweltministerin?

Wir brauchen ganz sicher eine andere Art von Landwirtschaft. Der Artenrückgang hat etwa damit zu tun, dass wir viel weniger Grünland haben als früher. Er hat auch damit zu tun, dass die Landwirtschaft Insektizide in einem nicht mehr verträglichen Maß nutzt. Wir müssen gemeinsam ein Umsteuern hinbekommen. Das geht nicht gegen die Landwirte – das ist vollkommen klar. Das kann nur ein Umsteuerungsprozess über mehrere Jahre sein. Dieser Prozess muss flankiert werden durch eine Agrarförderung, die ihre Schwerpunkte neu ausrichtet, nämlich nach dem Prinzip: öffentliches Geld für öffentliche Leistungen.

Interview: Die Glocke

11.07.2017 | Medienbeitrag Dr. Barbara Hendricks