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29.01.2017

"Unsere Kreislaufwirtschaft ist weltweit mit am besten entwickelt."

Barbara Hendricks spricht mit der Bild am Sonntag über Müllvermeidung und Recycling in Deutschland.

BILD am SONNTAG: Frau Hendricks, waschen Sie Ihre Joghurtbecher aus, bevor Sie sie wegwerfen?
Barbara Hendricks: Ja, aber nicht wegen der Mülltrennung. Denn die Becher kommen ja in die Gelbe Tonne, der Restjoghurt stört beim Recyceln nicht. Bei mir zuhause am Niederrhein ist die Gelbe Tonne ein gelber Sack im Keller. Das würde stinken, wenn man die Joghurtreste nicht abwaschen würde.

Wo verhalten Sie sich noch umweltbewusst?
Ich bin beileibe nicht in allen Dingen ökologisch korrekt. Mülltrennung ist aber für mich selbstverständlich. Ich bestelle auch nichts übers Internet, weil dabei sehr viel Verpackungsabfall entsteht. Außerdem gehe ich immer mit einer Tasche einkaufen. Wenn ich sie mal vergesse, kaufe ich eben nur so viel, wie ich mit der Hand tragen kann. Auf Plastiktüten verzichte ich so weit wie möglich!

Deutschland ist beim Müll Europameister. Ist das nicht eine politische Bankrotterklärung?
Das hat mit unserem Wohlstand und unserer Lebensweise zu tun, die zu einem veränderten Einkaufsverhalten geführt haben. Aber: Wir verursachen zwar viel Verpackungsabfall, sind aber auch Europameister beim Recyceln. Unsere Kreislaufwirtschaft ist weltweit mit am besten entwickelt.

Dabei wird nur die Hälfte des Mülls der Gelben Tonne recycelt, der Rest verbrannt. Ist die ganze Trennerei für die Tonne?
Nein. Aber der Recyclinganteil muss höher werden. Deshalb werden wir in unserem neuen Verpackungsgesetz höhere Recyclingquoten vorschreiben. Bis 2020 soll eine Quote von 63 Prozent bei Kunststoff erreicht werden, bei Metall sogar 90 Prozent. Das ist ein realistisches Ziel.

Zu den neueren Abfallphänomenen gehört der beliebte Coffee-to-go...
In der Tat! In Deutschland werden jede Stunde 320.000 Kaffeebecher verbraucht, vor allem in den Städten. Einige Bäckereien oder Cafés geben Rabatte, wenn man den eigenen Becher mitbringt. Es wäre schön, wenn sich noch viel mehr Cafés diesem freiwilligen Angebot anschließen würden. Wenn wir das Problem nicht in den Griff bekommen, muss man eventuell über eine rechtliche Regelung nachdenken. Aber ich will nicht immer mit Gesetzen drohen, das ist nicht meine Art. Bei den Plastiktüten sehen wir, dass es auch freiwillig geht.

Was für neue Abfallquellen durch veränderte Lebensgewohnheiten sehen Sie noch?
Die Warenbestellung übers Internet ist beim Thema Abfall ein großes Problem. Inzwischen wird ja in manchen Städten auch immer mehr Essen per Online-Bestellung geliefert. Es gibt auch immer mehr Singlehaushalte. Das führt dazu, dass mehr Fertigprodukte und kleinere Portionen gekauft werden. Dadurch entsteht viel Verpackungsmüll.

Was kann man dagegen tun?
Man kann zum Beispiel abfallbewusster einkaufen, öfter in Läden kaufen als im Internet bestellen. Wenn jemand den Abfall vernünftig trennt, muss er aber kein schlechtes Gewissen haben. Glücklicherweise haben wir eine funktionierende Abfall- und Recyclingwirtschaft.

Gibt es einen Zusammenhang zwischen Einkommen und Abfallverhalten?
Da muss man ganz vorsichtig sein. Menschen mit höherem Einkommen hinterlassen oft einen größeren ökologischen Fußabdruck, weil sie größere Autos und Wohnungen haben und häufiger fliegen. Andere Haushalte haben oft einen kleineren Fußabdruck, selbst wenn sie weniger auf Mülltrennung achten.

Was kann man gegen den Verpackungswahnsinn, also übertrieben aufwändig verpackte Produkte, tun?
Das ist vor allem eine Frage für den Einzelhandel. Obst und Gemüse muss zum Beispiel nicht extra verschweißt werden, wie bei der Gurke. Momentan prüft eine große Lebensmittelkette, wie sie auf die "Hemdchenbeutel", die kleinen durchsichtigen Plastiktütchen, verzichten kann. Das sind richtige Schritte.

Warum sind die Gebühren für die Restmüllentsorgung in den Kommunen so unterschiedlich?
Weil die Kommunen unterschiedliche Entsorgungswege und Serviceangebote haben und manche es zudem wirtschaftlicher machen als andere.

Aber ist das fair, wenn man in der einen Kommune viel mehr bezahlen muss als in der Nachbargemeinde?
Sicher nicht, aber wer das Gefühl hat, allzu schlecht wegzukommen, sollte dagegen bei seiner kommunalen Verwaltung protestieren. Und er kann seinen Gebührenbescheid anfechten. Beides ist schon erfolgreich praktiziert worden.

29.01.2017 | Medienbeitrag Dr. Barbara Hendricks | Bild am Sonntag