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04.03.2016

Eröffnungsrede von Dr. Barbara Hendricks auf der internationalen Konferenz zu nachhaltigem Bauen

Eröffnungsrede von Dr. Barbara Hendricks auf der internationalen Konferenz zu nachhaltigem Bauen "Strategien für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen"

"Strategien für zukunftsfähiges Bauen und Wohnen"

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Walter Pelka,

sehr geehrte Senatorin Katharina Fegebank,

sehr geehrte Damen und Herren,

in einer Hafenstadt wie Hamburg ist man es gewohnt, den Wasserpegel zu beobachten. Im Hafen und in der HafenCity gilt dies sicher ganz besonders. Ein 1 oder 2 Meter höherer Wasserstand, weil etwa ein Teil von Grönlands Gletschern geschmolzen sind, das mag hier vor Ort ein paar nasse Füße bedeuten. Für die Küste bedeutet dies auf Dauer, mit einem Seitenblick auf die niederländischen Erfahrungen, vor allem eins: Es kostet Geld, viel Geld.

Wenn das ganze Land aber insgesamt nur 1 oder 2 Meter über dem Meeresspiegel liegt, dann stellt sich plötzlich die Existenzfrage – für das Land, die Region und für die Menschen. Deshalb war es auch so wichtig, dass wir uns auf der Weltklimakonferenz in Paris nicht nur völkerrechtlich verbindlich darauf geeinigt haben, die Erwärmung der Erde auf 2 Grad zu beschränken. Sondern wir haben uns verpflichtet, uns anzustrengen, damit die Erderwärmung auch unterhalb von 1,5 Grad bleibt. Es gibt Weltgegenden, für die bedeutet das den Unterschied zwischen Sein und Nicht-mehr-sein. Zum Beispiel für Bangladesch, die Karibik oder für pazifische Inseln. Wir haben aus Paris ein Abkommen mitgebracht, das besser ist als alles, was wir uns erhofft haben.  Es ist ein Meilenstein für den internationalen Klimaschutz und es ist ein Hoffnungszeichen für die Menschen weltweit. Es ist uns gelungen, alle 195 Staaten der Erde auf ein weltumspannendes Klimaschutzabkommen zu verpflichten. Es ist ein Abkommen, das den Klimaschutz unumkehrbar macht und eine eindeutige Richtung vorgibt: 

Der Weg führt hinaus aus dem fossilen Zeitalter. Wir werden damit ein Zeitalter überwinden, in dem wir unsere Wirtschafts- und Lebensweise auf Kosten der Armen und der kommenden Generationen erkauft haben. Wir brechen auf in eine Zeit, in der wir endlich die ökologischen Grenzen der Erde respektieren. Für diesen Aufbruch war das Jahr 2015 ein gutes Jahr. Die Staaten der Welt sind wichtige Schritte aufeinander zu gegangen. Das Abkommen von Paris war lediglich der Schlusspunkt. Bereits im Juni haben die G7, die wichtigsten Industriestaaten der Erde, auf ihrem Treffen in Elmau beschlossen, die Weltwirtschaft noch in diesem Jahrhundert zu dekarbonisieren. Das war ein wichtiges Signal. Praktisch bedeutet dies den kompletten Umbau unserer bisherigen Art zu Wirtschaften und eine Hinwendung zu nachhaltigen Produktions- und Lebensweisen.

Dieser Gedanke prägte auch den anderen großen Meilenstein für den Klima- und Umweltschutz im letzten Jahr:  

Auf dem Nachhaltigkeitsgipfel der Vereinten Nationen im September wurde die 2030-Agenda für Nachhaltige Entwicklung beschlossen.  Sie verbindet zum ersten Mal systematisch die Bekämpfung von Armut mit der Bewahrung unseres Planeten. Es ist auch höchste Zeit: Denn es liegt an unserer Generation, heute die Grundlagen dafür zu schaffen, dass auch für die kommenden Generationen die Welt lebenswert bleibt. Oder dass sie wieder lebenswert wird. Denn 2015 war auch das Jahr, in dem wir über 1 Million geflüchtete Menschen in Deutschland aufgenommen haben. Viele von ihnen werden wohl auf Dauer bei uns bleiben. Im vergangenen Jahr waren rund 60 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht, vor Hunger, Armut, Krieg und Verfolgung. Dies ist die höchste Zahl, die der UN-Flüchtlingskommissar jemals verzeichnet hat. Leider spricht vieles dafür, dass die Zahl nicht zurückgehen, sondern weiter steigen wird. Klimawandel und Knappheit von Ressourcen zwingen Menschen zum Verlassen ihrer Heimat oder sind zunehmend Ursachen von Konflikten.

Sie sehen, Nachhaltigkeit ist nicht nur "nice to have". Nachhaltigkeit ist eine aktuelle Grundfrage unserer Zivilisation. Die Bedeutung der Nachhaltigkeit beim Planen, Bauen und Betreiben von Gebäuden sowie bei der Stadtentwicklung und Siedlungsplanung findet sich auch in der 2030-Agenda wieder: 

Sie enthält erstmals auch ein spezifisches Ziel für Städte – dies zeigt die große Bedeutung, die Städten zukommt. In den Städten wird sich entscheiden, ob nachhaltige Entwicklung ein Erfolg wird – in Deutschland, in Europa und weltweit. Drei Viertel der Weltbevölkerung werden nach Schätzungen der Vereinten Nationen im Jahr 2050 in Städten leben, in Deutschland sind es heute schon mehr als 70 Prozent. Vor diesem Hintergrund ist die Art und Weise, wie wir unsere Städte planen und weiterentwickeln, von großer Bedeutung für eine nachhaltige Entwicklung. 

Es sind die urbanen Räume, in denen kurzsichtige Entscheidungen zu langfristig wirkenden Problemen führen können. Die Bundesregierung, und vor allem mein Haus - das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit - wir werden bei der Umsetzung der 2030-Agenda die Bereiche Bauen, Wohnen und nachhaltige Stadtentwicklung deutlich einbringen. Durch die Zusammenlegung der Ressorts für Umwelt und Bauen in dieser Regierung ist hier vieles einfacher und effizienter in der Umsetzung geworden.  Ein Beispiel: Sie wissen, wir brauchen dringend mehr Wohnungen zu bezahlbaren Preisen für breite Bevölkerungsschichten. Dafür habe ich ein Zehn-Punkte-Programm für eine Wohnungsbauoffensive vorgestellt und dafür wollen wir den Sozialen Wohnungsbau weiter stärken.

Gleichzeitig haben wir das Ziel, dass unser Gebäudebestand bis zur Mitte des Jahrhunderts weitgehend klimaneutral sein soll. Wir müssen das anstreben, um unsere Klimaschutzziele glaubhaft erreichen zu können. Wir werden deshalb keine Abstriche bei den Anforderungen an die Energieeffizienz von Gebäuden zulassen. Denn der Klimaschutz im Gebäudebereich ist kein Merkmal für gehobene Ausstattung, sondern eine bindende Verpflichtung aus Verantwortung für diese Welt und für kommende Generationen. Klimaschutz ist nur eine Facette der Nachhaltigkeit beim Planen und Bauen. Mit der komplexen Praxis des nachhaltigen Bauens ist der Bund als Bauherr selbst konfrontiert. Unser Verständnis vom zukunftsfähigen Bauen und Betreiben von Gebäuden haben wir im Leitfaden Nachhaltiges Bauen verbindlich für den Bundesbau geregelt. Der Leitfaden wurde im vergangenen Jahr aktualisiert. Ich freue mich ganz besonders, dass wir Ihnen rechtzeitig für die diesjährige Konferenz auch eine englischsprachige Version des Leitfadens anbieten können.

Die Messlatte für die Nachhaltigkeit unserer Umwelt- und Baupolitik ist unsere Nationale Nachhaltigkeitsstrategie mit ihren Zielen und Indikatoren. Wir werden sie im Lichte der 2030-Agenda weiterentwickeln. Dafür stehen wir im ständigen Austausch mit den Akteuren der Wirtschaft, der kommunalen Seite und natürlich auch mit Wissenschaft und Lehre. Wir brauchen Ihren Input, deshalb habe ich besonders gerne die Schirmherrschaft für diesen Kongress übernommen und wünsche Ihnen eine gute Zeit hier in Hamburg. 

Vielen Dank!

04.03.2016 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Hamburg