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16.03.2017

Eröffnungsrede von Dr. Barbara Hendricks zum G20 Workshop: Wege zu mehr Ressourceneffizienz!

Eröffnungsrede von Dr. Barbara Hendricks zum G20 Workshop: Wege zu mehr Ressourceneffizienz!

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Umweltminister Sergio Bergman,
sehr geehrter Herr UNEP-Vize-Exekutivdirektor Thiaw,
sehr geehrter Herr Staatssekretär Machnig,
sehr geehrter Herr Präsident Dr. Heraeus,
sehr geehrter Herr Prof. Ekins,
sehr geehrte Damen und Herren,

"Irgendwo wird es immer Gärten gegeben haben. Wo eine Kultur wächst, ordnet der Mensch das Wildwachsende." Mit diesen beiden Sätzen beginnt die Schriftstellerin Gabriele Tergit, nach der diese Straße hier am Potsdamer Platz benannt ist, ihr Buch "Der alte Garten".

Von einem nur ordnenden Eingriff von uns Menschen in die Natur können wir allerdings wohl schon lange nicht mehr sprechen. Allein am Ende des heutigen Tages werden weltweit 200 Millionen Tonnen Primärrohstoffe mehr in Umlauf sein als zu Tagesbeginn.

Unser Lebensstil ist eng an den Verbrauch natürlicher Ressourcen gekoppelt. Im Jahr 2015 wurden 85 Milliarden Tonnen Material abgebaut. Wenn wir nicht gegensteuern, kann diese Zahl bis zur Mitte des Jahrhunderts auf mehr als das Doppelte ansteigen.

Das kann nicht gut gehen. Diese Nachfrage geht zu Lasten unserer Umwelt – und viele Menschen rings um den Globus bekommen dies schon heute zu spüren. Der Abbau von Rohstoffen ist in der Regel mit hohem Energieaufwand, mit der Emission von Treibhausgasen und Schadstoffen und allzu oft mit der Zerstörung der Umwelt verbunden.

Schon in naher Zukunft wollen mehr als 9 Milliarden Menschen ein Leben in Wohlstand und Sicherheit genießen. Das ist der Anspruch der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen. Wenn wir es ernst meinen mit der Gerechtigkeit in einer globalisierten Welt, dann müssen wir künftig 9 Milliarden Menschen ein solches Leben ermöglichen.

Das können wir nur erreichen, wenn wir eine Lösung innerhalb der Grenzen unseres Planeten finden. Unser Ziel muss sein, Wohlstand und Wirtschaftswachstum vom Verbrauch natürlicher Ressourcen zu entkoppeln. Also mehr Wohlstand mit weniger Ressourcenverbrauch!

Das ist wahrlich eine Mammutaufgabe. Doch – und das ist die entscheidende gute Nachricht – diese Mammutaufgabe ist lösbar. Die nötigen Konzepte und Technologien sind bereits vorhanden. Es könnte also losgehen mit der Wende. Was wir jetzt noch brauchen, ist die nötige Entschlossenheit. Ich freue mich sehr, dass Herr Professor Ekins uns dazu später mehr berichten wird.

Wir haben uns in Deutschland zum Ziel gesetzt, den Materialverbrauch möglichst gering zu halten. Und zwar im gesamten Wirtschaftskreislauf, von einer nachhaltigen Rohstoffgewinnung über alle Produktionsschritte hinweg bis zur Rückgewinnung von Rohstoffen aus Abfall. Das konkrete Ziel ist, die Gesamtrohstoffproduktivität bis zum Jahr 2030 gegenüber 2010 um ungefähr ein Drittel zu steigern. Zugegeben, ein ehrgeiziges Ziel.

Das nutzt der Umwelt, zweifellos. Wir sehen darin aber auch einen wichtigen Faktor für wirtschaftlichen Erfolg. Dazu wird Herr Staatssekretär Machnig aus dem Bundeswirtschaftsministerium gleich nach mir sprechen.

Viele Praxisbeispiele belegen, dass Ressourceneffizienz der Bestandteil eines ökonomisch tragfähigen Geschäftsmodells ist. Ich freue mich daher besonders, dass wir mit Herrn Dr. Heraeus den Präsidenten der "Business 20", also den Vertreter der Wirtschaft im G20-Prozess, heute bei uns haben.

Wir wollen das Thema Ressourceneffizienz im engen Schulterschluss der G20 voranbringen. Denn eine globale Herausforderung verlangt auch nach einer ebensolchen Antwort. In unserem Kreis der 20 wirtschaftlich stärksten Länder der Welt liegen die größten Herausforderungen, aber damit auch die größten Potenziale für mehr Ressourceneffizienz.

Ich schlage daher vor, dass wir eine G20-Ressourcenpartnerschaft gründen. Unter dem Dach einer solchen Partnerschaft können wir einen kontinuierlichen Dialog starten, um voneinander zu lernen und uns gegenseitig zu unterstützen. Unser aller Ziel sollte es sein, ressourceneffiziente und nachhaltige Lösungen schnellstmöglich durchzusetzen. Besonders wichtig ist mir der Austausch von guten Beispielen.

Ich freue mich daher sehr, dass Minister Bergman aus Argentinien heute Vormittag seine Perspektiven vorstellen wird und dass Regierungsvertreterinnen und -vertreter aller G20-Staaten hier nach Berlin gereist sind, um mit uns in einem Workshop über die weitere Zusammenarbeit der G20 zu beraten.

Ich bedanke mich bei allen unseren internationalen Gästen schon jetzt ganz herzlich. Die vielen positiven Rückmeldungen aus dem Kreis der G20 zeigen mir, dass es richtig war, Ressourceneffizienz auf die Agenda unserer G20-Präsidentschaft zu setzen.

Unsere Wirtschaft ist global vernetzt wie nie zuvor. Produktionsketten erstrecken sich oft über mehrere Kontinente. Das darf aber nicht dazu führen, dass globale Unternehmen sich einen Wettlauf um Produktionsstandorte mit niedrigen Umweltstandards liefern. Nach wie vor ist der Materialverbrauch in den alten Industrieländern am höchsten. Aber es gibt hier auch viele sehr gute Beispiele, wie Kreisläufe geschlossen und der Verbrauch von Primärrohstoffen gesenkt werden kann.

In den schnell wachsenden Schwellenländern der G20 wiederum werden heute Entscheidungen über Infrastrukturen und Produktion getroffen, die den Wirtschaftspfad über Jahrzehnte hinaus bestimmen werden. Das ist ein riesiges Potenzial, um von Anfang an auf Ressourceneffizienz zu setzen. Auch hier können wir alle voneinander profitieren.

Mir liegt es sehr am Herzen, dass wir uns gegenseitig informieren. So können wir uns auch gegenseitig bei der Umsetzung der Agenda 2030 und der globalen Nachhaltigkeitsziele unterstützen. Denn das muss unsere Richtschnur sein: In den Sustainable Development Goals haben wir uns alle gemeinsam verpflichtet, bis zum Jahr 2030 deutliche Fortschritte zu erreichen.

Ein weiteres wichtiges Thema der G20-Ressourcenpartnerschaft sollte es sein, unser Wissen über den derzeitigen und den künftigen Ressourcenbedarf zu erweitern. Denn obwohl der Rohstoffbedarf so stark wächst und obwohl Rohstoffe in den Produktionsketten oft mehrfach um die Welt reisen, wissen wir noch erschreckend wenig über die derzeitigen Materialströme und den genauen zukünftigen Bedarf. Und: Nur was man messen kann und auf guter Grundlage prognostizieren kann, das kann man auch wirksam beeinflussen. Ich bin froh, dass der G20-Ressourcenpartnerschaft hier wichtige internationale Organisationen zur Seite stehen können.

Sie, Herr Thiaw, werden uns noch heute Morgen die Aktivitäten von UN Environment vorstellen. Für den Regierungsworkshop haben Vertreterinnen und Vertreter von OECD und UNIDO zugesagt, uns über ihr Engagement zu berichten. Herzlich willkommen!

Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, die Ressourceneffizienz zu einem dauerhaften Erfolgsfaktor unserer Volkswirtschaften zu machen. Ich freue mich ganz besonders, dass Sie, Minister Bergman, mir schon zugesagt haben, das Thema zu unterstützen und in Ihrer kommenden G20 Präsidentschaft fortzuführen.

Wir können jetzt die richtigen Weichenstellungen für die kommenden Jahre vornehmen. Lassen Sie uns gemeinsam handeln! Vielen Dank.

16.03.2017 | Rede Dr. Barbara Hendricks