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22.06.2017

Grußwort von Rita Schwarzelühr-Sutter zur Diskussion "Finanzierung von Klimaschutzinvestitionen in Gewerbeimmobilien"

Porträt von Rita Schwarzelühr-Sutter
Gewerbeimmobilien weisen zwar einen relativ geringen Anteil am gesamten Gebäudebestand auf, sind aber gleichwohl kritisch für das Erreichen der Klimaschutzziele.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Müller,
sehr geehrter Herr Daldrup,
sehr geehrter Herr Barret,
sehr geehrte Damen und Herren,

wenn wir über Klimaschutz im Gebäudebereich sprechen, denken wir oft zunächst an Wohngebäude. Dabei entfällt fast die Hälfte der gebäudebezogenen Treibhausgasemissionen auf Nicht-Wohngebäude.

Ich begrüße es deshalb sehr, dass Sie sich dem Thema Klimaschutz in Gewerbeimmobilien angenommen haben.

Wir haben das Finanzforum Energieeffizienz der DENEFF von Beginn an unterstützt und freuen uns, diese Zusammenarbeit auch im aktuellen Projekt fortzuführen, in dem es sehr konkret um Finanzierungsstrategien für die Energieeffizienz bei Gewerbeimmobilien geht.

Denn es gibt ja bereits viele gute Beispiele, die zeigen, wie sich nachhaltiges und klimaneutrales Bauen und Sanieren auch bei Nicht-Wohngebäuden realisieren lässt. Übrigens ist auch das Paul-Löbe-Haus ein interessantes Beispiel.

So setzte das Energiekonzept für die Parlamentsbauten im Spreebogen bereits zur Jahrtausendwende auf weitgehend dezentrale und erneuerbare Energieversorgung, sowie ein ausgeklügeltes Heizungs-, Kühlungs- und Wärmespeichersystem. Wobei wir uns heute – mehr als 15 Jahre nach Einweihung dieses Hauses – neben der guten Photovoltaik-Lösung auf dem Dach – sicher nicht mehr für biodiesel-betriebene Blockheizkraftwerke als Basis der Stromerzeugung entscheiden würden.

Ende 2016 hat die Bundesregierung den Klimaschutzplan 2050 beschlossen. Mit dem Klimaschutzplan wollen wir den Weg in ein weitgehend treibhausgasneutrales Deutschland im Jahr 2050 aufzeigen. Als wichtiges Etappenziel hatten wir uns schon mit dem Energiekonzept im Jahr 2010 vorgenommen, unsere Treibhausgasemissionen bis 2030 um mindestens 55 Prozent gegenüber 1990 zu mindern. Dieses Ziel haben wir mit dem Klimaschutzplan nun auch mit Klimazielen für die einzelnen Sektoren unterlegt. Damit geben wir den einzelnen Wirtschaftszweigen einen konkreten Rahmen für strategische Entscheidungen in den nächsten Jahren. Unsere Unternehmen, aber auch die Bürgerinnen und Bürger und die Politik erhalten dadurch die notwendige Planungssicherheit.

Kluge Klima- und Umweltpolitik, die frühzeitig die richtigen Weichen stellt und damit auch Investoren Orientierung gibt, kann entscheidend dazu beitragen, Fehlinvestitionen zu vermeiden. Vor allem müssen die Rahmenbedingungen mittel- und langfristig verlässlich sein. Der Klimaschutzplan 2050 leitet hier einen Paradigmenwechsel ein: Bislang wurden erneuerbare Energien und Energieeffizienz über Klimaschutztechnologien durch entsprechende Vorgaben oder durch Förderungen in die Energiemärkte eingeführt.

Künftig sollte aus unserer Sicht diese Logik umgedreht werden: Erneuerbare Energien und Energieeffizienz sollen den Standard für Investitionen bilden, während Investitionen in die Nutzung fossiler Energien nur noch zeitlich begrenzt und in Ausnahmefällen stattfinden sollen.

Investitionen in fossile Strukturen mit einer Nutzungsdauer über 2050 hinaus, bergen das Risiko, zu verlorenen Vermögenswerten der beteiligten Unternehmen und ihrer Beschäftigten zu werden. Ich denke, genau diese Frage wird mit Blick auf Gewerbeimmobilien unter dem Stichwort "Stranding Risk-Analyse" heute noch Thema sein.

Mit dem Klimaschutzplan haben wir uns als Ziel für den Sektor Gebäude gesetzt, die Emissionen bis zum Jahr 2030 um 66 bis 67 Prozent gegenüber 1990 zu mindern. Dabei werden sowohl Wohn- als auch Nicht-Wohngebäude erfasst.

Als wesentliche strategische Maßnahme haben wir im Klimaschutzplan 2050 den Fahrplan für einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand verankert. Wir setzen dabei insbesondere auf anspruchsvolle Neubaustandards, langfristige Sanierungsstrategien für den Gebäudebestand sowie die schrittweise Abkehr von fossilen Brennstoffen. Auch die energetischen Anforderungen an Bestandsgebäude sollen schrittweise und in wirtschaftlicher Weise weiterentwickelt werden.

Dabei geht es sowohl um Wohn- als auch um Nicht-Wohngebäude.

Uns ist bewusst, dass die Datenlage hinsichtlich Nutzung und Energiebedarf bei Nicht-Wohngebäuden nach wie vor unzureichend ist. Das Projekt "Klimaschutz in Gewerbeimmobilien" bringt bereits einiges Licht ins Dunkel. Im Klimaschutzplan haben wir uns vorgenommen, die Situation weiter zu verbessern.

Darüber hinaus werden wir für den Gebäudebestand auf der Basis des Energieeinsparrechts eine Systematik entwickeln, die Gebäudeeigentümern eine energetische Einordnung des jeweiligen Gebäudes nach Klassen ermöglicht.

Außerdem wollen wir das nachhaltige Bauen verstärkt fördern. Bislang werden Emissionen und andere negative Umwelteffekte, die bei Herstellung, Verarbeitung und Entsorgung von Baumaterialien entstehen, noch zu wenig beachtet. Diese umfassende Nachhaltigkeitsperspektive gilt es auch bei der Entwicklung nachhaltiger Finanzprodukte und Investitionsstandards im Gebäudebereich mit zu berücksichtigen.

Bei all den genannten Ansätzen ist natürlich die Wirtschaftlichkeit der entscheidende Dreh- und Angelpunkt. Nur wenn diese gegeben ist, werden auch die notwendigen Investitionen getätigt. Und hierfür ist es wiederum entscheidend, den richtigen Investitionszeitpunkt zu identifizieren. Und hierfür liefert das Projekt "Klimaschutz in Gewerbeimmobilien" die entscheidenden Ansatzpunkte. Insofern kann ich für den Nicht-Wohngebäudebereich die Bedeutung des Projektes nur noch einmal ausdrücklich unterstreichen und mich für Ihre Arbeiten hierzu ausdrücklich bedanken.

Als Staatssekretärin im Bauministerium möchte ich noch einen Appell an Sie richten: Vernachlässigen Sie bitte auch bei Gewerbeimmobilien nicht die Baukultur. Auch diese gebaute Umwelt sollte ästhetisch und nachhaltig gestaltet sein.

Wir alle müssen uns auf den Klimawandel einstellen. Auch wer in Gebäude investiert, kommt nicht um die Frage herum, ob ein Gebäude langfristig "klimafit" ist. Hält es den möglichen Auswirkungen des Klimawandels stand? Genügt es den Anforderungen an einen wirksamen Klimaschutz? Und mit welchen Geschäftsmodellen lassen sich Einsparpotenziale am besten heben?

Letztlich geht es darum, aus Klimaschutzinvestitionen einen chancenreichen und risikoarmen Business Case zu machen. Hierzu wünsche ich Ihnen heute viele neue Erkenntnisse und gute Diskussionen.

Vielen Dank.

22.06.2017 | Rede Rita Schwarzelühr-Sutter | Berlin