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12.11.2017

Grußwort zur Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland

Barbara Hendricks hält ein Grußwort bei der vierten Tagung der 12. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland in Bonn.

Sehr geehrte Frau Präses Dr. Schwaetzer,
sehr geehrter Herr Ratsvorsitzender Dr. Bedford-Strohm,
sehr geehrter Bischof Dutzmann,
sehr geehrter Metropolit Augoustinos,
lieber Herr Sternberg,
sehr geehrte Synodale,
meine sehr verehrten Damen und Herren!

Es ist eine schöne Fügung, dass Ihre Synode hier in Bonn parallel zur Weltklimakonferenz tagt. Meines Wissens war das ursprünglich nicht beabsichtigt Das konnten Sie, glaube ich, auch gar nicht wissen; denn wir haben erst vor ungefähr elf Monaten erfahren, dass wir die Klimakonferenz hier ausrichten werden. Soweit ich weiß, sind Ihre Vorplanungen älter.

Bis vor wenigen Tagen haben Sie das Reformationsjubiläum gefeiert. 500 Jahre sind seit Martin Luthers Thesenanschlag an der Wittenberger Schlosskirche vergangen. Hier in Bonn verhandeln gerade weit über 20.000 Delegierte darüber, wie unsere Welt bis zum Ende dieses Jahrhunderts – und natürlich auch darüber hinaus – lebenswert bleiben kann, wie wir den Klimawandel und seine Folgen wirksam begrenzen können. Beide Ereignisse – Reformationsjubiläum und Klimakonferenz – blicken weniger zurück, sondern sind in die Zukunft gerichtet. Weil das so ist, freue ich mich sehr über die Gelegenheit, als jetzt geschäftsführende Bundesumwelt- und bauministerin zu Ihnen sprechen zu können.

Die Überschrift Ihrer Tagung „Zukunft auf gutem Grund“ hätte auch gut zur Weltklimakonferenz passen können. Wie Sie sicher wissen, hat die Republik Fidschi in diesem Jahr die Präsidentschaft der Konferenz inne. Erstmals leitet damit ein wirklich kleiner Staat eine große Klimakonferenz. Fidschi ist ein Zeuge dafür, dass der Klimawandel längst begonnen hat, und repräsentiert damit die besonders verwundbaren Inselstaaten des Pazifiks. Die Lage in diesen Staaten muss noch viel stärker in unseren und in den Fokus der Weltöffentlichkeit gelangen. Deutschland hat sich deshalb vorgenommen, die Präsidentschaft Fidschis mit allen Kräften zu unterstützen.

Wir haben uns auf der Klimakonferenz in Paris vor zwei Jahren darauf geeinigt, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad, möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen. Das muss die Summe unserer nationalen Klimaschutzbeiträge gewährleisten. Tatsächlich ist das bisher aber noch nicht der Fall. Weltweit – das bedeutet, in allen Ländern – müssen wir die Anstrengungen erhöhen, um die zugesagten nationalen Klimaschutzziele zu erreichen und diese Ziele darüber hinaus auch weiter zu schärfen. Sonst werden wir nicht erfolgreich sein.

Das ist übrigens von Anfang an klar gewesen. Als wir in Paris die sogenannten NDCs zusammengezählt haben, also die nationalen Beiträge, war uns klar, dass wir, wenn das nicht besser würde, bis zum Ende dieses Jahrhunderts bei etwa 3 Grad Erderwärmung landen würden. Das hat auch die UNO gerade in der vergangenen Woche noch einmal gesagt. Das, was bisher zugesagt ist, reicht noch nicht aus. Ja, das stimmt. Deswegen ist auch Gegenstand des Klimaabkommens von Paris, dass wir uns in regelmäßigen Abständen überprüfen und gegenseitig nachweisen, was wir getan haben, was wir zu tun gedenken und wie wir jeweils noch besser werden.

Es ist übrigens auch – das sage ich auch im Hinblick auf stattfindende Koalitionssondierungen – jedes einzelne Land verpflichtet, seinen Beitrag zu leisten. Wir können uns nicht zum Beispiel in den Ländern des Südens freikaufen. So oder so müssen wir die Länder des Südens unterstützen – in deren und in unserem eigenen Interesse –, aber ein Freikaufen von unseren eigenen Verantwortlichkeiten kann damit nicht verbunden sein. Das wäre auch ganz klar völkerrechtswidrig; denn das Pariser Klimaschutzabkommen ist völkerrechtlich bindend.

Im August ist Tony de Brum gestorben. Er war unter anderem über viele Jahre Außenminister der Marshall Islands. Tony de Brum ist kürzlich posthum mit dem Ehrenpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt geehrt worden. Herr Bischof Dr. Bedford-Strohm hat vor gerade zwei Wochen die Laudatio gehalten. Tony de Brum war ein leuchtendes Vorbild für ein gemeinsames Engagement zur Bewahrung eines lebenswerten Planeten. Er wusste, dass der Klimawandel in vielen Regionen der Welt großes Elend auslösen wird. Ihm ist es gelungen, in Paris die sogenannte High Ambition Coalition zu schmieden. Wir haben uns dann in Paris untergehakt und sind gemeinsam in die Konferenz eingezogen. Damit haben wir deutlich gemacht, dass das Zustandekommen des Abkommens überlebenswichtig ist. Ich glaube, er wäre sehr stolz auf die Präsidentschaft eines kleinen Inselstaates wie Fidschi. Bischof Dr. Bedford-Strohm hat in seiner Laudatio gesagt, Tony de Brum habe sich um die ganze Menschheit verdient gemacht. Das ist wahr, und das bleibt auch sein Vermächtnis. Wir müssen als Weltgemeinschaft zusammenfinden und zusammenstehen, und vor allem müssen wir unseren Worten Taten folgen lassen.

Für die Klimakonferenz hier in Bonn folgt aus diesem Vermächtnis die Verpflichtung, Fortschritte bei der Umsetzung des Pariser Abkommens zu erzielen. Es geht um nicht weniger als den Abschied von der fossilen Wirtschaftsweise, die seit über zweihundert Jahren das gesamte industrielle Zeitalter geprägt hat. Dieser Abschied ist überall auf der Welt schwierig – ich weiß, wovon ich rede –; aber er muss beherzt beschritten werden. Sonst werden wir die Erdatmosphäre weiter überhitzen. Ich könnte es auch so formulieren: Beim Klimawandel haben wir inzwischen einen Punkt erreicht, an dem keine Reformation mehr hilft, sondern nur noch eine vollständige Transformation, weg von den fossilen hin zu den erneuerbaren Energien.

Das war natürlich die Überleitung zum Reformationsjubiläum; so war es zumindest gedacht. Gestatten Sie mir bitte noch ein paar Gedanken zu diesem wirklich großen Ereignis. Ich war von den Veranstaltungen, dem Programm und vor allem dem Engagement vor Ort in Wittenberg, in Eisenach, in Eisleben und in den anderen Reformationsorten sehr beeindruckt. Das sage ich Ihnen auch nicht nur als Bauministerin, sondern auch als Katholikin vom Niederrhein. Bereits weit im Vorfeld des Reformationsjubiläums hat das Bundesbauministerium gemeinsam mit der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien viele Reformationsstätten kontinuierlich gefördert. Das gilt insbesondere für die in die UNESCO-Welterbe-Liste aufgenommenen Reformationsschauplätze. Wir haben das reiche baukulturelle Erbe der Reformation aber nicht nur für das Jubiläum gepflegt und herausgeputzt, sondern natürlich für die Zukunft. Unser Ziel war es, die Stätten der Reformation würdig zu repräsentieren. Ich bin sicher, dass das gelungen ist und bei den vielen Besucherinnen und Besuchern der Reformationsorte auch angekommen ist.

Darüber hinaus denke ich, dass wir hier gut in die Zukunft der Orte der Reformation investiert haben. Mit dem städtebaulichen Denkmalschutz wollen wir schließlich keine historischen Kulissen, sondern lebendige Städte und Stätten schaffen. Neben dem reinen Denkmalschutz spielen dabei vielfältige Aspekte von der lebendigen Stadtgesellschaft über die demographische Entwicklung bis zum Klimaschutz eine Rolle. Ich konnte bei meinen Besuchen einen Eindruck gewinnen, mit welchem Engagement das Reformationsjubiläum durchgeführt worden ist. Das hat meinen allerhöchsten Respekt, und ich danke dafür Ihnen und Ihrer kirchlichen Gemeinschaft. Das ist auch der Grund, auf dem im Sinne Ihres Tagungsmottos die Zukunft dann gut gedeihen kann.

Ich sage das auch, weil mir natürlich bewusst ist, dass es immer Widerstände gibt, wenn sich die Kirchen in der Öffentlichkeit wie jetzt zum Reformationsjubiläum selbstbewusst präsentieren und sie dabei auch noch der Staat unterstützt. Da gibt es einerseits grundsätzliche kirchenkritische Haltungen, und das längst nicht ausschließlich aus atheistischen Kreisen. Andererseits haben wir in den letzten Jahren auch in Deutschland eine Protestbewegung erlebt, die das „Abendland“ quasi für sich reklamiert und gleichzeitig Ausgrenzung programmiert, obwohl doch das Abendland darauf zurückgeht, dass ein junges Paar vor rund zweitausend Jahren bei der Geburt seines Kindes kein Obdach gefunden hat und deshalb in einem Stall hausen musste. Diese Entwicklungen fordern Kirchen und Zivilgesellschaft heraus.

Ich glaube an die Kraft, wenn Menschen nach Gemeinsamkeit suchen und gemeinsam etwas bewegen wollen, so wie es zum Beispiel Tony de Brum bei den Klimaverhandlungen vorgemacht hat. Mit gemeinsamen Zielen lässt sich Trennendes überwinden. In Paris hat die Staatengemeinschaft mit dem Klimawandel eine der großen globalen Herausforderungen gemeinsam angenommen und auch gemeinsam angepackt. Wenn das beim Klimawandel möglich ist, sollte es doch auch bei anderen globalen Problemen möglich sein, gemeinsam zu handeln, zum Beispiel gegen Armut, gegen Aufrüstung, für mehr Bildung, Gesundheit und Gerechtigkeit.

Ich setze große Hoffnung in die Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung, die die Vereinten Nationen beschlossen und damit auch deutlich gemacht haben: Wir alle wollen die Transformation hin zu einer nachhaltigen Welt.

Für mich ist es auch ein Hoffnungszeichen, dass die beiden großen Kirchen das Reformationsjubiläum genutzt haben, nicht das Trennende, sondern vor allem das Gemeinsame zu suchen und zu finden. Ich bin sicher, dass auch das ein Stück Fundament für eine gute Zukunft unserer Gesellschaft ist.

Ich war übrigens sehr beeindruckt, als Herr Ratsvorsitzender Bedford-Strohm und Kardinal Marx am 31. Oktober in der Schlosskirche zu Wittenberg dem Herrn Bundespräsidenten gemeinsam das Kreuz aus dem Dom zu Hildesheim überreicht haben. Das war für mich einer der Höhepunkte des Reformationstages. Vielleicht werden wir nach dem Reformationsjubiläum eines Tages auch ein Transformationsjubiläum und damit den Zeitpunkt feiern, an dem wir als Menschheit begonnen haben, die Grenzen unseres Planeten zu respektieren und die Schöpfung in all ihrer Schönheit und Vielfältigkeit für künftige Generationen zu bewahren. Das wäre dann wirklich eine große Feier wert.

12.11.2017 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Bonn