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29.05.2017

Keynote von Dr. Barbara Hendricks auf der Konferenz "Global Solutions for G20: The Think20 Summit"

Dr. Barbara Hendricks hält eine Keynote auf dem T20 Gipfel in Berlin.
29.05.2017 | Internationale Umweltpolitik

Klimaschutz braucht Beitrag von Wissenschaft und Think Tanks

Bundesumweltministerin Barbara Hendricks eröffnet den T20 Gipfel mit dem Motto "Global Solutions for G20", auf der gemeinsame, forschungsbasierte, konkrete Empfehlungen entwickelt werden sollen, zur Unterstützung des politischen G20-Prozesses.

– Es gilt das gesprochene Wort. –

Sehr geehrter Herr Professor Snower,
sehr geehrter Herr Professor Messner,
sehr geehrte T20 Community,
sehr geehrte Damen und Herren,

wir wollen eine vernetzte Welt gestalten. Das ist das Motto der deutschen G20-Präsidentschaft. Wir wollen denjenigen couragiert entgegentreten, die neue Grenzen hochziehen wollen, anstatt sie zu beseitigen. Wir wollen denjenigen Unverbesserlichen, die durch sogenannte "alternative Fakten" wissensbasierte Diskurse infrage stellen wollen, keinen Raum geben.

Der weltweite "March of Science" vor ein paar Wochen, bei dem hunderttausende Menschen in 600 Städten – auch hier in Berlin – dagegen auf die Straße gegangen sind, war für mich ein beeindruckendes Zeichen für die Freiheit der Forschung und der Wissenschaft!

Die G20 vereinen fast zwei Drittel der Weltbevölkerung und über vier Fünftel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts. Aber sie sind auch für 80 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen verantwortlich. Deshalb kommt es darauf an, dass wir als G20-Staaten Mut beweisen und die großen Chancen nutzen, die uns das Paris-Abkommen und die 2030-Agenda bieten.

Es geht um einen weltweiten Strukturwandel hin zu deutlich nachhaltigeren, klimaverträglicheren Wirtschaftsweisen. Und damit um einen Modernisierungsschub, der zu zukunftssicheren Arbeitsplätzen führt. Dafür setzt sich die deutsche Präsidentschaft ein. Um einen echten Wandel hervorzurufen, muss er auch von einer breiten gesellschaftlichen Mehrheit getragen werden. Ich möchte daher der T20 für ihr Engagement danken, die uns zusammen mit Business 20 und Civil 20 zu einer konsequenten Umsetzung des Paris-Abkommens auffordert. Das gibt uns Rückenwind. Vielen Dank!

Sechs der G7-Staaten haben sich klar für Wohlstand durch Klimaschutz entschieden. Denn sie wissen: Nur mit einer beherzten Politik gegen den Klimawandel können wir wirtschaftlich wettbewerbsfähig bleiben. Natürlich wäre es gut gewesen, wenn auch die USA jetzt schon mitgemacht hätten. Präsident Trump hat angekündigt, diese Woche über den Kurs seiner Regierung in der internationalen Klimapolitik zu entscheiden. Hoffentlich trifft er die richtige Entscheidung für die Menschen in seinem Land. Der Rest der Welt wird jedenfalls klar auf Zukunftskurs bleiben!

Kaum ein anderes Politikfeld wird so sehr von wissenschaftlichen Erkenntnissen vorangetrieben wie die Klimapolitik. Wir verdanken es den Analysen des IPCC, – und viele von Ihnen haben daran mitgearbeitet – dass das 1,5-Grad-Ziel und die zwei-Grad-Obergrenze in der politischen Agenda verankert werden konnten. In diesem Zusammenhang möchte ich den Bericht der High-level Economic Commission on Carbon Pricing begrüßen, der heute Vormittag veröffentlicht worden ist. Einige von Ihnen haben daran mitgearbeitet. Er unterstreicht die Wichtigkeit einer funktionierenden CO2-Bepreisung und liefert Einschätzungen, wie sie funktionsfähig ausgestaltet werden muss.

Eine klare, wissenschaftliche Analyse hat auch die OECD vor wenigen Tagen mit der Studie "Investing in Climate, Investing in Growth" vorgelegt. Sie kommt zu dem Schluss, dass ehrgeiziger Klimaschutz, verbunden mit klimakompatibler Wachstumspolitik, einen Wachstumsschub von fast 5 Prozent im Durchschnitt der G20 im Jahr 2050 bringen kann. Es sind wissenschaftliche Analysen wie diese, die praktische Veränderungen anstoßen können, sowohl in der Politik, als auch in der Wirtschaft!

Diese Transformation hin zu CO2-neutralen und klimaresilienten Volkswirtschaften ist nur zu erreichen, wenn wirklich alle globalen Finanzströme in Richtung nachhaltige Investitionen umgelenkt werden. Dazu müssen Regierungen mit einem verlässlichen Rahmen Planungssicherheit bei Investitionsentscheidungen schaffen. Wir haben in Deutschland mit der Energiewende und dem Klimaschutzplan 2050 für eine solche Verlässlichkeit gesorgt. Ich finde es übrigens vorbildlich, dass viele Universitäten weltweit damit begonnen haben, ihre Geldanlagen aus fossilen Energieträgern abzuziehen und in klimafreundliche Alternativen umzuschichten.

Ich wünsche Ihnen gute Diskussionen – auch im weiteren Verlauf des Gipfels, zum Beispiel zum drängenden Problem der Meeresvermüllung. Ich wünsche mir, dass möglichst viele der T20-Forderungen auf dem G20-Gipfel Anklang finden und umgesetzt werden können. Denn wir können unsere Ziele nur gemeinsam erreichen.

Herzlichen Dank!

29.05.2017 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Berlin