BMUB Website

Navigation

Von hier aus koennen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

  • Home
  • Presse
  • Reden
  • Pressestatement von Dr. Barbara Hendricks anlässlich der ersten Meereskonferenz
https://www.bmub.bund.de/RE7156
08.06.2017

Pressestatement von Dr. Barbara Hendricks anlässlich der ersten Meereskonferenz der Vereinten Nationen

Porträtbild von Barbara Hendricks
Pressestatement von Dr. Barbara Hendricks aus Anlass der ersten Meereskonferenz der Vereinten Nationen in New York.

– Es gilt das gesprochene Wort –

Meine Damen und Herren,

diese Woche tagt die erste Weltozeankonferenz der Vereinten Nationen. Morgen werden 150 Staaten erstmals einen gemeinsamen Handlungsaufruf – einen Call for Action – zum Schutz unserer Weltmeere verabschieden. Das ist ein enormer Fortschritt.

Noch nie haben so viele Staaten über die Zukunft der Weltmeere beraten. Dass zeigt die Dramatik, vor der wir mittlerweile stehen:

Die Meere entwickeln sich zu einer riesigen Plastikmüllhalde. Wir gehen davon aus, dass über 100 Millionen Tonnen Abfälle in den Weltmeeren schwimmen. Das entspricht ungefähr anderthalb Güterzügen von der Erde bis zum Mond. Der bekannteste und größte Müllstrudel im Südpazifik umfasst eine Fläche in der Größe Zentraleuropas. Diese Müllmassen in den Weltmeeren beeinträchtigen die Meeresökosysteme.

Weltweit sind Fischbestände bedroht. Und der Klimawandel verschärft die Situation: das Wasser wird wärmer, und der Meeresspiegel steigt.

Fest steht: Das Zumüllen unseres blauen Planeten muss gestoppt werden. Damit das gelingt, müssen wir uns hier bei den Vereinten Nationen auf einen echten Richtungswechsel verständigen.

Wir brauchen einen anderen Umgang mit Plastik. Plastik gehört nicht ins Meer, sondern ins Recycling. Da der meiste Plastikmüll direkt vom Land in die Meere gelangt, ist es umso wichtiger, weltweit Recycling- und Entsorgungssysteme aufzubauen. Das ist eine unserer größten Herausforderungen.

Wir brauchen mehr nachhaltige, naturschutzverträgliche Fischerei. Es darf nicht mehr Fisch gefangen werden als natürlich nachwächst. Dieser Grundsatz muss Leitmotiv bei der Bewirtschaftung unserer Meere werden.

Und, wir brauchen weltweit nicht weniger, sondern mehr Klimaschutz. Der Klimawandel verändert die Meere und ihren Einfluss auf Inseln und Küsten erheblich.

Das Pariser Abkommen ist dafür die einzig richtige Grundlage. Das hat die Staatengemeinschaft hier auf der Ozeankonferenz klar zum Ausdruck gebracht.

Die Welterwärmung deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, ist der beste Schutz für unsere Meere und Ozeane.

Der gemeinsame Call for Action, der morgen verabschiedet wird, ist sicher ein wichtiger erster Schritt. Ich danke daher Fiji und Schweden für die Leitung der Weltozeankonferenz. Und ich danke Singapur und Portugal für ihren Einsatz für das Abschlussdokument, den Call for Action.

Dieser Aktionsplan ist ein wichtiges Zeichen für ein gemeinsames Problemverständnis und für den wachsenden Handlungswillen der internationalen Staatengemeinschaft.

Ich möchte aber auch hinzufügen, dass der Action Call aus unserer Sicht deutlich ehrgeiziger hätte ausfallen können. Wir brauchen weniger Absichtserklärungen und mehr Taten.

Die UN wollte die Weltozeankonferenz zu einer "game changing conference" machen. Davon sind wir aber noch ein Stück entfernt.

Für uns ist klar: Wasser kennt keine Grenzen. Der Schutz der Meere geht nur gemeinsam.

Wir können das Problem mit dem Meeresmüll also nur international angehen. Das gilt auch für Fragen der Fischerei.

Nationalstaatliche Einzellösungen helfen hier nicht weiter. Das ist vielen Beteiligten sehr klar. Hier gibt es einen Bewusstseinswandel:

Bereits 2015 hat die G7 sich durch unsere Initiative auf einen gemeinsamen Plan verständigt. Letzte Woche haben wir auf der G20-Konferenz einen Aktionsplan gegen Meeresmüll beschlossen.
Außerdem kooperieren wir mit allen Anrainern in der Nord- und Ostsee, um den Eintrag von Meeresmüll zu verringern und zu verhindern.

Gemeinsam mit unseren europäischen Partnern unterstützen wir auch alle Bestrebungen für ein sauberes und intaktes Mittel- und Schwarzes Meer.

Diesen Weg werden wir weiter gehen. Deutschland wird seine regionalen Initiativen und Partnerschaften zum Schutz der Meere verstärken.

Ich lade alle Partner ein, die mit uns ambitionierter handeln wollen, gemeinsam voran zu gehen. Gute Ideen haben wir hier auf der Weltozeankonferenz viele gehört. Daran mangelt es nicht.

Die Bundesregierung wird ihr Engagement finanziell entsprechend ausstatten. Bis 2025 stellen wir mindestens 670 Millionen Euro für Meeresschutzprojekte bereit: Um die Artenvielfalt in den Meeren besser zu schützen, nachhaltige Fischerei und die Einrichtung von Meeresschutzgebieten zu fördern und die Emissionen von Schiffen zu senken. Insgesamt reichen wir morgen 11 freiwillige Meeresschutz-Initiativen bei der VN ein.
Die Weltozeankonferenz hat eine neue Bewegung in der internationalen Politik ausgelöst. Die 150 Teilnehmerstaaten haben über tausend Maßnahmen angekündigt. Und sie hat ganz sicher ein Gefühl verstärkt: Wir können die Probleme lösen, so wie sich das Ozonloch verkleinert hat und der saure Regen zurückgegangen ist, können wir es schaffen die Meere besser zu schützen. Diese Dynamik müssen wir erhalten.

08.06.2017 | Rede Dr. Barbara Hendricks | New York