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16.09.2016

Rede von Dr. Barbara Hendricks anlässlich der Grundsteinlegung zur Rekonstruktion der Ringmauer und Neubau eines Besucherzentrums am Kaiser-Wilhelm-Denkmal in Porta Westfalica

Nach den Erfolgen in den vergangenen Jahren wollen wir die Kommunen auch 2017 bei der Umsetzung städtebaulicher Aufgaben mit nationaler Relevanz unterstützen.

- Es gilt das gesprochene Wort - 

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, dass wir heute, bei echtem "Kaiserwetter", die grundlegende Sanierung des Ringsockels und die Einrichtung eines Besucherzentrums am Kaiser-Wilhelm-Denkmal auf den Weg bringen können. Diese Sanierung ist 120 Jahre nach der Einweihung des Denkmals dringend erforderlich. Die wechselvolle deutsche Geschichte in diesen 120 Jahren ist schließlich auch an diesem Monumentalbau nicht spurlos vorbeigegangen.

Monumentalität ist sicher eine der Haupteigenschaften, wenn man das Denkmal beschreiben müsste. Sie war im ausgehenden 19. Jahrhundert ein Ausdruck der vaterländischen Gesinnung und eines großen nationalstaatlichen Anspruchs. Die Reichsgründung von 1871 lag ja erst wenige Jahre zurück. Die Monumentalität ist zugleich bis heute der in Stein gegossene Weltmachtanspruch der Monarchie unter Kaiser Wilhelm I.

Seit 2008 gehört das Kaiser-Wilhelm-Denkmal zur sogenannten "Straße der Monumente", einem Netzwerk prominenter deutscher Denkmale und Erinnerungsorte. Aber nicht erst seitdem ist das Denkmal hier auf dem Wittekindsberg auch eine ganz besondere Touristenattraktion. Es liegt – wie man gar nicht übersehen kann – in einer landschaftlich herausragenden Lage. Jährlich besuchen viele tausend Menschen das historische Wahrzeichen und genießen die beeindruckende Sicht ins Weserbergland.

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe, dem das Denkmal heute gehört, engagiert sich sehr für den Erhalt des Denkmals. Dafür gebührt Ihnen, Herr Löb, und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, große Anerkennung!

Und auch wenn es viele "Kaiser-Wilhelm-Denkmäler" gibt, so zählen wir dieses Bauwerk hier an der Porta Westfalica zu den bedeutendsten Nationaldenkmälern Deutschlands. Mit dem Einbau einer zeitgemäßen touristischen Infrastruktur in den Sockel, durch die Gestaltung der Freiräume und durch die Anlage von Wanderwegen im Umfeld wird der Ort noch weiter an Attraktivität gewinnen. Eine solche Aufwertung und Ergänzung schafft zusätzliche positive Impulse für den Tourismus und letztlich auch für die Attraktivität der gesamten Region

Möglich werden diese Investitionen, weil wir als Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit im Jahr 2014 das Bundesprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" ins Leben gerufen haben. Im ersten Jahr konnten wir dafür 50 Millionen Euro bereitstellen. Die Resonanz auf unseren Projektaufruf war überwältigend. Das Programm war mit einem Antragsvolumen von mehr als 900 Millionen Euro gleich 18-fach überzeichnet.

Im Jahr 2015 konnten wir die Programmmittel einmalig um 100 Millionen Euro aus dem Zukunftsinvestitionsprogramm aufstocken, so dass insgesamt 150 Millionen Euro zur Verfügung standen. In diesem Jahr verfügen wir über mehr als 40 Millionen Euro für die Förderung der sogenannten "Premium-Projekte des Städtebaus".

Insgesamt haben wir damit bisher rund 240 Millionen Euro Bundesmittel für 84 Projekte in 68 Kommunen in Deutschland bereitgestellt. Immerhin rund 47 Millionen Euro davon entfallen auf Kommunen hier in Nordrhein-Westfalen. Das sind beachtliche Summen, mit denen wir unser baukulturelles Erbe pflegen und für künftige Generationen erhalten.

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal gehört zu diesem ausgesuchten Kreis der Premium-Projekte. Das bezieht sich natürlich nur auf das Denkmal. Wilhelm I und seine Politik waren bekanntlich keineswegs "Premium". Wilhelm I war kein Vorbild, kein Demokrat, kein Vorkämpfer der bürgerlichen Freiheiten, niemand, zu dem man aus heutiger Sicht aufschauen müsste. Er war unter anderem verantwortlich für die Sozialistengesetze, mit denen die deutsche Sozialdemokratie unterdrückt und verfolgt wurde. Der Übergang zu einem demokratischen Rechtsstaat gelang erst viel später – 1918 – nach dem Ende der Monarchie.

Ich denke, dass es trotzdem richtig ist, dieses Denkmal zu sanieren und für die Zukunft zu erhalten. Es kann und soll – wie viele andere Erinnerungsorte auch – ein Ort der Auseinandersetzung mit unserer Geschichte sein.

Das Projekt ist ein gutes Beispiel für die im Jahr 2015 schwerpunktmäßig geförderten baulichen Kulturgüter von außergewöhnlicher und nationaler Bedeutung. Wir möchten mit den Mitteln aus unserem Förderprogramm "Nationale Projekte des Städtebaus" einen Beitrag dazu leisten, dieses Denkmal zu erhalten, zu entwickeln und für seine Besucher noch attraktiver und informativer zu gestalten. Dafür werden der Ringsockel saniert und ein Besucherzentrum eingerichtet.

Die Bundesregierung investiert in den Jahren 2016 bis 2018 insgesamt 5,5 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm. Ich freue mich sehr, dass ich Herrn Bürgermeister Hedtmann die Förderplakette für das von uns ausgezeichnete Premium-Projekt übergeben kann.

Nach den Erfolgen in den vergangenen Jahren wollen wir die Kommunen auch 2017 bei der Umsetzung städtebaulicher Aufgaben mit nationaler Relevanz unterstützen. Dafür haben wir im Regierungsentwurf für den Bundeshaushalt 2017 erneut 50 Millionen Euro eingeplant. Noch bis zum 30. November 2016 können Städte und Gemeinde geeignete Projekte für die Aufnahme in das Förderprogramm 2017 anmelden. Ich bin überzeugt, dass es ein großes Potenzial an herausragenden Maßnahmen des Städtebaus gibt, die weit über die Region hinauswirken und Impulskraft für die Städtebauförderung insgesamt haben.

Für die nun beginnenden baulichen Maßnahmen am Kaiser-Wilhelm-Denkmal wünsche ich allen Beteiligten gutes Gelingen! Das Besucherzentrum mit Panorama-Café wird den Blick in die Geschichte ebenso ermöglichen wie in die schöne Landschaft. Ich bin überzeugt, dass mit den Baumaßnahmen der Besuch des Denkmals auch in Zukunft ein nachhaltiges Erlebnis sein wird. Davon werden die ganze Region und der Tourismus profitieren – natürlich auch dann, wenn mal kein "Kaiserwetter" ist!

Vielen Dank!

16.09.2016 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Porta Westfalica