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18.11.2016

Rede von Dr. Barbara Hendricks anlässlich des Festaktes "10 Jahre Bundesstiftung Baukultur"

Eine der großen aktuellen Aufgaben ist es, den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken. Bauen und Stadtentwicklung können eine wichtige Rolle für den sozialen Zusammenhalt spielen, weil sie ein Grundbedürfnis erfüllen – die eigene Wohnung

– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrter Herr Nagel,

sehr geehrter Herr Prof. Durth,

sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete,

sehr geehrte Mitglieder des Stiftungsrates und des Beirates,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

Anlässe zum Feiern sind natürlich immer die schönsten Termine. Insofern freue ich mich, mit Ihnen allen heute zu feiern, dass am 22. Dezember 2006 das Gesetz zur Errichtung der Bundesstiftung Baukultur in Kraft getreten ist, also vor rund zehn Jahren.

Potsdam ist zudem ein wunderbarer Ort für den Stiftungssitz. Die Wahl des Standortes hat sich als ebenso richtig erwiesen wie die Idee zur Gründung der Stiftung selbst. Dabei war es von der Idee bis zur Verabschiedung des Gesetzes ein durchaus beschwerlicher Weg. Umso erfreulicher ist es, dass alle damaligen Zweifel widerlegt und alle Sorgen vergessen sind.

Einigkeit bestand schon früh darüber, dass es, vergleichbar mit den Bereichen Denkmalschutz oder Umweltschutz, einer Institution bedurfte, die sich aktiv und unabhängig für die Belange der gebauten Umwelt einsetzt. Zudem hatten andere europäische Staaten Architektur und Baukultur bereits als politische Handlungsfelder entdeckt, wie auch ihren Mehrwert für das Standortmarketing.

Vor diesem Hintergrund hatte das damalige Bundesministerium für Verkehr, Bau und Wohnungswesen im Jahr 2000 gemeinsam mit zahlreichen anderen die Bundesinitiative "Architektur und Baukultur" ins Leben gerufen. Die Aufgabe dieser Initiative war es vor allem, die öffentliche Diskussion um die Qualität des Planens und Bauens zu bündeln und Verantwortliche zusammen zu führen.

Moderatoren dieses Prozesses waren Achim Großmann, Peter Conradi, Karl-Heinrich Schwinn und Karl Ganser. Sie wurden von einem Gründerkreis unterstützt und haben der Stiftungsidee erste Konturen gegeben.

Ein Meilenstein war der erste Konvent der Baukultur 2003 in Bonn. Bundespräsident Johannes Rau hatte die Schirmherrschaft übernommen. Der Konvent sprach sich geschlossen für die Gründung einer "Nationalen Stiftung der Baukultur" aus und wählte ein Präsidium, das die weiteren Schritte begleiten sollte.

Johannes Rau hat zur Eröffnung des Konvents damals gesagt:

"Ein Buch kann man zuschlagen und weglegen. Musik kann man abschalten, und niemand ist gezwungen ein Bild aufzuhängen, das ihm nicht gefällt. An einem Haus aber oder an einem anderen Gebäude kann man nicht vorbei gehen, ohne es zu sehen. Architektur hat die größte sichtbare gesellschaftliche Wirkung."

Damit war der Konvent eine Initialzündung. Dennoch traf der Gesetzentwurf im Bundesrat auf entschiedenen Widerstand. Die damalige Unionsmehrheit der Länder sah Baukultur als Bestandteil der Kultur und damit als Ländersache an. Ich kann mir vorstellen, dass Herr Professor Durth noch näher darauf eingehen wird.

Ungeachtet dessen konnte das Gesetzesvorhaben dann aufgrund der vorgezogenen Neuwahlen im Jahr 2005 nicht mehr abgeschlossen werden und fiel der sogenannten Diskontinuität zum Opfer. Nach der Bundestagswahl fand die Idee einer Baukulturstiftung in der Großen Koalition auf Bundesebene breite Unterstützung. Im Oktober 2006 konnte das Gesetz zur Errichtung einer "Bundesstiftung Baukultur" dann mit großer Mehrheit verabschiedet werden.

Heute ist die Bundesstiftung Baukultur ein wichtiger Partner in allen baukulturellen Fragen. Sie wird in der Öffentlichkeit und in der Fachwelt als kompetenter Partner wahrgenommen. Dazu haben vor allem der erste Vorstandsvorsitzende Michael Braum und sein Nachfolger Reiner Nagel beigetragen. Sie haben der Stiftung auf ganz unterschiedliche Weise Gesicht und Stimme verliehen. Dafür möchte ich Ihnen, aber auch allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Stiftung, ganz herzlich danken und Ihnen meine große Anerkennung für Ihr Engagement und Ihre geleistete Arbeit aussprechen!

Der Bericht der Stiftung zur Lage der Baukultur in Deutschland, kurz: der Baukulturbericht, ist Ihr wichtigstes Instrument. Den aktuellen Bericht habe ich letzte Woche meinen Kabinettskolleginnen und -kollegen vorgestellt. Gemeinsam mit einer Stellungnahme haben wir den Bericht, der den Titel "Stadt und Land" trägt, an Bundestag und Bundesrat geleitet.

Ich bin sicher, dass auch der Baukulturbericht 2016/2017 auf hohe politische Aufmerksamkeit und große Resonanz in Fachwelt und Öffentlichkeit stoßen wird. Damit erfüllt die Stiftung einen wesentlichen Teil ihres gesetzlichen Auftrags.

Der Bund bekennt sich unter dem Leitbild "Vorbild – Förderer – Partner" zu seiner Verantwortung zur Förderung der Baukultur. Wir wollen die Qualität der gebauten Umwelt in Deutschland dauerhaft positiv beeinflussen. Dies machen wir vor allem durch regulative Maßnahmen, über Förderungen und natürlich, wenn wir im eigenen Zuständigkeitsbereich selbst bauen.

Für den Bund als Bauherrn gilt, dass wir in allen geeigneten Fällen Planungswettbewerbe durchführen, vorzugsweise offene. Ich bin überzeugt, dass gerade durch offene Planungswettbewerbe eine architektonisch und städtebaulich exzellente Qualität erreicht werden kann.

Auch als Gesetz- und Regelungsgeber bringt der Bund baukulturelle Ziele ein. Wir schaffen zum Beispiel die Voraussetzungen für gute Planungs- und Prozessqualitäten und setzen uns dafür ein, dass eine deutschlandweite Wettbewerbskultur vorangebracht wird. Um Baukultur in der Breite, insbesondere auch in kleineren Städten und im ländlichen Raum, zu etablieren, fördern und würdigen wir gute Beispiele.

Eines unserer wichtigen Anliegen ist es, zwischen Fachdiskurs und Bürgeranliegen zu vermitteln. Deshalb fördern wir den breiten gesellschaftlichen Dialog. Und das unterstützt wiederum die Bestrebungen der als Kommunikationsplattform angelegten Bundesstiftung Baukultur. Herr Staatssekretär Adler wird morgen, wenn er als Stiftungsratsvorsitzender den Baukulturkonvent 2016 offiziell eröffnen wird, sicher noch stärker auf dieses Thema eingehen.

Baukultur setzt im gesellschaftlichen Prozess auf eine breite Verständigung über qualitative Werte und Ziele. Alle Akteure können in ihrem jeweiligen Zuständigkeitsbereich und entsprechend ihren Möglichkeiten in die "Lebensräume der Zukunft" investieren.

Ich bin heute froh, dass seit dem Beginn der Diskussion 1999/2000 und nicht zuletzt mit der Gründung der Bundesstiftung Wege gefunden und etabliert worden sind, die eine breite gesellschaftliche Verständigung ermöglichen.

Es ist ja eigentlich das Wesen von Kultur, dass wir Menschen unser Leben, unsere Welt und unsere Umwelt gestalten wollen und können. Aber auch, dass bei der Suche nach Lösungen nicht jeder nur an sich selbst denkt, sondern an die Allgemeinheit, an die Gesellschaft und an künftige Generationen, insgesamt also das, was wir gelegentlich als Gemeinwohl bezeichnen.

Eine der großen aktuellen Aufgaben ist es, den sozialen Zusammenhalt in unserer Gesellschaft zu stärken. Bauen und Stadtentwicklung können eine wichtige Rolle für den sozialen Zusammenhalt spielen, weil sie ein Grundbedürfnis erfüllen – die eigene Wohnung – in einem lebenswerten Ort oder Stadtteil.

Genauso die Baukultur, denn sie ist etwas zutiefst Demokratisches, weil sie sich dem öffentlichen Diskurs stellt. Sie ist auf Verständigung angelegt, ohne auf Qualität zu verzichten. Und der baukulturelle Diskurs verfügt über langjährige Erfahrung, davon mindestens zehn Jahre dank der Stiftung. Der Bedarf an neuen Wohnungen wird auf mindestens 350.000 pro Jahr in Deutschland geschätzt. Das ist eine Riesen-Herausforderung für die Baukultur.

Ich wünsche der Bundesstiftung Baukultur, dass sie den eingeschlagenen Weg selbstbewusst und mit Erfolg fortsetzt. Wenn es ihr auf diesem Weg gelingt, Spender und Sponsoren zu gewinnen, wäre dies für ihre finanzielle Basis und die öffentliche Aufmerksamkeit sicher nicht von Nachteil.

Die Bundesregierung wird die Stiftung auch in Zukunft maßgeblich unterstützen. Das kann man auch daran sehen, dass wir in den vergangenen Haushaltsjahren die institutionelle Förderung kontinuierlich erhöht haben und sie auf diesem Niveau fortführen werden.

Lassen Sie uns auch in Zukunft gemeinsam für ein gesellschaftliches Klima arbeiten, in dem der Zusammenhalt wieder wächst und breite Verständigungen erzielt werden können. Dann ist mir auch um die Baukultur in Deutschland nicht bange.

Herzlichen Dank.

18.11.2016 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Potsdam