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31.01.2014

Rede von Dr. Barbara Hendricks auf der Deutschen Wärmekonferenz des Bundesindustrieverbands Deutschland Haus-, Energie- und Umwelttechnik sowie des Fachverbands Gebäude-Klima

Strategie der neuen Bundesregierung für die Energiewende im Wärme- und Kältemarkt

Strategie der neuen Bundesregierung für die Energiewende im Wärme- und Kältemarkt

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Greis,
sehr geehrter Herr Prof. Pfeiffenberger,
meine sehr geehrten Damen und Herren!

Ich danke Ihnen für die warmen Worte zur Begrüßung. Atmosphärisch machen Sie dem Titel "Wärmekonferenz 2014" schon einmal alle Ehre! Ich freue mich, hier zu sein.

Und schon bei der Vorbereitung dieses Termins habe ich mich über das Engagement des BDH und des FGK für das Gelingen der Energiewende und den Klimaschutz gefreut! Ich versichere Ihnen: Sie sind mir als Ansprechpartner in Energie- und Klimafragen unverzichtbar. Weil Sie über Kompetenzen verfügen, die wir brauchen. Weil Sie aus Industrie, Ingenieurswesen und Handwerk all jene zusammenbringen, die für den Klimaschutz und den Erfolg der Energiewende im Gebäudebereich unbedingt erforderlich sind.

Es sind alle da: Von den Haus- und Anlagentechnikern, die alles beherrschen, was etwas mit dem Heizen, mit dem Lüften und mit dem Kühlen zu tun hat, bis zu den Fachleuten für das Bauen, Renovieren, Sanieren und Dämmen. Von der Wärmegewinnung bis zur Effizienz also.

Ich bin aber auch gern hier, weil uns das Ziel verbindet: Wo ist man als Ministerin für Klimaschutz und Bauen lieber, als bei all denen, die wollen, dass die Energiewende viel mehr wird als eine Stromwende und die den Blick fest auf das gerichtet haben, was für den Klimaschutz wichtig ist? Bei denen, die eines nicht nur aus wirtschaftlichem Interesse, sondern weil sie etwas davon verstehen, aussprechen: Die klar sagen, was jeder weiß, aber manch einer lieber bei Seite schiebt.

Meine Damen und Herren,
ich will das nicht tun. Ich sage heute und werde auch in Zukunft bei jeder Gelegenheit laut und deutlich sagen, dass die Energiewende nur gelingen wird, wenn wir auch die Wärmewende ernsthaft in Angriff nehmen! Einige Journalisten haben in den letzten Wochen über mich geschrieben, ich sei etwas direkt. Was soll ich sagen: So ist es wohl. Ich finde eben, dass man manche Dinge beim Namen nennen muss, wenn man etwas bewegen will. Und, auch wenn ich wirklich niemandem absprechen will, dass er sich ernsthaft bemüht hat, bei den Themen Wärmeeffizienz und erneuerbare Energien im Wärmebereich endlich etwas mehr zu tun. Eines muss man einfach konstatieren: Wir sind bei Weitem noch nicht dort angekommen, wo wir hinmüssen.

Die Potenziale liegen auf dem Tisch – werden aber nicht genutzt. Wir kommen nicht nur zu langsam voran, wir sind leider noch nicht einmal auf einem Weg, der klar in die Richtung unseres Zieles führt.

  • Wenn 70 Prozent aller Gebäude, die vor Inkrafttreten der 1. Wärmeschutz-verordnung 1979 errichtet wurden, nach wie vor gar keine Dämmung haben.
  • Wenn nur eine von fünf Heizungen dem Stand der Technik entspricht und gerade einmal 13 Prozent der Anlagen erneuerbare Energien nutzen.
  • Und wenn zuletzt sogar der Anteil der neuen Heizungsanlagen, bei denen erneuerbare Energien zum Konzept gehören, wieder rückläufig war, dann läuft es noch nicht rund.

Erneuerbare Energien müssen im Land der Energiewende einfach bei mehr als einem Viertel der neuen Heizungen zum Zug kommen. Erst Recht, wo doch gerade in diesem Bereich unsere Unternehmen der Heiztechnik weltweit Technologieführer sind. Mit einer energetischen Sanierungsquote von gerade einmal einem Prozent kann man nicht zufrieden sein. Wir brauchen das Doppelte, ja besser noch mehr, um unseren Gebäudebestand bis zum Jahr 2050 energetisch zu optimieren! Und das ist erforderlich. Weil in Deutschland heute 40 Prozent des Endenergieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen im Gebäudebereich anfallen.

Meine Damen und Herren,
sie dürfen von mir erwarten, dass ich die Dinge klar beim Namen nenne. Und dass ich alles, was in meiner Macht steht, für eine schnellere Wende auf dem Wärmemarkt machen werde. Und dass ich das Gleiche von all denen einfordern werde, die ihren Beitrag dazu leisten müssen. Ich sage aber genauso offen: Was Sie von mir nicht erwarten können, sind Wunder. Sie kennen die Interessenla-gen. Und Sie wissen, dass ich Ihnen deshalb heute keine Antwort auf jede Frage geben kann, die Sie in diesem Feld bewegt.

In der neuen Bundesregierung werden die Kompetenzen neu geordnet – und das wird sich auch im Wärme- und Kältebereich auszahlen. Für das Ordnungs-recht im Bereich Energieeinsparung in Gebäuden haben wir jetzt mit dem Bundeswirtschaftsministerium eine gemeinsame Federführung verabredet. Was die Bündelung der Kompetenzen bewirken kann, haben wir schon letzte Woche bei der Regierungsklausur in Meseberg gesehen. Kaum jemand hätte gedacht, dass es so schnell gelingen könnte, zu den Eckpunkten einer umfassenden EEG-Reform zu kommen. Die natürlich kontrovers sind. Es geht ja auch um etwas. Für die es aber breite Zustimmung auch aus der Union gibt. Auch wenn es von dort immer noch ein paar Sonderwünsche im Bereich Biogas gibt. Aber wir werden nicht nur schneller, weil wir Kompetenzen in den Ressorts zusammenführen, sondern auch weil Sie die berechtigte Erwartung haben dürfen, dass das nun vereinte Umwelt- und Bauministerium, aber auch das Wirtschaftsministerium ganz anders als früher an einem Strang ziehen werden. Die Zeiten, in denen die Energiewende nicht für jeden zuständigen Minister wirklich ein Herzensanliegen war, diese Zeiten sind vorbei! Und das ist ein wichtiges Zeichen – übrigens auch nach Brüssel.

Was werden die nächsten Schritte sein? Wie kommen wir auf den Weg voran, auf dem wir bis zum Jahr 2050 einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand erreichen wollen? Es kann keine separaten Wege für das Bauen auf der einen Seite oder das Heizen auf der anderen Seite geben. Bauphysik und energie-effizientes Bauen gehören zusammen wie zwei Seiten einer Medaille. Was wir brauchen ist eine übergreifende Vorstellung, wie Gebäudehülle, energieeffiziente Haustechnik und erneuerbare Energien in ihrem Zusammenspiel den Gebäudesektor klimafreundlicher machen können. Nur wenn man diese drei Komponenten zusammendenkt, wird ein Schuh daraus.

Manche Technologien machen erst Sinn, wenn der Wärmeverlust über die Gebäudehülle sinkt. Denken Sie zum Beispiel an Wärmepumpen oder solare Systeme – erst im Zusammenspiel mit einer guten Gebäudehülle kann man Heizungsanlagen mit so niedrigen Temperaturen fahren, dass die Potenziale dieser Systeme gehoben werden können. In anderen Fällen macht es dagegen Sinn, erst einmal die marode Haustechnik zu modernisieren. Und erst in der Zusammenschau der Optionen lässt sich der schnellste und wirtschaftlichste Weg finden. Es geht um eine systemische Politik für den Gebäudesektor!

Und ich bin optimistisch, dass wir genau das erreichen werden, jetzt, wo die Zuständigkeiten für Bau und Umwelt in einem Haus vereint sind und wo sich Wirtschaftsministerium und Umweltministerium gemeinsam um ordnungs-rechtliche Anforderungen in Energieeinspargesetz und Energieeinsparverordnung kümmern werden. Zu dieser Politik aus einem Guss gehören anspruchsvolle Mindeststandards für die Gebäudeeffizienz. Die sind wichtig, denn sie schaffen sicheren Boden. Und sorgen für eine konstante Nachfrage nach innovativen Baustoffen und Haustechnologien, so dass es sich für Sie lohnt, Geld in die Hand zu nehmen für Forschung und Entwicklung. Bei den Mindeststandards wird sich nichts ändern, die wird es auch in Zukunft geben.

So wichtig das Ordnungsrecht ist, ich sage aber auch: Alles muss betriebswirtschaft-lich, aber auch volkswirtschaftlich einen Sinn ergeben. Und vor allem: Wir müssen technologieoffen vorangehen. Wir müssen vom Ziel her denken. Hier ist Intelligenz gefordert! Man kann nicht alle Gebäude über einen Kamm scheren. Jedes Haus ist anders. Deshalb ist es sinnvoll, vor dem ersten Hammerschlag eine systematische Bestandsaufnahme zu machen, um ein besseres Gefühl für die Maßnahmenabfolge zu bekommen. Die Aussage: "In jedem Fall muss man zuerst Wände, Decken und Böden dämmen und die Fenster austauschen!" ist genauso falsch wie der häufig zu hörende Spruch: "Erst einmal muss der Heizkessel ausgetauscht werden!" Es wäre mir deshalb sehr lieb, wenn die Gewerke etwas näher zueinander rücken würden und nicht – wie das immer noch ab und an der Fall ist – Fronten gegeneinander bildeten. Aber ich glaube, das haben Sie bereits selbst erkannt und arbeiten an der Überwindung der tradierten Frontstellungen.

Eine zentrale Rolle bei der Wärmewende wird auch in Zukunft das CO2-Gebäudesanierungsprogramm spielen. Wir haben im Koalitionsvertrag vereinbart, bei den Ländern dafür zu werben, diese Förderung aufzustocken, zu verstetigen und deutlich zu vereinfachen. Das Gebäudesanierungsprogramm ist ohne Frage eine Erfolgsgeschichte. Nicht nur für den Klimaschutz, sondern auch für unsere lokale Wirtschaft , und letztlich auch für die Finanzminister. Zwischen 2006 und 2013 hat die KfW den Bau oder die Sanierung von mehr als 3,4 Mio. Wohnungen unterstützt. Mit einem Investitionsvolumen von über 150 Milliarden Euro. Wobei jeder eingesetzte Fördereuro zwölfmal so hohe private Investitionen ausgelöst hat. Eine Förderquote von 1:12 – einen solchen Multiplikator hätte man konjunktur- und wachstumspolitisch gern häufiger. Deshalb werden wir dieses Programm weiterführen, und wollen es auch weiter ausbauen: Weil die Länder ganz erheblich an den Steuereinnahmen beteiligt sind, werden Sigmar Gabriel und ich sie nachdrücklich bitten, Mittel zur Ergänzung des Programms in die Hand zu nehmen.

Wir wollen den Anteil der erneuerbaren Energien im Wärmebereich weiter steigern. Deswegen wird es eine unserer ersten Maßnahmen sein, das Marktanreizprogramm für die Erneuerbaren zu verstetigen. Das Programm hat sich bewährt. Seit 2000 konnten über 1,5 Millionen Anlagen gefördert werden. Förderung ist aber nur eine Seite der Medaille. Immer mehr Geld muss nicht immer mehr Ergebnis bringen. Denn am Geld fehlt es gar nicht immer. Vielmehr fehlt es häufig an Informationen, an Beratung, an Hilfe für Haus- und Wohnungseigentümer und – nicht zu vergessen – an gut ausgebildeten Architekten, Ingenieuren und Handwerkern. Deswegen heißt einer der Schlüssel für die Wärmewende Energieberatung! Eine systematische Energieberatung ist sozusagen der Zündschlüssel der Wärmewende. Weil es häufig gar nicht an Investitionsbereitschaft fehlt.

Woran es aber fehlt, ist Überblick! Ganz ehrlich: Ich habe persönlich Verständnis für jeden, der sich scheut, das Thema Energieeffizienz bei einem ererbten 30 Jahre alten Haus oder bei einer 100 Jahre alten Eigentumswohnung anzugehen. Die technischen Fragen sind komplex, eine geeignete Sanierungs-strategie kaum selbst zu identifizieren. Dann geht es nicht um eine einzige Maßnahme, sondern um ein ganzes Bündel, und diese Maß-nahmen wirken sich auch noch wechselseitig aufeinander aus. Deswegen braucht man meist nicht einen, sondern gleich mehrere Unternehmen, nicht einen Handwerker, sondern eine ganze Gruppe. Und muss sich überdies noch um die Finanzierung kümmern.

Der Einzelne ist verunsichert:

  • Was ist die richtige Technik?
  • Gibt es Prioritäten?
  • Kommt vielleicht doch noch eine Förderung oder eine steuerliche Maß-nahme?
  • Gibt es auf der nächsten Messe vielleicht wieder etwas Neues?
  • Wer berät mich möglichst unabhängig?

Alles ziemlich anstrengend. Sehen Sie mir die Frage nach: Ich frage mich aber schon seit langem, warum es so wenige Komplettangebote gibt? Unternehmen oder Unternehmensverbünde, die gemeinsam den „One-Stop-Shop“ zur energetischen Optimierung unserer Eigenheime anbieten? Konzept, Finanzierung, Ausführung – alles zum Festpreis aus einer Hand. „One face to the customer“ ist doch auch in anderen Bereichen mittlerweile eine Selbstverständlichkeit! Das wäre ein echter Fortschritt.

Vor diesem Hintergrund freue ich mich über die gewerkeübergreifende Kam-pagne, die die Allianz-für-Gebäude-Energie-Effizienz und die dena in Kürze starten werden. Mit unserer Unterstützung. Herr Kohler wird hierzu sicherlich gleich noch etwas sagen. Und ich freue mich auch über andere Initiativen, die sie als Branche weiter voranbringen, etwa den Heizungscheck. Der zeigt schon einmal, wie groß jeweils die Potenziale sind, was mit einer Modernisierung der Haustechnik alles zu erreichen ist.

Was kann der Bund für mehr Transparenz machen? Wir können die Energie-beratung weiter stärken. Und ich verspreche Ihnen: Das werden wir auch machen. Ziel soll der Sanierungsfahrplan sein, der das Individuum „Haus“ ernst nimmt. Und den der Berater gemeinsam mit den Eigentümern entwickelt. Die Wärmewende ist eine Gemeinschaftsanstrengung - von Unternehmen, Politik, Beratern und Eigentümern. Und sie bietet Chancen für jede Seite: Die Eigen-tümer können Heizkosten sparen und mittelfristig auch die Kosten senken. Die Politik kommt nicht nur den Klimazielen näher, sondern darf auch mit erheblichen Steuereinnahmen rechnen. Und Ihre Branche hat das Potenzial, auf lange Zeit ein Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft zu sein.

Die Vielfalt der von Ihnen entwickelten und angebotenen Technologien wird immer größer. Die Shell-BDH-Hauswärmestudie zeigt, dass es noch zu einer erheblichen Diversifizierung von Heiztechniken kommen wird. Der Trend geht zur Hybridheizung mit mehreren Wärmeerzeugern. Die Möglichkeiten zur Einkopplung erneuerbarer Wärme werden immer größer. Das heißt aber auch: Das Geschäft wird noch komplizierter. Worum es uns gehen muss, das ist ein Gesamtprogramm aus finanziellen Anreizen, aus attraktiven, kundenfreundli-chen Angeboten und aus Transparenz. Und dieses Programm, das müssen wir gemeinsam auf die Beine stellen: Sie als Branchen und wir als Politik.

Ich werde mich mit aller Kraft für den Erfolg der Energiewende im Wärmebereich einsetzen.

Hierfür bitte ich um Ihre Unterstützung!

Ich freue mich auf Ihre Anregungen und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

31.01.2014 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Berlin