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26.01.2016

Rede von Dr. Barbara Hendricks im Rahmen der Fotoausstellung des BMUB

26.01.2016 | Stadtentwicklung

Ein Haus mit bewegter Geschichte

Eine Fotoausstellung zeigt den BMUB-Dienstsitz am Potsdamer Platz im Wandel der Zeit

2016 ist in dreifacher Hinsicht ein besonderes Jahr für das BMUB. Die Eröffnung der Fotoausstellung ist der Auftakt des Jubiläumsjahres.

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Klausmeier,

sehr geehrter Herr Staatssekretär Adler,

meine sehr geehrten Damen und Herren!

2016 ist in dreifacher Hinsicht ein besonderes Jahr für das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit: Wir feiern das 30-jährige Jubiläum des Bundesumweltministeriums. Das Gebäude an der Stresemannstraße wird in diesem Jahr 100 Jahre alt. Und es sind jetzt 5 Jahre, die sich der Berliner Dienstsitz des Ministeriums in diesem Haus befindet. Die Eröffnung der Fotoausstellung ist der Auftakt des Jubiläumsjahres.

Die größten politischen Herausforderungen unseres Ministeriums in diesem Jubiläumsjahr sind die Umsetzung des Pariser Weltklimaabkommens und der Wohnungsbau. Als Bundesbauministerium, das sind wir in dieser Kombination erst seit gut zwei Jahren, setzen wir uns dafür ein, dass ausreichend bezahlbarer Wohnraum für alle Menschen in Deutschland zur Verfügung steht.

Manche Leute sagen, die Flüchtlingskrise sei die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung. Das mag sein. Ich möchte aber in Erinnerung rufen, dass die Wiedervereinigung eine Riesen-Aufgabe war und teilweise bis heute ist. Die Menschen in Ost- und Westdeutschland haben Enormes geleistet! Der Wiedervereinigung ging eine friedliche Revolution voraus, die die SED-Diktatur beseitigt und die Mauer zum Einsturz gebracht hat.

Wir stehen heute an einem Teilstück dieser Mauer. Es ist nicht nur ein Originalstück, es steht auch an seinem Originalplatz. Dieses Haus wurde während des Ersten Weltkriegs als preußisches Verwaltungsgebäude errichtet. In den zwanziger Jahren war es Teil des boomenden Berlins um den damals verkehrsreichsten Platz Europas, den Potsdamer Platz. Den Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs hat es weitgehend unversehrt überstanden. Die allermeisten Gebäude, die einmal hier standen, wurden dagegen vollständig zerstört oder so sehr beschädigt, dass sie abgerissen werden mussten.

Die DDR hat dann im Bereich des Potsdamer Platzes schließlich alle verbliebenen Gebäude abgerissen und den Todesstreifen geschaffen. Nur dieses Gebäude blieb inmitten der DDR-Grenzsperranlagen erhalten. Von 1961 bis 1989 verlief genau hier die Grenze zwischen Ost und West. Die Stresemannstraße, über die Sie in den Ausstellungsraum gekommen sind, befand sich damals in diesem Todesstreifen – was heute eigentlich nicht mehr vorstellbar ist!

Heute herrscht hier nicht nur Frieden – hier ist einer der belebtesten und beliebtesten Plätze des neuen Berlins!

Nur wenige Meter entfernt steht am Potsdamer Platz der koreanische "Pavillon der Einheit". Der Botschafter von Südkorea hat bei der Einweihung gesagt, "dass die Menschen in Korea immer noch unter der Teilung der koreanischen Halbinsel leiden". Korea muss seinen Weg zurück zur Einheit noch finden. Es wäre ein großes Glück, wenn das eines Tages nach dem Vorbild der friedlichen Revolution in Deutschland gelingen würde, wenn auch dort die Grenzen und Mauern friedlich überwunden werden könnten.

Seit 70 Jahren ist Korea inzwischen geteilt. Deutschland war 40 Jahre lang geteilt. Die Mauer hat Berlin und Deutschland 28 Jahre lang getrennt. Eine lange Zeit! Aber wir können inzwischen sagen, dass es nicht mehr lange dauert, dann wird die Mauer genauso lang weg sein, wie sie einst gestanden hat. Es gibt kaum einen besseren Ort als den Potsdamer Platz, an dem man sehen kann, dass Deutschland seit dem Mauerfall wieder zusammengewachsen und dabei etwas Neues und Gutes entstanden ist.

Als dieses Haus zwischen 2005 und 2011 erweitert worden ist, wurde das Mauerstück architektonisch integriert. Etwas Vergleichbares gibt es sonst nur noch in der Bundestagsbibliothek im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus. Wenn wir ab heute mit dieser Ausstellung an diesen Ort und an die Geschichte der Mauer erinnern, an das mit diesem Bauwerk verbundene unermessliche Leid – dann wollen wir auch das große Glück teilen, dass Mauer und Schießbefehl keinen Bestand vor der Geschichte hatten.

Es ist mir ein persönliches Anliegen, die Erinnerung an diese deutsch-deutsche Geschichte wach zu halten. Es bleibt die Mahnung: Keine Ideologie kann Mauer und Schießbefehl rechtfertigen! Kein Staat darf Menschen, Familien, Freunde voneinander trennen! Daran sollten wir auch erinnern, wenn derzeit mancherorts in Europa wieder Grenzen dichtgemacht werden. Ja, es gibt für den großen Flüchtlingsstrom keine schnellen und einfachen Lösungen. Mauern und Stacheldraht – so viel ist sicher - werden aber in keinem Fall eine Lösung sein!

Praktisch täglich kann man hier Leute sehen, die sich an den Scheiben die Nase plattdrücken und fragend auf die Mauerfragmente blicken. Das müssen sie jetzt nicht mehr. Wir öffnen die Tür und laden alle ein, sich die Ausstellung "Zwischen Ost und West: Ein Gebäude im Wandel deutscher Geschichte" anzuschauen. Mit dieser Ausstellung wird die Geschichte des Gebäudes und des Ortes im Zusammenhang mit dem Verlauf der Berliner Mauer der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Ich freue mich sehr, dass uns dies im Jubiläumsjahr "30 Jahre BMUB" gelungen ist. Mein Dank gilt unseren Kooperations-partnern, der Stiftung Berliner Mauer, dem Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam und der "Berlin Wall Expo". Ganz besonders freue ich mich, aus dem Kreis unserer Kooperationspartner den Direktor der Stiftung Berliner Mauer, Herrn Prof. Dr. Klausmeier, heute bei uns begrüßen zu dürfen. Er hat uns bei der Gestaltung der Ausstellung fachlich beraten und wird uns jetzt ausführlich Auskunft zur Geschichte der Mauer insbesondere rund um den Potsdamer Platz geben. Herzlichen Dank!

26.01.2016 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Berlin