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22.03.2017

Rede von Dr. Barbara Hendricks zum Dialogforum 2017 "Sport – Impulsgeber für eine nachhaltige Gesellschaft"

Barbara Hendricks am Rednerpult
22.03.2017 | Tourismus und Sport

Trending: Sport und Umwelt

Nachhaltige Lösungen bei Konflikten mit Umwelt- und Naturschutz auch bei Trendsportarten

Rede von Dr. Barbara Hendricks zum Dialogforum 2017 "Sport – Impulsgeber für eine nachhaltige Gesellschaft"

- Es gilt das gesprochene Wort! -

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

in meinem Ministerium hat das Themenfeld „Umwelt / Nachhaltigkeit und Sport“ bereits lange Tradition. Schon im Jahr 1994 hat die damalige Bundesumweltministerin Angela Merkel einen Arbeitskreis „Sport und Umwelt“ eingerichtet. Aus diesem ist im Jahr 2000 der Beirat „Umwelt und Sport“ hervorgegangen. Die Initiative zu unserer heutigen Veranstaltung geht auf die Mitglieder dieses Beirats zurück. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken!

Die Bundesregierung hat mit der Neuauflage der Nachhaltigkeitsstrategie im letzten Herbst die Weichen dafür gestellt, dass sich Deutschland bis zum Jahr 2030 zu einer der weltweit effizientesten und umweltschonendsten Volkswirtschaften entwickeln kann. Das wird nur gelingen, wenn wir alle Bereiche der Wirtschaft und unseres alltäglichen Lebens nachhaltiger gestalten. Und der Sport ist einer dieser Bereiche. Der Beirat „Sport und Umwelt“ berät deshalb die Bundesregierung auch hinsichtlich einer „Nachhaltigen Sportentwicklung“. Im Laufe der Jahre ist immer wieder deutlich geworden, wie wichtig der Austausch zwischen dem Umwelt-, Naturschutz- und dem Sportbereich ist. Durch die konstruktive Zusammenarbeit der Akteure beider Bereiche konnten viele Konflikte entschärft und kooperativ gelöst werden – zum Beispiel die früheren heftigen Auseinandersetzungen zwischen Kletterern und Naturschützern.

So erfreulich und wichtig solche Erfolge auch sind; die gemeinsame Arbeit für ein besseres Miteinander von Sport, Umwelt- und Naturschutz hat sich dadurch natürlich noch lange nicht erledigt. Es wird immer wieder Diskussionen um unterschiedliche Interessenlagen geben, die wir mit dem Ziel eines guten Miteinanders in unserer Gesellschaft führen müssen. Wie in anderen Fällen auch, muss es hier um mehr gegenseitiges Verständnis für die Interessen anderer gehen und wie wir etwas gemeinsam besser machen können.

Nehmen Sie als Beispiel die Olympischen Spiele: In Deutschland und in anderen westlichen Ländern ist die Skepsis in der Bevölkerung gegenüber Sportgroßveranstaltungen wie den Olympischen Spielen groß. Das haben wir bei den Bewerbungen von München und Hamburg, aber auch zum Beispiel in Boston, Rom, Stockholm und Oslo gesehen. In den ablehnenden Argumentationen nimmt das Thema „nachhaltige Entwicklung“ einen großen Stellenwert ein. Das müssen wir sehr ernst nehmen. Das tut der Beirat auch. Dementsprechend lag ein Schwerpunkt der Beiratsarbeit in dieser Legislaturperiode auf der Auseinandersetzung mit möglichst nachhaltigen großen und kleineren Sportveranstaltungen.

Bei großen Events muss der Fokus darauf liegen, wie die Ausrichterstadt langfristig davon profitieren kann. Zum Beispiel mit einer nachhaltigen Stadtentwicklung, die einen besseren Öffentlichen Nahverkehr oder attraktivere Infrastrukturen und Sportangebote schafft.

Hamburg hatte ein sehr gut durchdachtes, nachhaltiges Olympiakonzept und konnte die Bevölkerung dennoch nicht überzeugen. Das war aus meiner Sicht sehr schade, denn mit Olympischen Spielen in Deutschland hätten wir die Möglichkeit gehabt zu zeigen, wie nachhaltige Spiele in einem demokratischen Staat umgesetzt werden können. Denn auch das halte ich für eine wichtige Aufgabe: Dass wir die Großveranstaltungen nicht nur den Regimen überlassen, die ihre Bevölkerung von allen Entscheidungsprozessen ausschließen und die bei Bedarf ganze Stadtviertel abreißen, um Platz für Sportstätten zu schaffen – und sich im Übrigen auch um Umweltbelange nicht scheren.

Die Bundesregierung unterstützt ausdrücklich die Belange des Sports und auch die Ausrichtung großer, internationaler Sportveranstaltungen, wenn sie denn partizipativ geplant werden und nachhaltig sind! Denn Sportgroßveranstaltungen haben noch eine andere wichtige Dimension: Es ist von großer Bedeutung für Leistungssportlerinnen und Leistungssportler, aber auch für den Sportnachwuchs, internationale Wettkämpfe im eigenen Land durchzuführen und mitzuerleben. Außerdem motivieren solche Wettkämpfe das Publikum, im Breitensport aktiv zu werden. Sie sind damit nachahmenswerte Vorbilder zum Beispiel für Kinder und Jugendliche. Wie wichtig gerade diese Vorbildfunktion für die physische und psychische Gesundheit sowie auch für die Integration und Inklusion von Minderheiten sein kann, muss ich Ihnen nicht erklären.

In den letzten Jahren ist aus verschiedenen Gründen Vertrauen in einzelne Sportorganisationen verloren gegangen. Ich wünsche mir deshalb, gerade auch mit Blick auf die genannten Ziele und um neues Vertrauen in die Sportorganisationen zu schaffen, dass wir den Anspruch von Nachhaltigkeit und Transparenz noch stärker in die deutsche und internationale Sportlandschaft tragen.

Der Sport hat bereits eine Menge zu bieten, etwa durch sein vielfältiges soziales Engagement. Ein weiteres deutliches Zeichen könnte beispielsweise mit einer „Nachhaltigkeitsstrategie des deutschen Sports“ gesetzt werden. Auch die Bundesregierung hat sich mit ihrer Nachhaltigkeitsstrategie hohe Ziele gesetzt, an der sie gemessen wird. Der Deutsche Fußballbund hat einen vorbildlichen Nachhaltigkeitsbericht erstellt. Ebenso verpflichten sich mehr und mehr Unternehmen umfassenden Nachhaltigkeitszielen. Das sind nur ein paar Beispiele.

Ich weiß natürlich, dass es nicht einfach ist, wenn man unter Umständen erklären muss, warum man die gesteckten Ziele nicht so schnell erreicht, wie geplant. Aber letztlich zeigt die Erfahrung, dass Prozesse und Ergebnisse transparenter, qualitativ besser und dadurch mehr akzeptiert werden, wenn man sie an Nachhaltigkeitszielen ausrichtet.

Insofern kann ich Sie nur ermutigen, diesen Weg zu gehen! Das Internetportal „Green Champions“ bietet dafür eine gute Grundlage. Es hilft Organisatoren von Sportveranstaltungen, einen nachhaltigen Ansatz zu verfolgen.

das heutige Dialogforum wird sich auch noch mit ganz anderen Themen beschäftigen. Es wird etwa um Fragen der Naturverträglichkeit neuer Trendsportarten und um Raumnutzung gehen. Wenn zum Beispiel ein Mountainbiker abseits der Wege durch einen unberührten Wald prescht, dann kann dies – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht der „richtige Weg“ sein!

Dadurch werden oft wichtige Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen zerstört, Erosion kann ausgelöst werden und damit geht auch das einmalige Naturerlebnis verloren und damit das, was viele Sportlerinnen und Sportler ja gerade suchen.

Wir wollen Verständnis für die Belange der Natur schaffen, ohne den Spaß am Sport zu nehmen. Deshalb ist es wichtig, sinnvolle Kompromisse zwischen den verschiedenen Nutzungsformen der Naturräume zu finden. Dazu gehört es manchmal auch, Grenzen zu setzen.

Das Kitesurfen ist ein anderes aktuelles Thema, bei dem Naturschutz und Sport häufiger in Konflikt geraten. Auch hier gilt es, auf Schutzbelange aufmerksam zu machen und das gegenseitige Verständnis zu fördern, damit beide Seiten in Zukunft gut miteinander auskommen. Ein weiteres spannendes Feld ist zum Beispiel die Digitalisierung, die sich auch auf den Sport auswirkt. Oder auch die Frage, was wir gemeinsam tun können, um einen nachhaltigen Konsum im Sportbereich zu fördern.

Zu allen diesen Themen werden Sie sich heute austauschen. Sie sehen daran, dass Sie ein vielfältiges und spannendes Programm erwartet.

Ich möchte aber nicht nur auf die anspruchsvollen Aufgaben eingehen, die uns rund um den Sport beschäftigen. Ich möchte hier ganz klar festhalten: Der Umweltschutz ist nicht die Spaßbremse des Sports! Sport macht vor allem eines: Spaß. Und das umso mehr, wenn er in einer intakten Umwelt stattfinden kann. Sport und Naturschutz gehen deshalb heute schon häufig Hand in Hand und zwar mit Vorbildcharakter, das möchte ich hier wirklich einmal betonen!

22.03.2017 | Rede Tourismus und Sport | Berlin