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29.02.2016

Rede von Dr. Barbara Hendricks zur Verleihung des Deutschen Architekturpreises 2015

Rede von Dr. Barbara Hendricks zur Verleihung des Deutschen Architekturpreises 2015

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Staatssekretär Sibler,
sehr geehrte Frau Präsidentin Ettinger-Brinkmann,
sehr geehrter Herr Präsident Kammeyer,
meine sehr geehrten Damen und Herren,

derzeit wird zu Recht viel davon gesprochen, dass die vielen Schutz- und Asylsuchenden unsere Gesellschaft verändern und im besten Fall bereichern werden. Ganz ähnlich ist es mit der Baukultur: Mit der glücklicherweise zunehmenden Bautätigkeit in Deutschland verändern wir das Gesicht unsere Städte und Gemeinden. Im besten Fall tragen wir mit unserer Baukultur zu einem schöneren Gesicht, zu mehr Identifikation und zu mehr Lebensqualität bei.

Ein aus Afghanistan nach Deutschland geflüchteter Dolmetscher hat im Gespräch mit der ZEIT kürzlich gesagt: "Ich liebe die deutsche Sprache. Mein Lieblingsbuchstabe ist das Ü. Es sieht aus wie ein lachendes Gesicht." Ich finde, ganz ähnlich verhält es sich mit der Baukultur: Sie sieht mehr als nur das einzelne Haus oder das einzelne Bauwerk. Sie sieht auch die Stadt, den öffentlichen Raum und die Geschichte und Tradition eines Ortes. Sie sieht das "lachende Gesicht" im Ü.

Deshalb muss Baukultur noch stärker ein öffentliches Thema werden und in das Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Und genau deshalb zählt die Förderung der Baukultur und des Wettbewerbswesens zu den baupolitischen Zielen meines Ministeriums.

Wir wissen außerdem, dass Preise in der Architektur wichtig sind. Sie fördern die Leistung des Einzelnen und fördern die Baukultur. Bereits zum dritten Mal vergibt das Bundesbauministerium in Kooperation mit der Bundesarchitektenkammer den Deutschen Architekturpreis. Seit über 40 Jahren wird der Preis mit großem Erfolg ausgelobt. Wir sind sehr stolz darauf, dass wir ihn als "Staatspreis der Bundesregierung" und zusammen mit der Bundesarchitektenkammer zu neuer Blüte und Anerkennung führen können.

Das Ergebnis der diesjährigen Preisverleihung dokumentiert einmal mehr, dass Wettbewerbe ein hervorragender Anreiz und Motor sind, damit sich Neues entwickeln und durchsetzen kann. Kein anderes Instrument bringt eine derartige Lösungsvielfalt hervor. Kein anderes Instrument lässt Bauherren und Planer in einem fairen Verfahren zueinander finden. Wettbewerbe bieten auch kleinen und jungen Büros die beste Chance, sich auf dem Markt einen Namen zu machen. Für mich steht außer Frage, dass wir mit einer bundesweit etablierten Wettbewerbskultur noch mehr Qualität für unsere gebaute Umwelt und damit letztlich zu mehr gebauter Lebensqualität in unseren Städten beitragen.

Bei allen Bauaufgaben, die für einen Wettbewerb zugänglich sind, sollten Planungswettbewerbe durchgeführt werden, am besten offene Planungswettbewerbe. Sie stehen für eine lebendige Baukultur und tragen zur Sensibilisierung für Fragen der Architekturqualität und der Baukultur bei.

Wir haben die Wettbewerbsregeln gemeinsam mit der Bundesarchitekten- und der Bundesingenieurkammer erarbeitet und bewusst schlank gehalten. Sie sind eine gute Grundlage für praktikable Verfahren. Deshalb sollten diese Regeln in allen Wettbewerben in Deutschland Anwendung finden.

Eine lebendige Baukultur wird daneben auch durch die kontinuierliche Optimierung der Aus- und Weiterbildung der Architektinnen und Architekten gesichert. Das Preisrecht der HOAI sorgt dafür, dass insbesondere die Vielzahl der kleinen und mittleren Büros gesichert werden kann. Mit der Verleihung des Deutschen Architekturpreises am heutigen Abend prämieren wir hervorragende planerische Fähigkeiten, den Einsatz von neuartigen Bau- und Energietechnologien, von innovativen Baustoffen und ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit. Alle Preisträgerinnen und Preisträger haben hervorragende Arbeit geleistet und sich um die Baukultur in Deutschland verdient gemacht!

Ich will aber gerade auch an einem solchen Abend nicht verschweigen, dass wir durch die Flüchtlingszahlen vor großen baupolitischen Herausforderungen stehen. Wir müssen jetzt sehr schnell sehr viel neuen und bezahlbaren Wohnraum schaffen, ohne unsere Städte dabei optisch und baukulturell zu verschandeln. Aber klar ist, dass wirklich alle Menschen im Winter ein Dach über dem Kopf haben sollen.

Damit wir diesen Zielkonflikt gut lösen, brauchen wir Ihre Vorschläge und Ihre Mitarbeit. Und wir brauchen die bewährte Partnerschaft mit der Bundesarchitektenkammer, so wie zuletzt im Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen. Ich würde mich freuen, wenn es viele gute Ideen und Lösungen zu diesem aktuellen Aufgabenfeld gibt. Und vielleicht finden wir eine dieser Lösungen bereits unter den Preisträgern beim nächsten Deutschen Architekturpreis wieder.

Ich wünsche uns allen einen inspirierenden und anregenden Abend!

29.02.2016 | Rede Dr. Barbara Hendricks | Hannover