BMUB Website

Navigation

Von hier aus koennen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

  • Home
  • Presse
  • Reden
  • Rede von Florian Pronold "Gemeinsam für mehr Energieeffizienz im Hotel- und Gastgewerbe im Alpenraum"
https://www.bmub.bund.de/RE173
06.04.2016

Rede von Florian Pronold "Gemeinsam für mehr Energieeffizienz im Hotel- und Gastgewerbe im Alpenraum"

Porträt von Florian Pronold
20.04.2016 | Europa und Umwelt

Gut für Klima und Gewerbe: Energieeffizienz in Alpen-Hotels und Gaststätten

Florian Pronold eröffnet internationalen Workshop

Beitrag zum nachhaltigen Tourismus als bedeutendem Wirtschaftsfaktor

Beitrag zum nachhaltigen Tourismus als bedeutendem Wirtschaftsfaktor

- Es gilt das gesprochene Wort -

Sehr geehrter Herr Generalsekretär Reiterer,

meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich freue mich sehr, Sie heute hier in Oberschleißheim beim Workshop "Klimaschutz und Energieeffizienz in Hotellerie und Gastronomie des Alpenraums" begrüßen zu können. Das sage ich nicht nur als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesumwelt- und -bauministerium, sondern auch als bayerischer Politiker, der allerdings nicht aus dem Alpenraum, sondern aus der wunderschönen Dreiflüssestadt Passau in Niederbayern stammt.

Deutschland hat einen Anteil an den Alpen von rund fünf Prozent. Wir sind Vertragsstaat der Alpenkonvention, haben noch bis Oktober dieses Jahres die Präsidentschaft der Konvention inne und setzen ein umfangreiches, anspruchsvolles Programm dazu um. Dieser Workshop ist Teil des Programms, das einen Schwerpunkt auf nachhaltiges Wirtschaften setzt. Klimaschutz und Energieeffizienz sind dafür unabdingbar.

Warum engagieren wir uns so, fragen Sie sich vielleicht. Wir wurden das tatsächlich auch schon gefragt. Ich will Ihnen antworten: Weil die Alpen im Zentrum Europas ein einmaliger Landschafts- und Siedlungsraum sind, in dem rund 14 Millionen Menschen leben und arbeiten und für den alle Vertragsparteien, unabhängig von ihrem Flächenanteil, eine gemeinsame Verantwortung tragen. Wir engagieren uns, weil die Alpen unseres Schutzes bedürfen. Die Umsetzung dieses Ziels werden wir, und das heißt alle Alpenländer, aber nur erreichen, wenn wir uns gemeinsam für eine entsprechende Entwicklung auch im Sinne einer nachhaltigen Nutzung dieses wunderbaren Gebirges einsetzen. Und ich betone hier: gemeinsam. Das klingt selbstverständlich, ist es aber gegenwärtig in einem Europa nicht mehr, wo zurzeit leider oft genug nur in den eigenen Landesgrenzen gedacht wird.

Deshalb mein Appell, stärker auf Gemeinsames und Kooperation zu setzen. Denn nur so können wir die vor uns stehenden Aufgaben in Europa, aber auch im Alpenraum lösen. Das gilt insbesondere auch für die notwendige Anpassung an den Klimawandel ebenso wie für aktiven Klimaschutz. Wir brauchen beides.

In punkto Gemeinsamkeit war die Klimakonferenz in Paris ein wirklicher Lichtblick. Über 190 Staaten haben erfolgreich ein substanzielles Klimaabkommen verhandelt. Bundesumweltministerin Hendricks wird am Freitag dieser Woche als eine der Ersten den Klimavertrag in New York zeichnen. Dieser Erfolg sollte anstecken und die Zusammenarbeit in ganz Europa, aber auch im Alpenraum, voranbringen.

Stichwort gemeinsam. Genau hier setzt der Workshop zu Klimaschutz und Energieeffizienz im Hotel- und Gastgewerbe an. Es geht uns zunächst um eine Bestandsaufnahme dessen, was an Initiativen und guten Beispielen im Alpenraum zu finden ist, von denen man lernen und die man verbreiten kann. Wenn ich mir das Programm und die Referenten vor Augen führe, so freut es mich sehr, dass aus nahezu allen Vertragsstaaten der Alpenkonvention Vertreter gekommen sind, um ihre Erfahrungen zu präsentieren und zu diskutieren.

Für Deutschland möchte ich insbesondere auf die seit Jahren erfolgreich laufende Energiekampagne des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA hinweisen. Sie wird vom Bundesumweltministerium unterstützt und war Ideengeber für diesen Workshop. Sie bietet ein umfangreiches Arsenal von Möglichkeiten für eine konkrete Beratung in Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz. Darunter finden sich ausführliche Energiesparblätter mit konkreten Tipps für neue effiziente Technologien etwa in den Bereichen Heizung, Beleuchtung und Haustechnik, ein "virtuelles Hotel", das mögliche Effizienzmaßnahmen veranschaulicht bis hin zu Tools, die beim Kalkulieren notwendiger Investitionen helfen.

Warum dies nicht auch für den gesamten Alpenraum zugänglich machen, dass Hotelbesitzer in Italien, Frankreich und Slowenien ebenfalls davon profitieren können? Umgekehrt bin ich auf die zahlreichen Erfahrungen aus anderen Alpenländern gespannt. Denn wie ich weiß, gibt es dort vergleichbare Initiativen. Alles dies wollen wir nach dem Workshop über eine App als online-Wegweiser den interessierten Verbänden, Touristikern sowie Betreibern von Hotels und Gastwirtschaften verfügbar machen – natürlich in den vier offiziellen Alpensprachen.

Dies soll aber nur ein erster Schritt sein. Gemeinsam mit Ihnen wollen wir im Rahmen des Workshops auch darüber diskutieren, wie es gelingen kann, die Kooperation in Sachen Klimaschutz und Energieeffizienz in Ihrer Branche alpenweit zu verstetigen. Unser Vorschlag ist, die Kräfte und die bestehenden Initiativen zu bündeln und eine alpenweite Initiative in diesem Bereich zu starten. Hier stecken aus unserer Sicht nicht nur enorme Potenziale zur notwendigen Senkung der Treibhausgasemissionen. Vor allem sehe ich auch große Chancen für Kostenersparnisse in den Hotels und gastronomischen Betrieben, die jedem Einzelnen Monat für Monat, Jahr für Jahr zugutekommen. Wie wir aus Deutschland wissen, ist der einzelne Unternehmer häufig überfordert, aus eigener Kraft die notwendigen Maßnahmen in Angriff zu nehmen. Vielfach ist auch nicht bekannt, was moderne Effizienztechnologien leisten können und dass sich Investitionen bereits nach kurzer Zeit, manchmal sind es nur Monate, rechnen. Hier könnte eine alpenweite Initiative helfen eine ganze Branche nach vorn zu bringen.

Warum ausgerechnet Hotels und Gaststätten? Die Gründe liegen auf der Hand: Die Alpen als einmaliger Erlebnisraum für eine Hochgebirgslandschaft mitten in Europa sind eine der beliebtesten Urlaubs- und Freizeitregionen nicht nur für Deutsche, sondern für ganz Europa und sogar weltweit. Schätzungsweise 150 Millionen Gäste kommen laut 4. Alpenzustandsbericht jährlich in die Alpen. Mit rund 50 Milliarden Euro pro Jahr leistet der Tourismus nach OECD-Angaben einen bedeutenden Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung und zum Wohlstand im Alpenraum. Diese Leistung wird häufig in kleinen und mittelständischen, oft familiengeführten Unternehmen erwirtschaftet. Mit einer gemeinsamen Initiative für mehr Energieeffizienz wollen wir gerade die Kleinen der Branche unterstützen, sie zukunftssicher machen und die Arbeitsplätze in diesem so wichtigen Wirtschaftssegment erhalten. Denn kluge Investitionen in den Unternehmen tragen zu einer stärkeren Wettbewerbsfähigkeit bei und verbessern die Qualität der touristischen Angebote. Unterkünfte werden komfortabler, moderner. Das entspricht auch den wachsenden Ansprüchen und Wünschen der Gäste.

Dies ist auch wichtig vor dem Hintergrund, dass sich der Tourismus im Alpenraum in den kommenden Jahren und Jahrzehnten verändern wird. Schon jetzt schreitet der Klimawandel in den Alpen doppelt so schnell voran wie anderswo. Wer etwa die matschig-grauen Kunstschneepisten durch grüne Wiesen, die wir im Winter vielfach beobachten konnten, nur als Folge einer ungünstigen Wetterlage und als vorübergehend betrachtet, der verkennt die Lage. Das wird sich nach einhelliger Expertenmeinung in Zukunft öfter wiederholen. Touristen lockt das nicht an.

Nun wird eine Initiative für mehr Energieeffizienz in der Hotelbranche dieses Dilemma nicht beheben und die notwendige Anpassung an den Klimawandel nicht überflüssig machen. Aber sie könnte ein Baustein für einen zukunftsfähigen, nachhaltigen Tourismus in den Alpen sein. Dem wird sich im Übrigen die von der deutschen Präsidentschaft initiierte Tourismuskonferenz am 8. Juni in Sonthofen im Allgäu widmen. Und schließlich: Der Tourismus ist nicht nur durch Hotels und Gastwirtschaften, sondern auch durch Skilifte, Schneekanonen und andere touristische Einrichtungen und Infrastruktur einer der großen Energieverbraucher in den Alpen. Da gehört es aus meiner Sicht zur Glaubwürdigkeit, beim Klimaschutz nicht nur auf andere zu hoffen, sondern sich zur eigenen Verantwortung für die Reduzierung der damit verbundenen Emissionen zu bekennen und einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels zu leisten.

Deutschland hat sich im Rahmen seines Präsidentschaftsprogramms deshalb für verstärkte Aktivitäten der Alpenkonvention in Sachen Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel eingesetzt. Beispielsweise hat zum ersten Mal im März dieses Jahres eine vom Bundesumwelt- und –bauministerium organisierte Alpenbaukonferenz getagt. Sie hat einen Erfahrungsaustausch zu nachhaltigem und energieeffizientem Bauen, insbesondere zu Null-Energie-Gebäuden, initiiert. Für eine bessere Vernetzung von Klimaschutzaktivitäten auf kommunaler Ebene sorgte eine internationale Tagung im Herbst letzten Jahres. Sie hat einen Appell an die Pariser Klimakonferenz gerichtet und damit Rückenwind für unsere Verhandlungen für anspruchsvolle Klimabeschlüsse gegeben. Nun geht es darum, die Beschlüsse von Paris mit Leben zu erfüllen. Aus meiner Sicht passen gerade der Klimaschutz und die künftige Entwicklung des Alpenraums hervorragend zusammen.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen anregenden Austausch, neue Inspirationen und gute Ideen.

Vielen Dank.

06.04.2016 | Rede Florian Pronold | Oberschleißheim