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05.11.2015

Rede von Gunther Adler bei der Veranstaltung "Nachhaltiger Konsum in Deutschland"

Porträt von Gunther Adler
Rede von Gunther Adler bei der Veranstaltung "Nachhaltiger Konsum in Deutschland"

- Es gilt das gesprochene Wort -

Vielen Dank Herr Prof. Christian Thorun,

lieber Gerd Billen,

lieber Ernst Ulrich von Weizsäcker,

meine sehr geehrten Damen und Herren,

wie Sie wissen, ist dieses Jahr ein sehr ereignisreiches und wichtiges Jahr für den Klimaschutz, für den Umweltschutz und für die nachhaltige Entwicklung.

Vor etwas mehr als einem Monat haben wir in New York die Agenda 2030 verabschiedet. Und mit ihr die 17 Nachhaltigkeitsziele. In etwas weniger als einem Monat werden wir hoffentlich ein erfolgreiches und ambitioniertes Klimaabkommen in Paris beschließen. Sie sehen: Die Bretter, die wir derzeit Bohren, sind ziemlich dick. Und die aktuelle Flüchtlingsfrage habe ich dabei noch nicht einmal erwähnt.

Die Agenda 2030 und die COP21 zielen nicht nur auf ein "bisschen mehr" an Nachhaltigkeit. Und ein "bisschen weniger" an Treibhausgasen.

Sie zielen auf einen fundamentalen Wandel.

Der G7-Gipfel hat die Notwendigkeit einer Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis zum Ende des Jahrhunderts gefordert. Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika angemahnt: Die Welt braucht einen Wandel hin zu einem nachhaltigeren Lebensstil.

Nun lässt sich ein gesellschaftlicher Wandel nicht einfach von der Politik diktieren. So funktioniert das in freien Gesellschaften glücklicherweise nicht. Was wir können, ist: Ziele aufzeigen; Leitplanken vorgeben; Rahmenbedingungen verbessern.

Aber der Name "gesellschaftlicher Wandel" trägt die entscheidende Botschaft ja schon in sich: Es ist ein Wandel, der von der Gesellschaft getragen wird; der Mitwirkung und Akzeptanz benötigt; der von allen ausgehen muss.

Was bedeutet die Agenda 2030 konkret? Und wie wollen ihre 17 Ziele in Deutschland umsetzen?

Bisher verfolgt beinahe jedes Ministerium eigene Initiativen, die direkt oder indirekt den Konsum beeinflussen. Diese Aktivitäten sind wichtig und wir müssen sie weiter ausbauen. Nach der Ankündigung im Juli sind wir in der Ressortabstimmung ein gutes Stück weitergekommen, sodass ich Ihnen heute die Grundstruktur des Nationalen Programms für Nachhaltigen Konsum vorstellen kann.

Manche Ziele sind für Deutschland relevanter als andere Ziele. Deshalb werden wir Schwerpunkte setzen. Und einer unserer Schwerpunkte ist das "Ziel zwölf": Das Sicherstellen Nachhaltiger Produktions- und Konsumweisen.

Das Programm hat zum Ziel, unsere Konsummuster und unseren Lebensstil mit den planetaren Grenzen in Einklang zu bringen. Es geht um mehr Lebensqualität. Um globale Verantwortung. Und um die Zukunft der nächsten Generationen.

Wir wollen den nachhaltigen Konsum aus seiner Nische holen und in den Alltag bringen; die Konsumentinnen und Konsumenten mehr als bisher in die Lage versetzen, nachhaltig zu handeln; und die Wahl der nachhaltigeren Alternative zu einer praktischen, nicht nur einer theoretischen Selbstverständlichkeit werden lassen.

Außerdem darf nachhaltiger Konsum nicht vom Geldbeutel abhängig sein. Wir müssen es schaffen, alle Gruppen der Gesellschaft zu integrieren.

Und schließlich dürfen wir nicht vergessen: Nachhaltiger Konsum und nachhaltige Produktion bedingen sich.

Verbraucherinnen und Verbraucher werden nur dann vom Mitmachen überzeugt, wenn die Produkte langlebiger, emissionsärmer und letztlich auch qualitativ besser werden.

Was wir brauchen, sind klare Informationen: Um ein aktuelles Beispiel aus den letzten Tagen zu nehmen: Wenn einerseits vor einem Verzehr von Schinken und Wurst gewarnt, andererseits aber ein Stoff wie Glyphosat für unbedenklich erklärt wird, dann ist etwas aus der Balance geraten! Dann darf sich niemand wundern, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher sich nicht vernünftig informiert fühlen.

Das Nationale Programm für Nachhaltigen Konsum soll zu einer möglichst breiten Mitwirkung einladen. Es soll erfolgreiche Maßnahmen stärken und mit neuen Maßnahmen das Thema voranbringen. Denn nachhaltiger Konsum benötigt leicht verständliche und vertrauenswürdige Informationen.

Wir haben das Programm in zwei Bereiche unterteilt:

Zum einen in die sechs Konsumfelder, in denen der Konsum die größten Umwelt- und Sozialwirkungen aufweist. Also:

  1. Mobilität
  2. Ernährung
  3. Wohnen und Haushalt
  4. Arbeit und Büro
  5. Bekleidung, sowie
  6. Freizeit und Tourismus.

Zum anderen in übergeordnete Handlungsansätze, die keinem Konsumfeld konkret zugeordnet werden können. Zum Beispiel Bildung und Verbraucherinformation.

In Deutschland haben wir heute eine gute Ausgangsbasis. Laut der letzten Umweltbewusstseinsstudie sind 60 Prozent der Befragten der Meinung, dass wir langfristig weniger oder zumindest ressourceneffizienter konsumieren müssen. Die entscheidende Frage ist jetzt: Wie erreichen wir auch die anderen 40 Prozent?

Sie alle kennen den Blauen Engel, unser vertrauenswürdigstes Umweltzeichen. Sie kennen vielleicht auch die Energieeffizienzkennzeichnung. Und Sie haben auch ein Bild von Sozialstandards bei der Produktion eines Fünf-Euro-T-Shirts. Ich stelle fest: Damit gehören Sie und ich zu einer Minderheit in Deutschland. Das alles ist kein Allgemeinwissen. Und das wollen wir ändern!

Wir wollen alle Menschen im Land erreichen, nicht nur 60 Prozent. Das kann bereits in der Schule geschehen oder über glaubwürdige Verbraucherinformationen. Und auch die Forschung spielt hier eine Rolle: Es gibt zum Beispiel noch immer zu wenige Daten darüber, wie viel ökologischer es ist, mit dem Fahrrad statt mit dem Auto zu fahren.

Um nachvollziehen zu können, wie unsere Projekte den nachhaltigen Konsum stärken und wie sich der Konsum überhaupt verändert, arbeiten wir zusammen mit den anderen Ressorts an einem Indikator für Nachhaltigen Konsum. Dieser soll auch in die Nationale Nachhaltigkeitsstrategie integriert werden.

Beim Konsum geht es um unsere alltäglichen Bedürfnisse. Deshalb wollen wir genau hier ansetzen, weil wir hier die größten Wirkungen erwarten.

Beispiel Mobilität: Der Verkehrssektor ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasen weltweit. Luftschadstoffe und Verkehrslärm sind schlecht für Umwelt und Gesundheit. Deshalb gibt es Grenzwerte und deshalb müssen wir stärker als bisher für die Einhaltung dieser Grenzwerte sorgen!

Das fängt an bei den Autos von VW, aber hört hier nicht auf. Mit der Wahl des Verkehrsmittels kann jeder Einfluss auf das Klima nehmen. Nur wenn die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs attraktiv sind, lassen sich Gewohnheiten ändern.

Oder schauen wir uns die Ernährung an: Die Nahrungsmittelproduktion hat oft negative Auswirkungen auf die Umwelt und die biologische Vielfalt, insbesondere durch Überdüngung von Land, Boden und Gewässern und durch den Einsatz von Pestiziden.

Auch die Verpackungen und der Transport spielen eine wichtige Rolle. Darum wollen wir hin zu mehr regionaler und ökologischer Ernährung, die weniger Abfall produziert.

Beim Thema Wohnen verbrauchen wir große Mengen an Energie und Materialien und verursachen damit erhebliche Emissionen. Vor allem das Heizen, aber auch die Nutzung von Haushaltsgeräten sind wichtige Faktoren. Helfen können hier energie- und ressourcensparende Geräte. Oder Investitionen in die Gebäudedämmung und in Solaranlagen. Hier gibt es ein enormes Potenzial, das wir im eigenen Interesse heben sollten.

Nachhaltiger Konsum ist ein sehr breites Feld und wir wollen mit dem Nationalen Programm in allen Konsumfeldern Impulse geben.

Wenn wir die Ziele der Agenda2030 wirklich erreichen wollen, dann müssen Industrie und Handel mitmachen. Sobald das Bundeskabinett in den nächsten Monaten das Nationale Programm für Nachhaltigen Konsum verabschiedet hat, wird die eigentliche Arbeit anfangen. Und dafür benötigen wir Ihre Hilfe.

Sie kennen die Barrieren für einen nachhaltigeren Konsum aus dem EffEff. Sie wissen zum Beispiel, welche Informations- und Bildungskampagnen zu nachhaltiger Ernährung und zu weniger Lebensmittelverschwendung funktionieren. Und welche nicht.

Heute soll der Austausch mit Ihnen neu beginnen, um mehr voneinander zu lernen. Wir möchten wissen, wie Ihre Beiträge aussehen könnten und was sie von der Politik erwarten. Wir würden uns freuen, wenn Sie sich auch untereinander vernetzen und miteinander kooperieren.

Ich wünsche uns allen eine spannende Diskussion.

Vielen Dank!

05.11.2015 | Rede Gunther Adler | Berlin