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31.05.2017

Rede von Gunther Adler über Meeresmüll im Rahmen der G20

Porträt von Gunther Adler
Rede von Gunther Adler über aktuelle und zukünftige Herausforderungen beim Meeresmüll im Rahmen der G20.

– Es gilt das gesprochene Wort. –

Exzellenzen,
sehr geehrte Damen und Herren,
liebe Kolleginnen und Kollegen,
Willkommen!

Wir haben die Wahl!

Wir haben die Wahl, unser Handeln sinnvoll und zielgerichtet zu gestalten, damit es positive Auswirkungen hat. Wir haben die Wahl, ob wir einen Beitrag zur Vermüllung der Meere leisten oder durch Veränderung unseres Verhaltens etwas dagegen tun – jeden Tag aufs Neue. Die Wahl zu haben, empfinden wir als positiv, manchmal fühlen wir uns aber auch schlicht überfordert. Im Angesicht der immensen Bedrohung durch die Vermüllung der Meere haben wir manchmal das Gefühl, klein und machtlos zu sein.

Wir alle, die wir uns der "Vermüllung der Meere" entgegen stemmen, kennen die wesentlichen "facts and figures" allmählich auswendig. Gleichwohl bin ich der Auffassung, dass es sinnvoll ist, sie nochmals in komprimierter Form darzustellen, um zu verdeutlichen, weshalb es so wichtig ist, dass wir die richtige Wahl treffen. Mehr als 8 Millionen Tonnen Plastik landen jährlich in den Ozeanen, der Großteil des Meeresmülls stammt von Land. Einige Plastikprodukte verbleiben bis zu 400 Jahren nahezu in ihrer ursprünglichen Form in den Meeren und können all die Jahre verheerende Auswirkungen haben. Schätzungen gehen davon aus, dass die Meere im Jahr 2025 eine Tonne Plastik auf drei Tonnen Fisch enthalten werden.

Wollen wir das wirklich zulassen? Strände, die voll von Müll sind, Tiere, die sich in Plastikteilen verheddern, sich versehentlich strangulieren oder beim Verschlucken ersticken? All diese Bilder kennen wir, all diese Bilder sind verstörend. Sie können uns entweder motivieren, oder uns lethargisch zurück lassen. Wir haben die Wahl.

Eine vernetzte Welt gestalten, das ist das Motto der Deutschen G20-Präsidentschaft.

Vernetzen, das kann ein Arbeitsauftrag, ein Start sein, um dem Problem des Meeresmülls zu begegnen, indem wir strukturiert, engagiert und eben vernetzt, das heißt gemeinsam, die Welt umspannend, miteinander in Wechselwirkung tretend, forschen, Daten erheben, analysieren, agieren, Bewusstsein schaffen, Strände säubern, Abfall besser managen, oder besser noch, versuchen immer weniger Abfall zu produzieren.
Es gibt viele gute Beispiele, die zeigen, dass dort, wo Einzelne aktiv geworden sind, eine Bewegung in Gang gesetzt wurde. Menschen, die einfach vor ihrer Haustür begonnen haben, den Müll von den Stränden zu entfernern, weil sie sich so gestört fühlten, dass sie nicht weiter tatenlose Zuschauer bleiben wollten. Menschen, die merkten, dass sich niemand kümmert, wenn sie sich nicht kümmern. Mittlerweile beteiligen sich Millionen Menschen weltweit und wirken mit beim Kampf gegen die Vermüllung der Meere. Überall dort, wo sich Gleichgesinnte gemeinsam dem Problem stellen, können wir Veränderung erreichen. Dabei muss es unser Ziel sein, die Weichen bereits ganz am Anfang zu stellen, das heißt an der Quelle, nicht erst in den Meeren und damit "end-of-pipe".

Wir sind alle gleichermaßen betroffen, sind alle abhängig von dem lebensspendenden Netz, der Lebensader, die unsere Welt umspannt, dem Netz der Ozeane und Meere. Den Sauerstoff, den wir atmen, den Regen, Nahrung, all das bekommen wir von den Ozeanen und Meeren. Und doch lassen wir es zu, dass sie immer mehr ausgebeutet und verschmutzt werden. Wir überfischen und verschmutzen und sägen so an dem Ast, auf dem wir sitzen. Es wird Zeit, daran etwas zu ändern.

Das Sustainable Development Goal 14, fordert uns auf "Ozeane, Meere und Meeres-ressourcen im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung zu erhalten und nachhaltig zu nutzen". In Unterziel 14.1 heißt es, dass "bis 2025 jegliche Art von Meeresver-schmutzung inklusive Meeresmüll und Überdüngung, vor allem durch landbasierte Aktivitäten, zu verhindern und signifikant zu reduzieren" ist.
Wir haben eine Verantwortung, uns und allen nachfolgenden Generationen gegenüber. Wir müssen dafür Sorge tragen, dass unsere Meere und Ozeane auch für unsere Kinder und Kindeskinder noch "in der Lage sind, ihre Dienste zu tun". Zeit ist in diesem Falle nicht unendlich. Wir müssen jetzt handeln und wir können auch nicht warten, dass es ein anderer tut, wir sind gefragt.

Alle, die wir hier sitzen – erfüllen in unserem täglichen Tun unterschiedliche Aufgaben. In dieser Diversität steckt Potenzial. Wir müssen es nutzen, unsere Arbeitsfelder vernetzen, unsere Kompetenzen bündeln und somit gegen das wachsende Problem der Vermüllung der Meere ankämpfen. Politik, Industrie, Wissenschaft, Zivilgesellschaft, alle erfüllen unterschiedliche Aufgaben, alle sind gefragt.

Politische Herausforderungen/Verantwortlichkeiten

Es liegt auf der Hand, dass die Bekämpfung eines solchen Phänomens hohe Anforderungen an uns alle stellt. Das globale Problem fordert eine globale Lösung, zumindest global abgestimmtes Handeln.

  • Welche Verantwortung trägt dabei die Politik?
  • Welche Verantwortung tragen die Wirtschaft und die Zivilgesellschaft?
  • Aber auch: Was tragen wir persönlich zur Vermüllung der Meere bei? Wie kann ich selbst durch Änderung meines Verhaltens etwas Positives bewirken? Dabei ist Konsumverhalten sicher eines der Stichworte, um die es im Wesentlichen geht. Damit ist eben auch jeder Einzelne, jeder von uns hier, aufgefordert, sein Handeln zu überprüfen.

Die Größe der Gruppe der Akteure, der zum Handeln Aufgerufenen, entspricht damit der Dimension des vor uns liegenden Problems. Es gilt, und auch da sage ich Ihnen nichts Neues, die unzähligen Initiativen, Aktivitäten, Maßnahmen soweit wie möglich auf einander abzustimmen, sie zu koordinieren und damit am Ende des Tages komplementäre Prozesse zu erreichen. Wir haben uns aufgemacht, als G20 neue Wege zu beschreiten, Kooperationen zu schließen und Zusammenarbeit zu fördern, damit wir unseren Meeren und Ozeanen die Möglichkeit geben, sich wieder zu regenerieren, sich ein wenig von der "Müllflut" zu erholen.

Deutschland ist sich des Umstandes sehr bewusst, dass es zwischenzeitlich eine Vielzahl von Aktionsplänen und -strategien gegen die Vermüllung der Meere gibt. Und es liegt uns daher fern, das berühmte Rad ein zweites Mal zu erfinden. Es muss uns vielmehr darum gehen, auf den bereits zahlreich gemachten Erfahrungen auf der Basis des Bestehenden aufzubauen. Wir benötigen entschlossenes Handeln, die bereits erkennbare globale politische Bewegung gegen Meeresmüll mit global umsetzbaren praxisnahen Maßnahmenvorschlägen zu unterlegen. Dabei gilt es, innerhalb eines einheitlichen Rahmens individuelle, Maßnahmen zu entwickeln das heißt tailor-made. Die "one size fits all-Lösung" gibt es nicht. Aber es gibt Rahmenbedingungen, die für uns alle gleich sind, und diese gilt es auszufüllen.

Rolle der G20

Ungefähr für 80 Prozent des Weltsozialprodukts zeichnen die G20 verantwortlich und decken damit drei Viertel des globalen Handels ab. Zwei Drittel der Weltbevölkerung sind in Staaten der G20 beheimatet. Diese Zahlen allein sind ein klarer Indikator für die Verantwortung, die wir tragen, jedoch auch für die Möglichkeiten, die wir haben. Die globalen Einträge von Müll in die Meere können drastisch reduziert werden, wenn die G20-Staaten gemeinsam Lösungen finden und diese auch gemeinsam umsetzen. Die G20 sind daher in der Tat das richtige Forum, um dieses wichtige Thema zu diskutieren und konkrete Vorschläge zur Bewältigung des Problems zu erarbeiten.

Regionale Kooperation als Umsetzungsinstrument

Jenseits der inhaltlichen Fragen und der dort bereits erzielten Ergebnisse möchte ich abschließend noch einen Aspekt besonders betonen, der für die Frage der Wirksamkeit und Umsetzbarkeit von Aktionsplänen und -programmen von herausragender Bedeutung ist. Ich spreche von der regionalen Kooperation der Anliegerstaaten einzelner Meere beziheungsweise Meeresregionen. Deutschland ist selbst Vertragsstaat in zwei sog. Regional Seas Conventions zum Schutz von Nordostatlantik und Ostsee, OSPAR und HELCOM. Hier arbeiten die Anrainer zusammen, um die sie alle gemeinsam betreffenden Belastungen der Meere vor Ort, das heißt maßgeschneidert, zu bekämpfen. Beim Thema Meeresmüll gesellt sich zur rein regionalen Komponente natürlich die globale hinzu. Bedingt durch Meeresströmungen sowie auch durch Windbewegung, verteilt sich der in die Meere eingetragene Müll über den ganzen Globus und verschmutzt und beeinträchtigt längst nicht nur "eigene" Strände, Meeresflächen oder Fischgründe.

Es ist durch eine Vielzahl von praktischen Erfahrungen bewiesen, dass Regional Seas Conventions und unter deren Dächern erarbeitete Regionale Aktionspläne eine wichtige Rolle spielen. Weltweit treten dafür 18 Regional Seas Conventions und Aktionspläne, die mehr als 143 Staaten einschließen, den Beweis an. Weshalb betone ich das so? Nun, die Vielzahl der Regional Seas Conventions und anderer regionaler Kooperationsformen bieten bereits einen unschätzbar großen Fundus an Erkenntnissen und auch konkret bezeichneten möglichen Aktionen und Maßnahmen. Was wir morgen Mittag hier präsentieren müssen, ist ein abgestimmtes Grundverständnis der G20-Staaten über den zu verallgemeinernden Rahmen, die essentials der Bekämpfung von Meeresmüll. Wenn es uns gelingt, neben diesem Grundverständnis über das 'was' noch Verabredungen über das "wie", das heißt die Implementierungsformen und die dafür notwendigen finanziellen Ressourcen etcetera sowie – last but not least – auch über das "wer", das heißt konkrete Verantwortlichkeiten zu treffen, werden wir einen entscheidenden Schritt voran kommen.

Lassen Sie mich auf meine Eingangsformulierung zurückkommen, "wir haben die Wahl"! Lassen Sie uns die richtige Wahl treffen und vernetzt und ambitioniert agieren, lassen Sie uns eine starke Botschaft der G20 gegen die Vermüllung der Meere senden. Gemeinsam können wir Veränderung schaffen. Ich danke Ihnen.

31.05.2017 | Rede Gunther Adler | Berlin