BMUB Website

Navigation

Von hier aus koennen Sie direkt zu folgenden Bereichen springen:

  • Home
  • Presse
  • Reden
  • Rede von Jochen Flasbarth zum 25. Meeresschutz-Symposium 2015 "Meeresschutz gestern und heute"
https://www.bmub.bund.de/RE122
27.05.2015

Rede von Jochen Flasbarth zum 25. Meeresschutz-Symposium 2015 "Meeresschutz gestern und heute"

Porträt von Jochen Flasbarth
Rede von Jochen Flasbarth zum 25. Meeresschutz-Symposium 2015 "Meeresschutz gestern und heute"

- Es gilt das gesprochene Wort -

Jubiläen wie das heutige sind traditionell auch immer Anlass zu einem Rückblick. Angesichts des Umstandes, dass Herr Prof. Dr. Ehlers später dazu noch vortragen wird, verzichte ich hier auf Details. Erlauben Sie mir aber bitte dennoch eine kurze Anmerkung zum historischen Kontext der Meeresschutz-Symposien.
Am 3. Oktober 1990 haben wir die deutsche Wiedervereinigung begangen. Bereits 1991 wurde das Meeresschutz-Symposium ins Leben gerufen. Deutschland und das "neue" Europa waren noch in einer Phase der Neuorientierung, die Prioritäten lagen sicher nicht unbedingt bei Umwelt- und Meeresschutz. Die Etablierung des Symposiums zu diesem Zeitpunkt hat aber ganz offenbar einen "Nerv" der deutschen Meeresschutzgemeinde getroffen; gegebenenfalls hatte das ja auch zu tun mit der deutlichen Verlängerung der deutschen Küstenlinie an der Ostsee?
Es ist über all‘ die Jahre offenbar gelungen, das Symposium am Puls der Zeit zu halten und dies mit hochaktuellen Themen, seien sie aus Wissenschaft, Politik oder auch rein praktischer Verwaltungsarbeit in diesem Bereich. Die Veranstaltung ist damit ein wesentliches verbindendes Organ für die Gemeinde der Meeresschützer und –nutzer in Deutschland geworden. Ein stabil hohes Interesse an der Veranstaltung kann nur als Zeichen für Interesse am Meer und seinem Schutz gewertet werden.

Kommen wir zu den meeresschutzfachlichen Aspekten;
In den letzten 25 Jahren ist im Meeresschutz auf allen Ebenen, von national bis weltweit, viel geschehen; Wir, damit meine ich alle Akteure in Behörden, Verbänden und auch der Industrie, haben große Fortschritte erzielt. 

Fakt ist aber auch, dass sich der ehemalige Umweltkommissar Potočnik im Februar letzten Jahres bei der Vorstellung eines – auf der Grundlage nationaler Berichte der Mitgliedstaaten im Rahmen der Umsetzung der EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie erstellten – Berichtes der EU-KOM zum Zustand der europäischen Meere, wie folgt geäußert hat: "Die Botschaft ist klar: Die Ozeane und Meere Europas befinden sich in keinem guten Zustand. Wir sind aber auf diese Meere angewiesen und müssen daher ein Gleichgewicht erreichen, das heißt wir müssen Wege finden, das wirtschaftliche Potenzial der Meere zu nutzen, ohne eine schon jetzt fragile Umwelt noch mehr zu belasten."
Fazit: Wir sind trotz vorzeigbarer Erfolge nach wie vor in der Pflicht, für den Schutz unserer Meere einzutreten. Und damit komme ich zu dem uns zur Verfügung stehenden Instrumenten für den Meeresschutz.

Ganz vorne stehen aus meiner Sicht die Regionalkooperationen zum Schutz von Nordostatlantik und der Ostsee, nämlich OSPAR und HELCOM. Dem einen oder anderen mögen diese beiden relativ kleinen, aber – wie ich meine – feinen Organisationen in unser zunehmend globalisierten Welt aufgrund ihres regional begrenzten Anspruchs altmodisch erscheinen. Ich hingegen bin der festen Überzeugung, dass sie nach wie vor, auch im Zeitalter einer europäischen Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie, – neudeutsch formuliert ­– die "focal points" des europäischen Meeresschutzes sind. Sie tragen den Meeresschutz auch in die Köpfe, die mit Europa und dem dort teilweise nur sehr theoretischen Herangehen wenig anfangen können.

Dabei rücken die Regionalkooperationen ja auch der globalen Komponente näher und näher. Beispielhaft möchte ich hier das erfolgreiche Engagement von OSPAR für die Ausweisung von bisher neun Meeresschutzgebieten jenseits nationaler Hoheitsgrenzen erwähnen. Das derzeit auch in den Medien reflektierte Engagement von OSPAR für die Ausweisung eines Schutzgebietes in der Arktis steht erst am Anfang. Hier wird OSPAR im kommenden Jahr hoffentlich weiteren Fortschritt erzielen können. Wünschen wir den Kolleginnen und Kollegen, die in diese Verhandlungen eingebunden sind, – einige von ihnen sind sicher heute auch hier im Publikum – allen möglichen Verhandlungserfolg!

EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
Ich habe sie vorhin bereits erwähnt, die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie. Sie ist aus unserer Sicht ein unverzichtbares Instrument einer einheitlichen europäischen Meeresschutzpolitik. Die Bundesregierung ist gemäß Koalitionsvertrag entschlossen, diese Richtlinie konsequent umzusetzen und den guten Umweltzustand in den deutschen Meeresgewässern zu erreichen.
Lassen Sie mich aber hier – aus gegebenem Anlass – eines offen ansprechen: wir haben bereits sehr schnell nach Veröffentlichung des Entwurfs des Maßnahmenprogramms harsche Kritik der Umweltverbände an unseren Vorschlägen einstecken müssen. Wenig ambitioniert ist dabei noch eine der diplomatischeren Bewertungen gewesen.
Ohne Details anzusprechen, die sicher nicht in diesen Rahmen gehören, möchte ich darauf heute nur Folgendes antworten: wir sind engagiert für angemessene Maßnahmen eingetreten und haben das derzeit politisch Machbare erreicht. Aus unserer Sicht ist entscheidend, dass wir nicht mit Tunnelblick auf die MSRL fokussieren. Es gilt vielmehr, alle meeresbezogenen EU-Richtlinien, dies sind neben der MSRL insbesondere die Wasserrahmenrichtlinie, die Nitrat-Richtlinie sowie die FFH- und Vogelschutzrichtlinien, intelligent zu verknüpfen, in koordinierter Form umzusetzen sowie Synergien und Kohärenz zu schaffen.
Leider ist heute schon absehbar dass wir trotz aller Bemühungen nicht imstande sein werden, den guten Umweltzustand bis 2020 zu erreichen, wir benötigen mehr Zeit. Dieses Maßnahmenprogramm ist nicht das Ende unserer Bemühungen, es ist der erste Aufschlag!

Meeresbiodiversität inklusive Fischerei (EU-Richtlinien)

Bleiben wir für einen Moment auf der europäischen Ebene und wenden wir uns dem Meeresnaturschutz zu.
Der FFH-Bericht 2013 hat den ungünstigen Erhaltungszustand der marinen Arten und Lebensraumtypen in der Ost- und Nordsee erneut bestätigt und Handlungsbedarf aufgezeigt. Daher haben wir uns im Koalitionsvertrag das Ziel gesetzt, so schnell wie möglich zu einer Regelung der Fischerei in den deutschen Natura 2000-Gebieten in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) von Nord- und Ostsee zu kommen. Ganz wichtig sind insbesondere Regelungen für den Einsatz von Grundschleppnetzen und Stellnetzen in den Schutzgebieten, deren Einhaltung dann auch wirksam kontrolliert wird.
Daher erarbeiten wir gemeinsam mit BMEL einen deutschen Vorschlag. Diesen werden wird dann mit den betroffenen Nachbarstaaten abstimmen, wie es das EU-Recht vorsieht. Für die Nordsee konnten wir uns nun mit BMEL grundsätzlich darüber verständigen, zum Schutz von Schweinswalen und Seevögeln bestimmte Gebiete für Stellnetze zu schließen und zum Schutz von Riffen und Sandbänken, den Einsatz von grundberührenden Fanggeräten zu verbieten. Details sind noch zu konkretisieren und auch die Kontrollmaßnahmen müssen noch gemeinsam festzulegen.
Die Situation in der Ostsee ist wegen der besonderen Bedrohungslage der Schweinswale und der großen Bedeutung der Stellnetze für die Fischerei besonders kompliziert. Es ist wichtig eine Lösung zu finden, die den Interessen der Umwelt und der Fischer gleichermaßen Rechnung trägt. Neben "klassischen" Schutzmaßnahmen sehe ich die Förderung und Entwicklung alternativer Fangtechniken als einen wichtigen Aspekt.
Darüber hinaus betreiben wir als BMUB gegenwärtig mit Nachdruck das Verfahren zur Ausweisung der Natura 2000-Gebiete in der AWZ als Naturschutzgebiete. Anfang Februar haben wir die Abstimmung innerhalb der Bundesregierung zu den entsprechenden Verordnungsentwürfen eingeleitet, erste Gespräche mit den Ressorts wurden bereits geführt.
Das Bundesumweltministerium tritt mit einem ambitionierten Ansatz an: über die europäischen Schutzgüter der Natura 2000-Richtlinien hinaus soll eine Reihe weiterer gefährdeter Arten in einen der FFH-Richtlinie vergleichbaren Schutz überführt werden. Damit wollen wir in einem Zuge auch den gebietsbezogenen Anforderungen der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie gerecht werden.
Und spätestens hier, meine sehr verehrten Damen und Herren, schließt sich der Kreis, wird die hin und wieder als künstlich wahrgenommene Trennung zwischen Meeresschutz und Meeresnaturschutz aufgehoben.

Lassen Sie uns noch eine Stufe auf der Leiter der Entscheidungsebenen hinauf steigen, schauen wir uns die Entwicklungen auf globaler Ebene an. Und damit, auch das ist kein Geheimnis, nähere ich mich so ganz allmählich auch den bestimmenden Themen der Tagesordnung dieses Meeresschutzsymposiums an.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
die Bundeskanzlerin hat im letzten Jahr entschieden, Meeresschutz zu einem Schwerpunktthema der deutschen G7-Präsidentschaft zu machen. Die Auswahl der drei darunter subsumierten Themen reflektiert anschaulich die Bandbreite dessen, was wir alle gemeinsam unter Meeresschutz verstehen, welchen Herausforderungen wir uns gemeinsam zu stellen haben. Die Bundeskanzlerin hat in einer einschlägigen Rede anschaulich dargestellt, dass es um die Zukunft der Meere gehe. Sie hat auf die überragende Bedeutung intakter Weltmeere und Küsten hingewiesen, auf ihre Funktion als Lebensraum für zahlreiche Arten, als Nahrungs- und Rohstoffquelle sowie Erholungsraum für die Menschen. Daneben dienen sie als Verkehrswege und Klimaregulator.
Gleichzeitig sind, wie vorhin bereits dargestellt, die Ozeane jedoch weltweit zunehmenden Belastungen ausgesetzt. Nicht zuletzt dienen sie schließlich als Senke für eine Vielzahl von Stoffen und Gegenständen Es gab also mehr als ausreichend Gründe, Meeresschutz zu einem Schwerpunktthema der G7 zu machen.
Im Fokus der G7-Befassung steht dabei die drastisch zunehmende Vermüllung der Weltmeere, insbesondere durch Plastikmüll. Es ist ein sich verschärfendes Problem, das von der Bevölkerung aufmerksam und mit zunehmender Sorge beobachtet wird.

Die "Facts and figures" zum Thema 'Meeresvermüllung' muss ich, glaube ich, in diesem Kreis hier nicht weiter erläutern.
Unsere Meere sind zu großen Mülldeponien geworden. Wir haben, das kann man mit ziemlicher Gewissheit so formulieren, sicher noch nicht die volle Dimension dieses Problems, dieser Bedrohung unserer Meeresökosysteme, insbesondere der marinen Artenvielfalt, erfasst. Von besonderer Bedeutung ist dabei der Eintrag von Mikroplastikpartikeln beziehungsweise die Zersetzung größerer Plastikpartikel, zum Beispiel Verpackungsmaterialien oder Fischereinetze, in Mikroplastikpartikel.

Ganz am Ende einer Nahrungskette steht der Mensch. Mögliche gesundheitliche Effekte auf den Menschen am Ende der Nahrungskette müssen daher durch Forschung schnellstmöglich untersucht werden. Nach gegenwärtigem Wissensstand ist eine Gesundheitsgefährdung für den Menschen durch die direkte Aufnahme von Mikroplastikpartikeln über Lebensmittel eher unwahrscheinlich. 

Die beschriebene Unsicherheit führt konsequent zu einer Intensivierung der Forschung, soweit die Auswirkungen von Mikroplastik auf die Ökosysteme und den Menschen in Rede stehen. Die weltweite Datenlage ist jedoch auch zu Meeresmüll "im allgemeinen" lückenhaft. Es bedarf daher dringend einer belastbaren und wissenschaftlich validen Datengrundlage zu den Quellen und Eintragswegen, die unter anderem dazu befähigt, gezielter die Verursacher von Meeresmüll zu identifizieren und gezielt zu adressieren. Eine von UNEA in 2014 bei UNEP in Auftrag gegebene Studie wird sich diesem Themenfeld umfassend widmen.

Das Vorsorgeprinzip gebietet jedenfalls schon heute ein weltweit konzertiertes Vorgehen. Wir wissen genug, um zu handeln.

Wie aber sieht die Antwort der G7-Staaten auf diese Herausforderung aus?
Deutschland hat sich entschieden, gemeinsam mit den G7-Partnern einen Aktionsplan gegen Meeresvermüllung auf den Weg bringen. Grundlage dafür sind einzelne, bereits existierende regionale Aktionspläne, zum Beispiel der OSPAR-Aktionsplan für den Nordostatlantik oder der Regionale Aktionsplan gegen Meeresvermüllung des Mittelmeers im Rahmen des Barcelona-Übereinkommens.

Das Ergebnis unserer bisherigen Bemühungen, insbesondere mit Blick auf den geplanten Aktionsplan gegen Meeresvermüllung, wird im Rahmen des G7-Gipfels auf Schluss Elmau am übernächsten Wochenende finalisiert werden. Ich kann und möchte dem Gipfel nicht vorgreifen. Lassen wir uns also gemeinsam überraschen, worauf sich die Regierungschefs der sieben größten Industrienationen einvernehmlich einlassen werden. Schon heute steht aber fest, dass dieses Thema für uns damit nicht "erledigt" ist. Auch hier gilt: das ist der Aufschlag, wir bleiben am Ball. Ich kann mich auch hier auf eine Ankündigung der Kanzlerin beziehen, die diesbezüglich formulierte: "Unser Ziel ist es, auch über die G7 hinaus Impulse zu setzen, die insbesondere von Schwellenländern aufgegriffen werden könnten. Denn es ist ja völlig klar, einer globalen Herausforderung wie dem Meeresumweltschutz kann letztlich nur die internationale Staatengemeinschaft gemeinsam wirksam begegnen."

Neben der Meeresvermüllung drängt in diesen Tagen jedoch auch ein anderes Thema auf die Agenda: Wir sehen uns wachsendem Interesse am Tiefseebodenbergbau gegenüber; Tiefseebergbau ist für Deutschland und seine G7-Partner daher eine bedeutende Komponente der Nutzung der Weltmeere.

Unsere Kenntnisse im Hinblick auf negative Auswirkungen auf die Ökosysteme der Tiefsee, zum Beispiel durch Trübungsfahnen, das "Umgraben" des Meeresbodens mit der Folge der Zerstörung von Habitaten und Organismen auf und im Meeresboden, die "Vertreibung" /Vergrämung von in der Tiefsee lebenden Organismen und Lebewesen sind bisher unzureichend. Hinzu kommt die Ungewissheit darüber, ob eine vollständige Regeneration des betroffenen Meeresbodens überhaupt möglich ist und - falls ja - wie lange eine solche Regeneration in Anspruch nehmen würde.
Aus Sicht des Meeresschutzes legen wir, insbesondere mit Blick auf die beschriebenen Kenntnisdefizite bezüglich der noch weitgehend unerforschten Tiefsee, dem Vorsorgeprinzip folgend, größten Wert auf eine nachhaltige Gewinnung der Ressourcen.
Deutschland setzt sich daher gemeinsam mit seinen G7-Partnern für hohe internationale Standards ein – für einen umweltverträglichen, nachhaltigen und auch entwicklungspolitisch gerechten Tiefseebergbau mit klaren Rahmenbedingungen. Wir streben als gemeinsame Position an, dass die sog. Mining Codes, deren Erarbeitung gerade bei der Internationalen Meeresbodenbehörde begonnen wird, höchst mögliche Umweltschutzanforderungen enthalten.
Und wieder kann ich hier anwesende Akteure persönlich ansprechen: das Umweltbundesamt wird im Auftrag des BMUB seine Expertise aktiv in den Gestaltungsprozess des Mining Codes einbringen, um bestmöglichen Schutz für die Meeresökosysteme, insbesondere die Tiefsee, zu erreichen. Wir stehen dazu im engen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen des Bundeswirtschaftsministeriums.

Auch das Thema Areas beyond national Jurisdiction spielt im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft unter der Überschrift "Meeresschutz" eine bedeutende Rolle.
Die Umsetzung von Maßnahmen zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung von Biodiversität in artenreichen Meeres-, Küsten- und Inselökosystemen gewinnt international immer mehr an Bedeutung. Der Strategische Plan 2011 bis 2020 des Übereinkommens über die biologische Vielfalt (CBD) formuliert unter anderem das Ziel, bis 2020 zehn Prozent der Meeres- und Küstengebiete unter Schutz zu stellen, diese Gebiete effektiv und gerecht zu bewirtschaften und in die umgebende Landschaft zu integrieren (11. Aichi-Ziel). Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) des Bundesumweltministeriums (BMUB) fördert seit 2008 Klima- und Biodiversitätsschutzprojekte und unterstützt Partnerländer u.a. dabei bis 2020 mindestens zehn Prozent der weltweiten Meeres- und Küstenökosysteme effektiv zu schützen.
Eine wichtige Grundlage der IKI-Förderung im Bereich des Meeres- und Küstenschutzes ist das CBD-Arbeitsprogramm zum Thema biologische Vielfalt von Meeres- und Küstengebieten. Im Rahmen dieses Arbeitsprogramms erlangte unter anderem die Identifizierung und Beschreibung von Gebieten mit hoher ökologischer oder biologischer Bedeutung (Ecologically or Biologically Significant Areas, EBSAs) internationale Aufmerksamkeit. Dieser erfolgreiche Prozess führte bislang zur Anerkennung und Aufnahme von über 150 EBSAs in ein bei der CBD geführtes Depositar. Die EBSA-Datenbank wird der Generalversammlung der Vereinten Nationen sowie UN-Organisationen und regionalen Organisationen zur Verfügung gestellt. Mindestens sieben regionale Workshops hatten in den letzten Jahren auf Expertenebene stattgefunden und wertvolle Meeresgebiete in küstennahen Gewässern wie auch auf Hoher See identifiziert.
Das BMUB unterstützt diesen Prozess maßgeblich und förderte das CBD-Sekretariat bei der Einrichtung der EBSA-Datenbank und bei der Erstellung von Trainingsmaterial für die Vertragsstaaten. Mit der "Global Oceans Biodiversity Initiative (GOBI)" finanzieren das BMUB und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) ein internationales Netzwerk wissenschaftlicher Institutionen, die ihr Wissen zur biologischen Vielfalt der Weltmeere zusammenbringen und dem CBD-Sekretariat und weiteren internationalen Prozessen zur Verfügung stellen.
Mit Mitteln der Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) unterstützt das BMUB Partnerländer auch direkt bei der Einrichtung repräsentativer nationaler Netzwerke von Meeres- und Küstenschutzgebieten. Bis einschließlich 2014 finanzierte das BMUB über die IKI mit über 100 Millionen Euro 26 Projekte zum Schutz und der nachhaltigen Nutzung von Ökosystemen in Küsten- und Meeresgebieten. Zehn weitere Projekte in Höhe von knapp 40 Millionen Euro befinden sich in der Phase der Antrags- und Bewilligungsprüfung. Das zeigt, dass das Thema an Bedeutung gewinnt und das Umweltministerium hier verstärkt Impulse setzen und internationale Lösungen vorantreiben will.
Und nun, sehr verehrte Damen und Herren, schließt sich der Kreis zur G7-Thematik:
Wir versprechen uns durch diese Aktivitäten auch positive Impulse für die mögliche Einrichtung eines Durchführungsübereinkommens unter dem UN-Seerechtsübereinkommen (UNCLOS). Im Januar 2015 hat ja die zuständige UN Arbeitsgruppe eine entsprechende Empfehlung an die Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet, einen Beschluss zur Ausarbeitung eines rechtsverbindlichen globalen Vertrages unter dem VN-Seerechtsübereinkommen (SRÜ) zum Schutz und zur nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt auf Hoher See zu fassen. Das werten wir als einen wichtigen Schritt für den globalen Meeresschutz.
Auch im Rahmen unserer G7 Präsidentschaft haben wir uns für die zügige Umsetzung dieser Empfehlung und den Beginn konkreter Verhandlungen in 2016 eingesetzt.

Ein Aspekt darf, glaube ich, bei einer Zusammenstellung der aktuellen Top zehn des Meeresschutzes nicht fehlen, das ist der Rio+20 Follow up-Prozess.
Die Rio+20-Abschlussdeklaration "Die Zukunft, die wir wollen" widmet dem Thema "Ozeane und Meere", 20 von insgesamt 283 Paragraphen. Allein dieser Umstand sendet das klare Signal, dass die Weltmeere zukünftig eine noch bedeutendere Rolle spielen werden als bisher wahr- und angenommen.
Eine der wesentlichsten Komponenten stellen die "Sustainable Development Goals", kurz SDGs, dar.
Die neuen Ziele für eine nachhaltige Entwicklung, die derzeit im UN-Rahmen unter dem Begriff der "Post-2015-Agenda" diskutiert werden, sind wichtige Wegmarken für die Transformation zu einer wahrhaft nachhaltigen Entwicklung. Sie sollen im September beim UN-Gipfel der Staats- und Regierungschefs verabschiedet werden und hernach für alle Staaten gelten, gleich ob Industrie-, Schwellen- oder Entwicklungsland.

Es ist in den bisherigen Verhandlungen gelungen, einen sehr anspruchsvollen Zielkatalog durchzusetzen. Aus deutscher Sicht ist der Zielkatalog ein sehr gutes Ergebnis und ich würde mich freuen, wenn so das Ergebnis aussehen würde.

Auch im Bereich Meeresschutz enthält der Zielkatalog ambitionierte Vorgaben: Bis 2025 soll die Meeresvermüllung vermindert werden. Bis 2020 sollen Meeresökosysteme geschützt werden. Die Meeresversauerung soll minimiert werden, die Überfischung bis 2020 beendet werden und Meeresschutzgebiete sollen ausgeweitet werden. Wenn wir diese Ziele verabschieden und dann auch tatsächlich umsetzen, wäre im Bereich Meeresschutz ein großer Schritt getan. Hierfür setzt sich die Bundesregierung in den Verhandlungen in New York gemeinsam mit vielen befreundeten Regierungen weltweit ein. Es wird Sie nicht verwundern, dass sich gerade Inselstaaten, gleich ob groß oder klein, mit uns für ambitionierte Nachhaltigkeitsziele für einen verbesserten Meeresumweltschutz stark machen.

Erlauben Sie mir bitte abschließend einen stichwortartigen Ausblick auf die Zukunft des Meeresschutzes:
Eine der bestimmenden Vokabeln wird gewiss "Blue Growth" sein. Meine Position dazu ist klar: Ja, wir müssen die Nutzung der Meere ermöglichen, da sie weltweit bereits heute in weiten Teilen zur Sicherung von Lebensgrundlagen dienen.
Jedoch: Zentral ist – auch und gerade für Wachstum – ein verbesserter Schutz der Meere.
Ich bin sicher, dass damit der Aufgabenkatalog der nächsten 25 Jahre, vielleicht sogar die Tagesordnungen der nächsten 25 Symposien fixiert sein dürften.

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

27.05.2015 | Rede Jochen Flasbarth | Hamburg