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Kurzinfo

Chemikaliensicherheit – Worum geht es?

Täglich kommen wir mit Chemikalien in Berührung. In unserem Alltag begegnen wir ihnen zum Beispiel in Wasch- und Reinigungsmitteln, Farben und Lacken, Kunststoffgegenständen, Bekleidung, Kinderspielzeug, Kosmetika, Arzneimitteln, Verpackungen und Lebensmitteln. Auch die Medizin kommt ohne chemische Produkte nicht aus. Sie erleichtern uns das Leben – aber sie bergen auch Gefahren für die Gesundheit des Menschen und die Umwelt. Über die Atemluft, die Nahrung, die Haut oder medizinische Eingriffe gelangen sie in unseren Körper. Besonders gefährlich sind Stoffe, die sich im menschlichen Körper, in Tieren und Pflanzen anreichern und sich über die Luft, Wasser oder die Nahrungskette verbreiten. In Abhängigkeit von ihren Eigenschaften und der Menge, der wir ausgesetzt sind, können sie auch gesundheitsschädlich sein. So besteht die Vermutung, dass sie zum stetigen Anstieg bestimmter chronischer Krankheiten, wie Allergien, Demenz oder Unfruchtbarkeit, beitragen können. In ihrer schlimmsten Form, als POP (Persistent Organic Pollutants), stellen sie ein globales Problem dar, das nur international gelöst werden kann. Aber nicht nur dann, wenn Chemikalien, so wie POP, über die ganze Erde verbreitet werden, sondern wenn sie "nur lokal" oder "regional" Schaden anrichten, stellen sie ein potentielles Problem dar. Um uns vor solchen Gefahren schützen zu können, müssen wir Chemikalien erkennen und wissen, wie sie wirken. Wo Information über Chemikalien keinen ausreichenden Schutz bietet, gilt es, die Gefahr anderweitig zu begrenzen: durch Beschränkungen, Verbote und Zulassungsvorschriften. In diesen Kontext fallen auch Nanomaterialien. Diese bieten vielfältige Möglichkeiten, bergen aber auch möglicherweise Risiken und stellen wegen ihrer Neuartigkeit und den vorhandenen Wissenslücken eine besondere Herausforderung für die Chemikaliensicherheit dar.

Zahlreiche Umweltprobleme lassen sich nicht mehr nur auf nationaler oder EU-Ebene lösen, sondern erfordern globale Handlungsansätze. Die Weltwirtschaft ist heute und zukünftig in zunehmendem Maße auf einen globalen, freien Handel ausgerichtet. Um eine Problemverlagerung zu vermeiden, versucht man mit internationalen, völkerrechtlich verbindlichen Übereinkommen einen Rahmen für einheitliche, weltweit geltende Standards zu entwickeln. Sie sollen Rechtsprinzipien zum Schutz der Umwelt und der Gesundheit international verankern.

Ziele

Die Chemikaliensicherheit muss weltweit verbessert werden. Besondere Bedeutung haben hierbei der Strategische Ansatz für ein Internationales Chemikalienmanagement SAICM sowie die Konventionen von Rotterdam (PIC-Übereinkommen), Stockholm (POPs-Übereinkommen) und Minamata (Hg-Übereinkommen).

  • Bis zum Jahre 2020 sollen weltweit negative Wirkungen von Chemikalien auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt auf das geringste mögliche Maß gemindert werden. Bereits vorhandene und teilweise konkurrierende Aktivitäten zur Chemikaliensicherheit sollen weltweit gebündelt werden.
  • Der Schutz von Verbraucherinnen und Verbrauchern vor krebserzeugenden polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) soll europaweit erhöht werden.

Das Rotterdamer Übereinkommen ist das erste internationale Vertragswerk zur Chemikaliensicherheit, bei dem es beim Handel mit gefährlichen Chemikalien sowie Pflanzenschutz- und Schädlingsbekämpfungsmitteln im Kern um ein qualifiziertes Informationssystem über bestehende Verwendungseinschränkungen oder -verbote geht. Ziel des Übereinkommens, das im Februar 2004 in Kraft trat, ist die weltweite Angleichung der Chemikaliensicherheit auf hohem Niveau.

Mit dem Stockholmer Übereinkommen, das im Mai 2004 in Kraft getreten ist, wurde ein Prozess in Gang gesetzt, der das weltweite Verbot der Herstellung und Verwendung von besonders gefährlichen Chemikalien, den so genannten POPs (Persistent Organic Pollutants; persistente organische Schadstoffe) zum Ziel hat. Die Konvention startete mit zwölf als besonders gefährlich bekannten Verbindungen, dem so genannten "dreckigen Dutzend" (dirty dozen). Dazu gehören einige Pflanzenschutzmittelwirkstoffe und Industriechemikalien sowie die hochgiftigen Dioxine und Furane, die als unerwünschte Nebenprodukte in Produktions- und Verbrennungsprozessen entstehen. In den Industrieländern sind diese Chemikalien bereits verboten oder weitestgehend reguliert. Der Erfolg des Übereinkommens wird von der Umsetzung der Vereinbarungen in allen Ländern abhängen, denn wegen ihrer als "grasshopper"-Effekt bezeichneten Eigenschaft breiten sich die POPs auch in emissionsferne Gebiete aus.

Die derzeit wesentlichste Weiterentwicklung des internationalen Chemikalienmanagements zielt mit einem strategischen Ansatz (SAICM, Strategic Approach to International Chemical Management) darauf, ein übergreifendes, globales System einer verbesserten Chemikaliensicherheit aufzubauen. Die zahlreichen Einzelinitiativen sollen zusammengeführt werden. Das Instrument ist zwar nicht rechtlich bindend, dennoch ist erkennbar, dass sich die Staatengemeinschaft bemühen wird, Wege zur weltweiten Umsetzung zu finden.

Politik der Bundesregierung

Das Bundesumweltministerium macht sich sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene dafür stark, die Chemikaliensicherheit zu verbessern und damit die menschliche Gesundheit sowie die Umwelt zu schützen. Dabei steht sie im konstruktiven Dialog mit der Industrie sowie Umweltverbänden und im Austausch mit den Vollzugsbehörden der Länder.

Maßnahmen gegen POPs

Ein Schwerpunkt der Arbeit des Bundesumweltministeriums im Bereich "Chemikalien" betrifft POPs (Persistent Organic Pollutants), langlebige, organische Schadstoffe, die hochgiftig, schwer abbaubar und damit höchst gefährlich sind. Zu diesen Stoffen gehören zum Beispiel DDT und Dioxin. Deutschland hat als einer der ersten Staaten die sogenannte POPs-Konvention, das Verbot dieser Stoffe, ratifiziert und in deutsches Recht umgesetzt.

Strengeres Zulassungsverfahren im Pflanzenschutz

Das Bundesumweltministerium hat sich erfolgreich für deutlich strengere Zulassungsanforderungen von Chemikalien im Pflanzenschutz eingesetzt und damit einen wichtigen Beitrag zu mehr Lebensmittelsicherheit geleistet: Mit einer neuen EG-Verordnung vom Oktober 2009 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln werden besonders bedenkliche Stoffe künftig in Pflanzenschutzmitteln verboten, und zwar ohne dass vorher in langwierigen Verfahren abgeschätzt werden muss, wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Schadenseintritts ist.

Deutsche Initiative für Verbraucherschutz vor krebserzeugenden Stoffen

Mit einer deutschen Initiative bei der Europäischen Kommission will die Bundesregierung auch die gesundheitliche Gefährdung von Verbraucherinnen und Verbrauchern durch krebserregende polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) europaweit bannen und die Umwelteinflüsse dieser Stoffe reduzieren. PAK sind beispielsweise in Spielzeug oder in Werkzeuggriffen enthalten. Die Bundesregierung setzt sich für verbindliche EU-Grenzwerte und eine gemeinsame europäische Strategie zur Verminderung der PAK-Belastung von Verbraucherprodukten ein.

Förderung weltweiter Chemikaliensicherheit

Um weltweit Chemikaliensicherheit herzustellen, ist es notwendig, diejenigen Staaten mit finanziellen Mitteln und technischer Hilfe zu unterstützen, deren Stand der Technik dem der Industriestaaten nicht entspricht und in denen teilweise tonnenweise gefährliche Chemikalien in alten Fässern vor sich hin rotten oder giftige Stoffe ungefiltert in die Luft gelangen.

Human-Biomonitoring: Welche Chemikalien nimmt unser Körper auf?

Nicht alle Chemikalien, die in die Umwelt gelangen, werden vom menschlichen Organismus aufgenommen. Und längst nicht alle Chemikalien, die in unseren Körper gelangen, stellen eine Belastung dar oder verursachen gesundheitliche Probleme. Mit dem Human-Biomonitoring wird festgestellt, ob und in welchen Dosen bestimmte Chemikalien vom Körper aufgenommen werden, und bewertet, ob die aufgenommenen Menge aus gesundheitlicher Sicht problematisch ist. Für viele Stoffe fehlt es aber bisher an einer geeigneten Untersuchungsmethodik. Ein gemeinsames Projekt mit dem Verband der chemischen Industrie soll hier zu Verbesserungen führen.

Europäische Chemikalienpolitik

Mittlerweile wird die Zahl der weltweit verwendeten Chemikalien auf über 100.000 geschätzt. Davon sind viele bisher gar nicht auf ihre Gefährlichkeit untersucht worden. Dadurch war ein verantwortungsvoller Umgang mit Chemikalien nicht gewährleistet. Eine Neuordnung der Chemikalienpolitik innerhalb der Europäischen Union besteht seit dem 1. Juni 2007 durch die REACH-Verordnung. REACH steht für Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe. Diese Verordnung gilt für neue Stoffe und so genannte Altstoffe, die bereits auf dem Markt sind.

REACH: Mehr Informationen – mehr Sicherheit

Mit der Chemikalienverordnung REACH vom 1. Juni 2007 wurde in der Europäischen Union das Chemikalienrecht grundlegend neu und einheitlich geordnet. REACH steht für Registrieren, Evaluieren, Autorisieren und Beschränken von Chemikalien. Im Kern geht es bei REACH darum, bestehende Wissenslücken zu schließen und so einen verantwortlichen Umgang mit Chemikalien zu ermöglichen. Die Industrie übernimmt mit REACH die Verantwortung für die sichere Verwendung ihrer Stoffe entlang der Lieferkette, sie muss nachweisen, dass ihre Stoffe sicher sind. Für besonders gefährliche Stoffe wurde ein Zulassungsverfahren eingeführt.

Globally Harmonised System

Ein einheitliches System zum Einstufen, Kennzeichnen und Verpacken von Chemikalien wurde in der Europäischen Union mit der GHS-Verordnung vom 20. Januar 2009 verwirklicht. Bereits 1992 war auf dem Weltgipfel von Rio de Janeiro ein weltweit einheitliches Kennzeichnungssystem und Einstufungssystem für Chemikalien beschlossen worden: Was giftig oder umweltgefährlich ist, soll überall das gleiche Gefahrensymbol tragen.

Verbraucherinformation

Grundsätzlich gilt: Chemikalien sind nützlich. Aber in vielen Fällen kann man auf ihren Einsatz verzichten. Wer etwa seine Dusche nach dem Gebrauch regelmäßig trocknet, braucht keine Chemieprodukte, um Kalk oder Schimmel zu beseitigen. Bevor man mit Chemikalien arbeitet, sollte man in jedem Fall die auf den Produkten angegebenen Gefahrenhinweise und Sicherheitsratschläge beachten. Je nach Chemikalie sollte man Haut und Augen schützen und im Freien oder einem gut belüfteten Raum arbeiten. Gesundheitsgefährdende Stoffe können auch aus Tapeten, Möbeln, Fernsehern oder Computern ausdünsten. Deshalb ist regelmäßiges Lüften wichtig. Wer beim Einkauf auf Produkte mit dem EU-Umweltzeichen "EU-Blume" oder dem "Blauen Engel" achtet, schützt die Umwelt. Und schließlich: Chemikalien müssen fachgerecht entsorgt werden, damit sie Wasser und Böden nicht nachhaltig schädigen. In den meisten Kommunen gibt es Schadstoffmobile, in denen Schadstoffe in Haushaltsmengen kostenlos abgegeben werden können.