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Der Weltklimarat IPCC

Der Weltklimarat IPCC (Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen) ist das wissenschaftliche Gremium, welches den aktuellen Stand zum Klimawandel zusammenträgt und dadurch den politischen Entscheidungsträgern eine klare Orientierung bei ihren Beschlüssen gibt. Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) richteten 1988 den IPCC ein. Seitdem hat der Weltklimarat bereits fünf sogenannte Sachstandsberichte (Assessment Reports) veröffentlicht, wie auch einige Sonderberichte. Diese beleuchten die neuesten Ergebnisse der Klimaforschung und zeigen die Risiken und Folgen des Klimawandels sowie Möglichkeiten zu dessen Minderung und Anpassungsstrategien auf. Eigene Forschungsarbeit leistet der IPCC dabei nicht. Eine Vielzahl an international renommierten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern erstellen in transparenter und sorgfältiger Art und Weise die Berichte auf Grundlage von bereits veröffentlichten wissenschaftlichen Publikationen aus verschiedenen Fachzeitschriften. Dabei nutzen sie soweit möglich wissenschaftlich begutachtete Fachzeitschriften. Veröffentlichungen, die nicht bereits von unabhängigen Gutachtern bestätigt wurden, zum Beispiel von Behörden oder internationalen Organisationen, müssen besonders sorgfältig geprüft werden. Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertreter der derzeit 195 Mitgliedsstaaten von UNEP oder WMO können die Entwürfe der IPCC-Berichte vor deren Veröffentlichung kommentieren und verhandeln die Formulierung der Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger (Summary for Policymakers). 

Nach der Fertigstellung des Fünften Sachstandsberichts in den Jahren 2013 und 2014 und der Wahl des neuen IPCC-Vorstands im Oktober 2015 wurde mit der Arbeit am Sechsten Sachstandsbericht begonnen, welcher in den Jahren 2021 und 2022 erscheinen soll. 

Darüber hinaus arbeitet der IPCC an drei Sonderberichten, die bis 2019 verabschiedet werden sollen. Die Themen der Sonderberichte umfassen den Landsektor, Ozeane/Kryosphäre und 1,5 Grad Celsius globale Erwärmung. Mit dem Bericht über 1,5 Grad Celsius globale Erwärmung soll die Konferenz der Vertragsparteien der UNFCCC im Jahr 2018 und die Diskussion um die nationalen Klimaschutzziele unterstützt werden.

Organisation des IPCC

Das IPCC ist das wissenschaftliche Gremium, welches den aktuellen Stand zum Klimawandel zusammenträgt und dadurch den politischen Entscheidungsträgern eine klare Orientierung bei ihren Beschlüssen gibt.
iStock.com/Focus_on_Nature

Insgesamt gibt es drei Arbeitsgruppen, die jeweils einen Teilbericht der Sachstandsberichte beisteuern. Die Arbeitsgruppe I befasst sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels. Arbeitsgruppe II zeigt die Verwundbarkeiten von sozioökonomischen und natürlichen Systemen gegenüber dem Klimawandel sowie dessen Folgen auf und beschreibt Wege, wie sich die Menschen an die globale Erwärmung anpassen können. Die dritte Arbeitsgruppe befasst sich mit Strategien zur Minderung des Klimawandels. Darüber hinaus können IPCC-Projektgruppen eingerichtet werden, die ausgewählte Themen – meist über einen begrenzten Zeitraum hinweg – bearbeiten. Beispielsweise befasst sich eine Projektgruppe mit Methoden zur Berechnung nationaler Treibhausgasemissionen für nationale Treibhausgasinventare. Die Arbeitsgruppen und die Projektgruppen arbeiten stets auf der Grundlage eines vom Plenum verabschiedeten Mandats.

Die Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertreter der Mitgliedstaaten treffen sich regelmäßig zu Plenarsitzungen. Bei diesen legt das Plenum die Themen für zukünftige Sachstandsberichte fest, verabschiedet die Zusammenfassungen für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger der jeweiligen Sachstandsberichte und berät über Verfahrensregeln zum Beispiel zur Berichterstellung. Darüber hinaus wählt das Plenum den IPCC-Vorstand. 

Zum neuen Vorsitzenden des IPCC wurde im Oktober 2015 der Südkoreaner Hoesung Lee gewählt. Der deutsche Biologe und Klimaforscher Hans-Otto Pörtner vom Alfred Wegener-Institut wurde zum Ko-Vorsitzenden der Arbeitsgruppe II gewählt. Die Amtszeiten umfassen den Zeitraum der Erstellung des Sechsten IPCC-Sachstandsberichts bis zum Jahr 2022. 

Der IPCC und seine Vorstände werden durch ein Sekretariat in Genf und die nationalen IPCC-Kontaktstellen – in Deutschland das Bundesumweltministerium – unterstützt. Als IPCC-Kontaktstelle erhält das Bundesumweltministerium wiederum Unterstützung von der deutschen IPCC-Koordinierungsstelle, die vom Bundesforschungsministerium und Bundesumweltministerium getragen wird. 

Die Sachstandsberichte

Die Arbeitsgruppe I befasst sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels.
pixabay.com

Allgemeines

Bisher liegen fünf Sachstandberichte vor. Sie wurden in Abständen von fünf bis sieben Jahren von den drei Arbeitsgruppen erstellt. Neben den Teilberichten der drei Arbeitsgruppen fasst der sogenannte Synthesebericht die Ergebnisse zusammen und ordnet sie übergreifend ein.

Der Fünfte Sachstandsbericht

In den Jahren 2013/2014 hat der IPCC seinen Fünften Sachstandsbericht (AR5) verabschiedet. Der Bericht stellt klar, dass der menschliche Einfluss auf das Klimasystem eindeutig ist und bekräftigt somit die Existenz des anthropogen verursachten Klimawandels. Des Weiteren beschreibt er die damit einhergehenden Risiken und Folgen sowie Strategien zur Anpassung an den Klimawandel und Möglichkeiten zu dessen Minderung.

Der erste Teilband des Fünften Sachstandsberichts zu den wissenschaftlichen Grundlagen des Klimawandels wurde bereits im September 2013 in Stockholm veröffentlicht. Die Bände II und III wurden im März 2014 in Yokohama sowie im April 2014 in Berlin verabschiedet. Die Sitzung in Berlin leitete unter anderem der deutsche Ökonom Prof. Dr. Ottmar Edenhofer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), der während des Zyklus der Erstellung des Fünften Sachstandsberichts einer der Ko-Vorsitzenden der Arbeitsgruppe III des IPCC war. Die Veröffentlichung des übergreifenden Syntheseberichts erfolgte im Oktober 2014 in Kopenhagen.

Verfahrensregeln zur Berichterstellung

Die Berichterstellung muss bestimmten Verfahrensregeln genügen. Zunächst beschließt das Plenum die Berichterstellung und legt die Themen fest, welche die Arbeitsgruppen bearbeiten sollen. In einem zweiten Schritt werden die Teams der Autorinnen und Autoren der einzelnen Arbeitsgruppen zusammengestellt. Dazu können die Regierungen der 195 Mitgliedsstaaten sowie etwa 100 akkreditierte Beobachterorganisationen Vorschläge für Autorinnen und Autoren unterbreiten. Die Vorstände der Arbeitsgruppen wählen aus den Nominierten die Autoren aus.

Diese Teams setzen sich aus einer Vielzahl von Expertinnen und Experten zusammen – von den Ko-Vorsitzenden der Arbeitsgruppen über koordinierende und gewöhnliche Leitautorinnen und Leitautoren sowie beitragende Autorinnen und Autoren bis hin zu den Begutachtenden der jeweiligen Kapitel. So waren an der Erstellung des fünften Sachstandsberichts etwa 830 Autorinnen und Autoren beteiligt, darunter 40 Fachleute deutscher Universitäten und Forschungseinrichtungen sowie aus der Privatwirtschaft. Bei der Zusammensetzung der Autorenteams wird nicht nur auf die jeweilige Expertise geachtet, sondern auch darauf, dass die Autorinnen und Autoren unterschiedliche Perspektiven mitbringen. 

Außerdem müssen innerhalb eines Teams verschiedene Weltregionen und beide Geschlechter vertreten sein. Auf diese Weise soll die Ausgewogenheit des Autorenteams gewährleistet sein. Bei der Berichterstellung greifen die Autoreninnen und Autoren hauptsächlich auf Artikel aus wissenschaftlich begutachteten (sogenannte peer-reviewed) Zeitschriften zurück. Das Team muss sich auf die Darstellung und wissenschaftliche Bewertung des Sachstands einigen. Konträre Ansichten, Wissenslücken und Unsicherheiten werden im Bericht klar dargestellt. Die vorläufigen Entwürfe der Arbeitsgruppen werden von Expertinnen und Experten sowie Regierungsvertreterinnen und Regierungsvertretern mehrfach begutachtet und kontinuierlich verbessert. 

Die Zusammenfassung für politische Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger der einzelnen Teilberichte werden außerdem Zeile für Zeile von den Regierungen verabschiedet. Damit erkennen die Regierungen die wissenschaftlichen Aussagen des Sachstandsberichts an. Anschließend kann der Bericht dann veröffentlicht und vorgestellt werden.