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Bonner Konvention

Walhai im Meer

Schutz wandernder Arten

Zahlreiche Tierarten legen jährlich lange Wanderungen zurück: Einige Vogelarten, wie Seeschwalben und Störche, sogar tausende von Kilometern. Sie wandern regelmäßig von ihrem Überwinterungsgebiet zu den Sommerlebensräumen, von Fortpflanzungsgebieten zu Nahrungs- oder Ruhelebensräumen, von austrocknenden Gebieten in feuchtere Zonen. Hierbei überqueren sie auch Staatsgrenzen – oft sogar zahlreiche Grenzen.

In einigen Staaten – so in Ägypten, Zypern, Malta, Frankreich – werden sie zum Teil heftig, unkontrolliert und unselektiert bejagt oder gewildert (so zahlreiche Sing- oder Wasservogelarten während ihres Zuges). In anderen Staaten verenden Störche, Geier oder andere Vögel mit großer Flügelspannbreite an Stromleitungen (so vor allem noch in Afrika, aber auch in einigen Staaten Europas). Bisweilen sind ihre für den Zug wichtigen Trittsteinhabitate gefährdet – so werden für Vögel wichtige Feuchtgebiete trockengelegt, Dächer zugemauert und abisoliert, ohne dass Fledermäuse dort noch die gewohnte Zuflucht finden können. Zudem werden lange Zäune oder breite Straßen errichtet, die Jahrhunderte alte Wanderwege von Elefanten oder Antilopen unterbrechen.

Aber es gibt auch zunehmend mehr Staaten, die wie auch Deutschland und seine Bundesländer sich für ihren Schutz einsetzen und diesen zum Teil auch mit hohem Einsatz engagiert voranbringen.

Entstehung und Gegenstand der Bonner Konvention

Die Bonner Konvention (Convention on Migratory Species; CMS) ist ein Übereinkommen zum Schutz dieser wandernden Tierarten. Das Übereinkommen wurde auf Initiative Deutschlands ins Leben gerufen und seine Schlussakte 1979 in Bonn unterzeichnet. Es trat 1983 in Kraft und seither haben es bis Mai 2013 119 Länder unterzeichnet, inklusive der EU. Das Sekretariat des Übereinkommens hat seinen Sitz in Bonn.

Von der Bonner Konventionen werden wandernde Tierarten erfasst, von denen ein bedeutender Anteil zyklisch oder vorhersehbar eine oder mehrere nationale Zuständigkeitsgrenzen überquert. Der größte Anteil der wandernden Arten sind die Zugvögel. Daneben fallen aber noch Wale und Delfine, Meeresschildkröten, Landsäuger, wie auch verschiedene Fischarten (zum Beispiel Haie), aber auch einzelne Schmetterlinge unter das Übereinkommen.

Das Abkommen enthält zwei Anhänge:
Anhang 1 beinhaltet die gefährdeten, sowie die vom Aussterben bedrohten Tierarten.
In Anhang 2 sind die Arten erfasst, die sich in einer ungünstigen Erhaltungssituation befinden und für die eine internationale Zusammenarbeit erforderlich ist, oder nützlich wäre.

Abkommen der CMS

Bisher wurden unter CMS sieben "völkerrechtlich verbindliche Abkommen" und 19 völkerrechtlich nicht bindende Abkommen, so genannte "MoUs" (Memoranda of Understanding) abgeschlossen. Deutschland betreffen unmittelbar die folgenden vier Regionalabkommen, die alle über die CMS-Webseite einsehbar sind:

  • ASCOBANS, zum Schutz von Kleinwalen
  • AEWA, zum Schutz von wandernden Watt- und Wasservögel
  • EUROBATS, zum Erhalt der europäischen Fledermauspopulationen
  • "Seehundabkommen", zum Schutz der Seehunde im Wattenmeer

sowie die die folgenden vier Absichtserklärungen (MoUs):

Aktuelle Schwerpunkte

Die letzte Vertragsstaatenkonferenz fand vom 20. bis zum 25. November 2011 in Bergen (Norwegen) statt. Dort wurden insgesamt 27 Resolutionen verabschiedet. Unter anderem auch die von Deutschland initiierte Resolution zum Unterwasserlärm, welche besseren Schutz für lärmempfindliche Wale und Delfine mit sich brachte. Die weiteren Resolutionen, die auch von Deutschland mit unterstützt wurden, sowie weitere Information auf der Webseite der Konferenz.

Bedeutende Projekte zum Schutz wandernder Tierarten werden jedes Jahr national und international von Deutschland gefördert, um den Schutz dieser Arten voranzubringen – hier seien exemplarisch für 2013 drei Schwerpunkte benannt:

  • 2013 stand für Deutschland der Schutz wandernder Arten der Steppen Innerasiens als ein besonderer Schwerpunkt an – denn Deutschland hat mit Kasachstan und der Mongolei Rohstoffabkommen geschlossen und Weitere sind vorgesehen. Es liegt daher so auch mit in deutscher Verantwortung, Negativ-Auswirkungen dieser Abkommen – wie die Zerschneidung von Wanderkorridoren durch Straßen und Schienenwege mit eventuell großräumigen Geländeabzäunungen – auf wandernde Arten wie Saigas, Kulan-(Halb-)Esel, Kropfgazellen oder Wildkamele zu verhindern oder zumindest zu mindern.
  • Eine Bearbeitung der Hintergründe für den Rückgang von Meeresenten im Baltikum wurde mit deutscher Unterstützung eingeleitet. 2014 soll die Spießente (Anas acuta) ein besonderer Schwerpunkt werden.
  • In einem Mitte 2013 beginnenden Forschungsprojekt werden aktuelle Informationen zu Bestand, Gefährdung und Schutz wandernder Hai- und Rochenarten in der deutschen Nord- und Ostsee zusammengetragen.

Die nächste CMS-Vertragsstaatenkonferenz findet Anfang November 2014 in Ecuador statt.