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Die Rückkehr des Wolfes nach Deutschland

Es war eine Sensation, als 1996 in der Lausitz ein in freier Wildbahn lebender Wolf gesichtet wurde. Zwar hatte es bereits in der DDR einige Sichtungen durchwandernder Wölfe und sogar Abschüsse gegeben, da diese Tierart zur damaligen Zeit dort nicht geschützt war, faktisch jedoch galt der Wolf seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Deutschland nach jahrhundertelanger Verfolgung als ausgerottet. Seit Anfang des 21. Jahrhunderts hat die Wiederausbreitung des Wolfes zunehmend an Dynamik gewonnen, nachdem im Jahr 2000 das erste reproduzierende Wolfsrudel in der Lausitz nachgewiesen werden konnte. Vor dem Hintergrund des weltweiten wie auch des deutschlandweiten Verlustes an Artenvielfalt ist dies eine positive Entwicklung. Mittlerweile umfasst mit Stand Juli 2014 die Wolfspopulation mit ansteigender Tendenz mindestens 34 nachgewiesene Rudel bzw. Paare sowie vier territoriale Wölfe in den ost- und norddeutschen Bundesländern mit einem Konzentrationsschwerpunkt in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg. Ihrem angeborenen Verhalten folgend, breiten sich die Jungwölfe gegenwärtig in weitere Bundesländer aus, wo es nunmehr neben Sachsen auch in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Schleswig Holstein gesicherte Nachweise für Wolfsrudel oder territoriale Einzelwölfe gibt. Die Rückkehr der Gattung Wolf in ihre ehemals angestammten Lebensräume zeigt, dass sich die Rahmenbedingungen für diese und weitere Arten wie Luchs und Bär positiv entwickelt haben und die Artenschutzbemühungen, insbesondere der strenge Schutz, auf nationaler und internationaler Ebene erste Erfolge zeigen.

Schutzstatus des Wolfes

Das Bundesumweltministerium fördert die natürliche Rückkehr und Wiederausbreitung des Wolfes in Deutschland. Diese Absicht ist allerdings nicht völlig freiwillig, sie hat auch einen internationalen, rechtlichen Hintergrund, zu dessen Umsetzung Deutschland verpflichtet ist. Heute unterliegt der Wolf einer Reihe von Rechtsvorschriften auf internationaler, europäischer und nationaler Ebene. So schützt ihn die Berner Konvention mit der Listung in Anhang II als streng zu schützende Tierart. Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (unter anderem Anhang IVa) stellt ihn europaweit unter strengen Schutz. Diese Rechtsvorschriften sind national im Bundesnaturschutzgesetz umgesetzt. Die EU erwartet von den Mitgliedstaaten, dass sie den Erhaltungszustand für diese und andere gefährdete Arten verbessert. Dies ist ein zentrales Ziel der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie.

Trotz des hohen Schutzstatus' ist der Wolf in Deutschland weiterhin gefährdet. Die größte Gefahr für das Leben der Wölfe ist der Straßenverkehr und seine illegale Verfolgung.

Beim Wolf ist daher eine Zusammenarbeit mit Polen – für die Zentraleuropäische Flachlandpopulation (zu der die deutsche Population in der Lausitz gehört) - erforderlich. Deutschland und Polen verfolgen das Ziel eines grenzüberschreitenden Monitorings.

Für die Großraubtiere im Alpenraum wurde unter dem Übereinkommen zum Schutz der Alpen von 1991 im Jahre 2009 eine Plattform (Große Beutegreifer und wilde Huftiere) eingerichtet, in der die Arbeiten für Bär, Wolf und Luchs mit den Alpenanrainerstaaten koordiniert werden.

Zur Förderung der Akzeptanz des Wolfes durch die Bevölkerung und insbesondere durch die betroffenen gesellschaftlichen Gruppen der Jäger und Weidetierhalter ist die Erstellung und Umsetzung von Managementplänen in den Ländern von herausragender Bedeutung. Dies ist für eine Reihe von Bundesländern wie zum Beispiel Sachsen, Brandenburg, Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein bereits geschehen.

Durch das Bundesumweltministerium wurde weiterhin einiges zur fachlichen Unterstützung der Managementbemühungen der Länder getan, hauptsächlich durch ein F+E-Vorhaben des Bundesamtes für Naturschutz "Grundlagen für Managementkonzepte für die Rückkehr von Großraubtieren – Rahmenplan Wolf". Ein Teilvorhaben befasste sich mit der Entwicklung von Standards für ein bundesweites Monitoring. Auch für den Wolf wurde in Anlehnung an die für den Luchs entwickelten sog. SCALP-Kriterien (Status and Conservation of the Alpine Lynx Population) folgende Kategorien für einen Wolfsnachweis vorgeschlagen: C1: eindeutiger Nachweis; C2: bestätigter Hinweis [=von erfahrener Person überprüfter Hinweis, wie Spur, Kot, Riss oder Haare]; C 3: unbestätigter Hinweis. Diese Nachweiskriterien wurden durch einen Beschluss der 100. Sitzung der LANA am 1./2. Oktober 2009 bestätigt. Ferner wurden in oben genannten F+E-Vorhaben Qualifizierungsnachweise für sogenannte "erfahrene Personen" zum Nachweis von Großraubtieren festgelegt und ein Referenzlabor zur Durchführung genetischen Untersuchungen bei Wolf, Bär und Luchs bestimmt.

Ein zentraler Punkt zur Stützung der Akzeptanz des zurückkehrenden Wolfes ist die Prävention von Schäden, die durch Wölfe an Weidetieren verursacht werden, und – soweit dennoch Schadensfälle auftreten – die Kompensation.

Die vom Wolf betroffenen Länder tun das ihre, um die Tierhalter im Umgang mit dem Wolf zu beraten, bei Investitionen für Schutzeinrichtungen wie Zäune und andere Abwehrmaßnahmen behilflich zu sein und Schäden durch Wolfsrisse zu ersetzen. In den Ländern, die der Wolf wohl bald erreichen wird, sind entsprechende Systeme in der Entwicklung.

Statement zu Wolf und Herdenschutz

Nutztierhaltung, insbesondere Wanderschäferei, muss aus Naturschutzgründen auch weiterhin möglich sein. Deswegen muss ein ausreichender Herdenschutz konsequent und flächendeckend etabliert werden. Dazu gibt es vielfältige Unterstützung der Nutztierhalter durch die Bundesländer. BMUB wünscht sich auch eine Unterstützung und Mitarbeit der Landwirtschaftsverwaltungen beim Herdenschutz.

Der Bund stellt die durch Wölfe verursachten Schäden transparent dar. Die mit Mitteln des BMUB eingerichtete Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes für den Wolf trägt die Informationen zu durch Wölfe verursachte Schäden zusammen und veröffentlicht diese. 

Aus dieser Statistik geht nicht hervor, wie viele der getöteten Nutztiere ohne jeglichen Schutz gegen Wolfsübergriffe waren. Die meisten Übergriffe von Wölfen auf Nutztiere gibt es vor allem dort, wo Wölfe sich in neuen Territorien etablieren und die Schaf- und Ziegenhalter sich noch nicht auf deren Anwesenheit eingestellt haben. Meist gehen die Schäden in diesen Gebieten nach ein, zwei Jahren zurück, wenn die Tierhalter gelernt haben, mit der Anwesenheit von Wölfen umzugehen. 

Die Entwicklungen in Sachsen zeigen, dass eine Nutztierhaltung auch in Wolfsgebieten mit vertretbarem Mehraufwand für die Halter möglich ist. 

Die durch Wölfe entstehenden Schäden bleiben weit unter den Verlusten, die Nutztierhalter durch andere Einflüsse (Unfälle) oder natürliche Gegebenheiten (Krankheiten) verlieren.

Der Wolf ist eine nach europäischem Recht streng geschützte Tierart, dessen Erhaltungssituation gefährdet ist. Forderungen nach Obergrenzen oder wolfsfreien Gebieten sind mit dem Gefährdungsstatus nicht vereinbar. Es hilft auch nicht, den Wolfsbestand auszudünnen oder zu regulieren. Selbst bei Anwesenheit von wenigen Wölfen können Schäden nicht ausgeschlossen werden. Es müssen trotzdem weiterhin Schutzeinrichtungen beibehalten und gegebenenfalls ausgebaut werden

Es ist nicht lauter, das Sicherheitsgefühl der Menschen auf dem Land mit den durch unterlassenen Herdenschutz entstehenden Schäden in Verbindung zu bringen. Von gesunden Wölfen geht in der Regel keine Gefahr aus, sie reagieren auf Menschen mit Vorsicht und nicht aggressiv. Die durch Rotkäppchen geschürten Ängste entsprechen nicht der Wirklichkeit in Deutschland und Europa. Es gibt nur wenige Fälle, in denen sich Wölfe Menschen unter 30 Metern genähert haben. Die vom Bund eingerichtete DBBW unterstützt in diesen Fällen die Länderbehörden. 

Zum Stichtag 3. November 2016 lag der Schafbestand bei rund 1,6 Millionen Tieren. Damit blieb der Bestand seit der letzten Erhebung im November 2015 nahezu unverändert. Die Zahl der erfassten Betriebe mit mindestens 20 Schafen ging jedoch erneut zurück und zwar um 2,9 Prozent auf gut 9600 Betriebe. Im Durchschnitt wurden in Deutschland rund 163 Schafe je Betrieb gehalten.