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Natur des Jahres

Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie der Lebensräume wird stetig kleiner. Das hat eine Reihe von Gründen. Dementsprechend müssen viele, unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden, diesen Rückgang zu bremsen und die Vielfalt zu bewahren. Um auf bedrohte Natur aufmerksam zu machen und angestrebte Gegenmaßnahmen zu veranschaulichen, werden alljährlich Landschaften, Pflanzen und Tiere des Jahres gekürt, welche stellvertretend auf einen bestimmten Missstand verweisen.

Flusslandschaft des Jahres – die Trave

Flusslandschaft des Jahres 2017: Trave
Reinhard Kraasch, RK 0609 08026 Trave bei Lokfeld, zugeschnitten von BMUB, CC BY-SA 2.5

Die Trave entspringt im ostholsteinischen Gießelrade und durchläuft Schleswig-Holstein 124 Kilometer lang bevor sie schließlich in die Ostsee mündet. Dabei streift sie die Stadt Bad Segeberg und fließt durch Bad Oldesloe. Zusammen mit den vielen Nebenflüssen und Bächen umfasst das Einzugsgebiet des Flusses eine Fläche von 2676 Quadratkilometer. Aus einem schmalen Wiesenbächlein wird so ein größerer Strom. Die Trave hat Geschichte und durchfließt alte Pfade. Denn über weite Strecken nutzt sie die uralten Schmelzwasserstraßen, die mit der letzten Eiszeit entstanden. Die "Flusslandschaft des Jahres" ist eine gemeinsame Initiative der Naturfreunde Deutschlands (NFD) und des Deutschen Angelfischerverbandes (DAFV), mit der die Bevölkerung für die natürlichen und kulturellen Schönheiten ausgewählter Fließgewässer sensibilisiert und gleichzeitig über die Bedrohung der jeweiligen Flüsse und ihrer Ökosysteme aufgeklärt werden soll.

Baum des Jahres – die Fichte

Wipfel einer Fichte mit Zapfen
pixabay.com

Ursprünglich war Deutschland überwiegend von Rotbuchenwäldern bedeckt. Seit langem hat jedoch die Fichte (Picea abies) die Rotbuche als häufigste Baumart abgelöst. Der schnell wachsende Nadelbaum wurde aus wirtschaftlichen Erwägungen großflächig angepflanzt und gilt als Brotbaum der Forstwirtschaft. Damit ist die Fichte Sinnbild für den Wandel vom natürlichen zum Wirtschaftswald. In Folge des Klimawandels wird die Fichte ihre aktuelle Bedeutung für die deutsche Forstwirtschaft aber wohl wieder verlieren. Da die Fichte ursprünglich aus den kalten Vegetationszonen des Nordens kommt, verträgt sie die immer höheren Temperaturen und längeren Trockenperioden nicht. In Zukunft könnte das Klima selbst in ihrem ursprünglichen Areal in höheren Lagen und weiter im Norden nicht mehr geeignet sein.

In diesem Jahr hat die Dr. Silvius Wodarz Stiftung die Fichte zum Baum des Jahres ernannt.

Blume des Jahres – der Klatschmohn

Mohn und andere Wildpflanzen
pixabay.com

Sobald die warme Jahreszeit beginnt, blitzen auf vielen Feldern die roten Blüten des Klatschmohns zwischen den Getreidepflanzen hervor.

Am besten gedeihen die schönen Ackerwildpflanzen an hellen und stickstoffreichen Standorten. Dennoch verschwindet der Klatschmohn durch den Einsatz von Spritzmitteln in der heutigen Landwirtschaft aus seinem ursprünglichen Lebensraum und überlebt vor allem auf Ausweichflächen. Um auf diese Tatsache aufmerksam zu machen, hat die "Loki-Schmidt-Stiftung" in diesem Jahr den Klatschmohn (Papaver rhoea) zur Blume des Jahres gewählt. Die Art steht dabei stellvertretend für eine Vielzahl an Wildpflanzen, die nicht mehr auf intensiv bewirtschafteten Feldern überleben können.

In der Folge sind auch zahlreiche Arten von Tieren, wie Bienen, Spinnen und Schmetterlingen betroffen, die diese Pflanzen als Unterschlupf oder Nahrungsquelle nutzen. Der Klatschmohn ist damit eine der Arten, die uns deutlich machen, dass es mehr Naturschutz in der Landwirtschaft geben muss.

Vogel des Jahres – der Waldkauz

Schlafender Waldkauz im Baum
Diginatur, 01 Waldkauz, zugeschnitten von BMUB, CC BY-SA 3.0

Den hellen Tag verbringt der Waldkauz (Strix aluco), so wie die meisten unserer Eulen, in einem Tagesversteck. Dafür werden alte Bäume bevorzugt, und die sind selten in deutschen Wäldern. Um für deren Erhalt zu werben hat der Naturschutzbund (NABU) den Waldkauz, stellvertretend für alle Eulen, zum Vogel des Jahres 2017 gewählt. Der Mangel an Revieren mit genügend Versteckmöglichkeiten und geeigneten Nistplätzen ist eine wichtige Ursache für den Bestandsrückgang vieler Eulenarten. Der Bestand des Waldkauzes selbst wird als langfristig stabil eingeschätzt.

Sein schlechtes Image hat der Waldkauz übrigens nicht verdient. So wurde in die nächtlichen Rufe hineingedeutet, diese würden den baldigen Tod eines nahestehenden Menschen ankündigen. Die "Hu-huuu" und "Ku-witt"-Rufe des Waldkauzes sind aber nur eine Botschaft für Artgenossen, die besonders zur Balzzeit im März häufig zu hören sind.

Fisch des Jahres – die Flunder

Flunder am Meeresboden
Tiit Hunt, Platichthys flesus Vääna-Jõesuu in Estonia, zugeschnitten von BMUB, CC BY-SA 3.0

Die Flunder (Platichthys flesus) gehört zu jenen Fischarten, die im Meer ebenso zu Hause sind wie in unseren Flüssen. Sie ist die einzige Plattfischart, die im Süßwasser überleben kann. Dort war sie lange Zeit verschwunden, da an Wehren Fischaufstiegseinrichtungen fehlten. Mittlerweile kann man sie auch in Flüssen wieder auffinden, seit den 1980er Jahren sogar im Rhein. Die Flunder steht damit beispielhaft für die wichtige ökologische Verbindung von Flüssen und Meeren sowie leider auch für die Gefährdung biologischer Vielfalt durch die Verschmutzung küstennaher Lebensräume. Aus diesen Gründen haben der Deutsche Angelfischerverband (DAFV) und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) die Flunder zum Fisch des Jahres 2017 gewählt.

Reptil des Jahres – die Blindschleiche

Reptil des Jahres 2017
Marek bydg, Anguidae, zugeschnitten by BMUB, CC BY-SA 3.0

Ihren Namen kennt jeder, gesehen haben sie nur wenige – die Blindschleiche (Anguis fragilis). Wie die Schlangen, zu denen dieses Reptil nicht gehört, besitzt die Blindschleiche keine Extremitäten. Bedroht ist diese ungewöhnliche Echse durch wachsenden Straßen- und Siedlungsbau, sowie durch den Einsatz von Pestiziden. Um darauf aufmerksam zu machen hat die Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde (DHGT) die Blindschleiche zum Reptil des Jahres 2017 gekürt.

In Deutschland gilt sie aktuell als ungefährdet. Ihr Bestand scheint jedoch zurückzugehen, sodass sie in manchen Bundesländern bereits als gefährdet eingestuft wird.

Anders als der Name vermuten lässt, ist die Blindschleiche keineswegs blind. Ihr Name rührt vom althochdeutschen "plint" was "blendend" bedeutet und sich auf den glänzenden Körper bezieht.

Insekt des Jahres – die Gottesanbeterin

Insekt des Jahres 2017: Gottesanbeterin
Alvesgaspar, Mantid August 2007-2, zugeschnitten von BMUB, CC BY-SA 3.0

Die Gottesanbeterin (Mantis Religiosa) wurde von der Senckenberg-Forschungsgesellschaft zum Insekt des Jahres 2017 gewählt. Diese Vertreterin der Fangschrecken benötigt warme Lebensräume, da nur diese ein ausreichendes Nahrungsangebot für ihre Larven bieten. Mit der Wahl soll auf die Folgen des Klimawandels aufmerksam gemacht werden, da sich die Gottesanbeterin mit steigender Erderwärmung weiter ausbreitet. Gottesanbeterinnen sind gewöhnlich grün oder braun und halten die Fangarme zusammengefaltet vor ihrem Körper. Dieser scheinbar andächtigen Haltung verdanken sie ihren Namen. Eine Gottesanbeterin kann mehrere Stunden reglos verharren, während sie auf Beute lauert. Durch diese Reglosigkeit ist das Insekt gleichzeitig vor Fressfeinden getarnt. Gottesanbeterinnen ernähren sich von Insekten, teilweise auch Mäusen und Fröschen. Auch vor Vertretern der eigenen Art machen sie nicht Halt.

Schmetterling des Jahres – die Goldene Acht

Schmetterling des Jahres 2017: Goldene Acht
Quartl, Colias hyale qtl1, zugeschnitten von BMUB, CC BY-SA 3.0

Ihren Namen verdankt die "Goldene Acht" (Colias hyale), einem kleinen Fleck in Form einer eingerahmten Acht an der Unterseite des Flügels. Allerdings gibt es einen Doppelgänger mit demselben Merkmal, den Hufeisenklee-Gelbling. Diese beiden Arten sind als erwachsene Schmetterlinge praktisch nicht zu unterscheiden. Erst wenn man die Raupen betrachtet erkennt man den Unterschied. Die Raupen der Goldenen Acht ernähren sich unter anderem von Luzerne und Klee, die früher als natürlicher Dünger und Futtermittel angebaut wurden. Da diese Pflanzen inzwischen jedoch immer mehr ihre Bedeutung in der Landwirtschaft verlieren, fehlt den Schmetterlingsraupen ihre Nahrung.

In einigen Bundesländern steht die Goldene Acht bereits als gefährdet auf der roten Liste. Die Goldene Acht auch Weißklee-Gelbling genannt, wurde deshalb von der BUND NRW Naturschutzstiftung und der Arbeitsgemeinschaft Rheinisch-Westfälischer Lepidopterologen zum Schmetterling des Jahres 2017 gewählt. Damit soll auf den Rückgang des Falters aufmerksam gemacht werden, der durch die Intensivierung der Landwirtschaft seinen Lebensraum verliert.