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Natur des Jahres

Die Vielfalt der Tier- und Pflanzenarten sowie der Lebensräume wird stetig kleiner. Das hat eine Reihe von Gründen. Dementsprechend müssen viele, unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden, diesen Rückgang zu bremsen und die Vielfalt zu bewahren. Um auf bedrohte Natur aufmerksam zu machen und angestrebte Gegenmaßnahmen zu veranschaulichen, werden alljährlich Landschaften, Pflanzen und Tiere des Jahres gekürt, welche stellvertretend auf einen bestimmten Missstand verweisen.

Flusslandschaft des Jahres – Die Lippe

Flusslandschaft des Jahres 2017: Lippe
N. Selisky, Die Lippe westlich von Lünen, Luftaufnahme, zugeschnitten von BMUB, CC BY-SA 2.5

Die Lippe entspringt am Fuße des Teutoburger Wald als Karstquelle, dem sogenannten Quelltopf in Bad Lippspringe, durchfließt das nördliche Ruhrgebiet und mündet nach 255 Kilometern als langsam strömender Fluss bei Wesel in den Rhein. Sie ist der längste Fluss Nordrhein-Westfalens. Bereits die Römer nutzten die Lippe als wichtigen Transportweg. Heute werden die Lippe und ihre angrenzende Landschaft als Naherholungsgebiet geschätzt und genutzt. Der Lippeverband konnte bereits in den 1990er Jahren die Wassergüte der Lippe durch den Ausbau der Kläranlagen erheblich verbessern. Mit dem Lippeauenprogramm werden seit 1995 in vielen kleinen Schritten Uferabschnitte umgestaltet: Steinerne Befestigungen werden durch Uferabbrüche, kleine Aufweitungen und Inseln im Fluss ersetzt. Außerdem konnten sich durch Zucht- und Besatzmaßnahmen Fische wie die Quappe mit großem Erfolg ausbreiten und natürlich vermehren. Aktuell wird die Fischfauna von der Quelle bis zur Mündung erfasst.

Baum des Jahres – Die Esskastanie

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Während die Früchte der bei uns sehr häufigen Rosskastanie für Menschen ungenießbar sind, verhält es sich bei der Esskastanie (Castanea sativa) ganz anders. Ob als "Heiße Maroni", Bratenfüllung oder in Süßspeisen oder Torten – Esskastanien sind überaus schmackhaft.
Die Römer brachten die Esskastanie vor rund 2000 Jahren über die Alpen und pflanzten die Art besonders entlang des Rheins, der Nahe, der Mosel und der Saar. Für die Ernährung der Bevölkerung war der Baum mit seinen Früchten lange Zeit von nicht unwesentlicher Bedeutung. Die fettarmen, stärkereichen und süßlichen Maronen spenden Energie und besitzen einen hohen Sättigungsgrad. . Bisher ist die Esskastanie eher ein Parkbaum, im Wald findet man sie nur selten. Forstleute forschen seit einigen Jahren, unter welchen Bedingungen der Baum in unseren Wäldern hochwertiges Holz für Bau- und Möbelholzprodukte liefern könnte. Da die Esskastanie anpassungsfähig und wärmeresistent ist, könnte die Art infolge des Klimawandels in Mitteleuropa zukünftig eine größere Bedeutung erlangen.

Blume des Jahres – Der Langblättrige Ehrenpreis

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Die Loki Schmidt Stiftung hat den Langblättrigen Ehrenpreis (Veronica maritima) zur Blume des Jahres 2018 gekürt. Die seltene Auenpflanze ist mittlerweile in ganz Deutschland gefährdet und in Thüringen sogar bereits ausgestorben. Die blau-lila leuchtende Blume ist an den sommerlichen Ufern großer Flüsse zu finden. Als sogenannte Stromtalpflanze findet ihre Ausbreitung über das Wasser statt. Das ist nur möglich, wo der Fluss nicht verbaut wurde und Raum hat, über die Ufer zu treten. Doch in Deutschland sind bereits zwei Drittel der ehemaligen Überschwemmungsgebiete verloren gegangen. Dabei sind Flussauen sowohl für den Hochwasserschutz als auch als CO2-Speicher von großer Bedeutung und verdienen einen besonderen Schutz. Die Blüten des Langblättrigen Ehrenpreises erfreuen sich bei zahlreichen Insekten großer Beliebtheit und dienen besonders in unserer mittlerweile blütenarmen Kulturlandschaft als wichtige Nahrungsquelle.

Vogel des Jahres – Der Star

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Wenige Singvögel sind so vielen Menschen vertraut wie der Star (Sturnus vulgaris). Die Art ist weit verbreitet und keineswegs selten. Zwischen drei und 4,5 Millionen Paaren jährlich schwankt der Starenbestand in Deutschland, je nach Nahrungsangebot und Bruterfolg im Vorjahr. Trotzdem ist der Star ein typisches Beispiel für den stillen Rückgang der häufigen Vogelarten, denn ihre Anzahl nimmt stetig ab. In der aktuellen Roten Liste ist der Star sogar direkt von "ungefährdet" auf "gefährdet" hochgestuft worden, ohne auf der Vorwarnliste zu stehen. Die gut an die Stadt angepasste Art nutzt Nistkästen oder Hohlräume an Dächern und Fassaden zum Nestbau. Parkanlagen, Friedhöfe und Kleingärten liefern ihm Nahrung. Im Frühjahr stehen vor allem Kleintiere aus dem Boden auf dem Speiseplan. Im Sommer und Herbst schätzen Stare zusätzlich Früchte und Beeren. Doch auch in einer urbanen Umgebung droht ihm Lebensraumverlust durch Bauvorhaben, Sanierungen oder Verkehrssicherungsmaßnahmen.

Fisch des Jahres – Der Dreistachlige Stichling

Viridiflavus, Head of male three-spined sticleback (Gasterosteus aculeatus), zugeschnitten von BMUB, CC BY 2.5

Mit einer durchschnittlichen Gesamtlänge von fünf bis acht Zentimetern gehört der Dreistachlige Stichling (Gasterosteus aculeatus) zu den kleinsten heimischen Süßwasserfischen. Seine Verbreitung reicht von den küstennahen Gewässern bis in den alpinen Raum. Er gehört vor allem wegen seines charakteristischen Aussehens und seines einzigartigen Brutverhaltens zu den bekanntesten heimischen Fischarten. Der als Schwarmfisch lebende Stichling verändert sein Verhalten zur Laichzeit grundlegend. Den Fisch zieht es zum Laichen in die Unterläufe der Flüsse, im ufernahen Flachwasser suchen die Männchen dann Brutreviere und verteidigen diese. Die Wahl zum Fisch des Jahres fiel auf den Dreistachlige Stichling aufgrund seiner einzigartigen Lebens- und Verhaltensweisen und soll den Blick für die vielen Besonderheiten unserer heimischen Fischfauna schärfen.

Lurch des Jahres – Der Grasfrosch

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Der Grasfrosch (Rana temporaria) ist hierzulande noch weit verbreitet, vergleichsweise häufig und wird in Roten Listen als "ungefährdet" eingestuft. Dennoch sind bei dieser Art seit Jahren an vielen Orten bedenkliche Bestandsrückgänge zu beobachten. Zu den hauptsächlichen Gefährdungsursachen zählen wie bei den meisten Amphibien die Intensivierung der Landwirtschaft und die zunehmende Zersiedlung der Landschaft durch Industrie- und Wohngebiete und den Straßenbau. Doch auch diese so anpassungsfähige Amphibienart, der am weitesten in Europa verbreitete Froschlurch, der sogar noch in den nördlichsten Regionen des Kontinents bis fast zum Nordkap anzutreffen ist, benötigt unsere Unterstützung, um langfristig in der mitteleuropäischen Kulturlandschaft überleben zu können.

Insekt des Jahres – Die Gemeine Skorpionsfliege

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Gefährlich ist die Gemeine Skorpionsfliege (Panorpa communis) trotz ihres Namens nicht, auch einen Stachel sucht man bei dem Insekt vergebens. Wie der Großteil der 33.000 in Deutschland vorkommenden Insektenarten ist die Skorpionsfliege in der Bevölkerung weitgehend unbekannt. Besonders zahlreich ist die Art in Gebüschen, an Wald- und Wegrändern, aber auch auf Wiesen und in Brennnesselbeständen zu finden. Derzeit gilt die Skorpionsfliege als ungefährdet und genießt keinen besonderen Schutzstatus. Das liegt an ihrer ausgeprägten Anpassungsfähigkeit und auch bei Nahrungswahl zeigen sich die länglichen Insekten wenig wählerisch: Sie fressen sowohl reifes Obst, als auch tote oder verendende Insekten, Wirbeltiere, Kot, Blütennektar und Pollen. Die Skorpionsfliege kann sich sogar in Spinnennetzen bewegen und sich an den Nahrungsvorräten der Spinnen bedienen. Die Wahl zum Insekt des Jahres soll die Aufmerksamkeit auf die Besonderheiten der Skorpionsfliege lenken.

Schmetterling des Jahres – der Große Fuchs

Der Große Fuchs
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Wie der Name schon vermuten lässt, gehört der Große Fuchs mit 50 bis 55 Millimetern Flügelspannweite zu den großen Schmetterlingen. Die Flügeloberseiten sind orange und tragen schwarze und gelblichweiße Flecken sowie am Hinterflügelrand eine schwarze Binde mit bläulichen Flecken. Zu finden ist er an sonnigen Waldrändern, in naturnahen Gärten und auf Streuobstwiesen. Anders als die meisten bei uns heimischen Tagfalter, bei denen nur die Raupen die kalte Jahreszeit überdauern, überwintern beim Großen Fuchs die ausgewachsenen Falter. Bereits im zeitigen Frühjahr sonnen sich die schönen Schmetterlinge mit aufgefalteten Flügeln gerne an Baumstämmen. Als erste Futterquelle nutzen sie blühende Weidenkätzchen. Weil das Holz der Weiden wenig Geld einbringt, werden diese Bäume jedoch immer häufiger entfernt. Deshalb nimmt die Anzahl des Großen Fuchs ab. Eine weitere Ursache für den Bestandsrückgang des Falters ist der Verlust seines Lebensraumes durch die Intensivierung der Land- und Forstwirtschaft und den Flächenverbrauch für Siedlungsbau und Verkehr.

Hierzulande steht der Falter auf der Vorwarnliste der bedrohten Tiere. In Nordrhein-Westfalen ist er vom Aussterben bedroht. Seine langfristige Bestandsentwicklung schätzt das Bundesamt für Naturschutz als "sehr stark rückläufig" ein.