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Natura 2000 in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee

Natura 2000 ist ein EU-weites Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung gefährdeter oder typischer Lebensräume und Arten. Es umfasst nicht nur Flächen an Land, sondern schützt auch Lebensräume und Arten im Meer.

Für die Umsetzung von Natura 2000 an Land und in den Hoheitsgewässern (innerhalb der 12 Seemeilen-Zone) sind in Deutschland die Bundesländer zuständig. Für Natura 2000 im Bereich der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ), die sich an die 12-Seemeilen-Zone anschließt und bis zu den internationalen Gewässern jenseits der 200-Seemeilen-Zone reicht, ist dagegen der Bund (vertreten durch das BfN und das BMUB) verantwortlich.

Auswahl und Meldung der Schutzgebiete

Von den Lebensraumtypen des Anhangs I und den Arten des Anhangs II der FFH-Richtlinie, für deren Erhaltung Natura 2000-Gebiete ausgewiesen werden müssen, kommen in den deutschen Meeresgebieten der AWZ die Lebensraumtypen Riffe und Sandbänke, Säugetierarten (Schweinswale, Kegelrobben, Seehunde) sowie Fischarten (zum Beispiel Finte, Flussneunauge) vor. Außerdem kommen in der deutschen AWZ von Nord- und Ostsee Vogelarten (vor allem aus den Gruppen der Seetaucher und Meeresenten) vor, die unter den Gebietsschutz der Vogelschutzrichtlinie fallen.

Da hinsichtlich Vorkommen und Verbreitung der relevanten Arten und Lebensräume in der AWZ erhebliche Wissenslücken bestanden, wurde als Grundlage für die Gebietsauswahl zunächst ein umfangreiches Forschungsprogramm durchgeführt. Auf Grundlage der Ergebnisse wurden die besonders wertvollen Meeresgebiete im Sinne der FFH- und Vogelschutzrichtlinie abgegrenzt. Detaillierte Informationen über die wissenschaftlichen Hintergründe und die Forschungsmethoden können auf der Internetseite des BfN abgerufen werden.

Auf Basis der fachlichen Flächenkulisse wurden acht FFH- und zwei Vogelschutzgebiete vorgeschlagen. Diese wurden mit den fachlich betroffenen Bundesministerien und den angrenzenden Küstenbundesländern abgestimmt und öffentlich zur Diskussion gestellt. Unter Berücksichtigung einiger Verbesserungsvorschläge wurden die zehn Natura 2000-Meeresschutzgebiete im Mai 2004 der Europäischen Kommission gemeldet. Die Auswahl der geschützten Meeresflächen ist mit der Meldung an die Europäische Kommission abgeschlossen.

Die Größe der gemeldeten NATURA 2000-Gebiete in der AWZ der deutschen Nord- und Ostsee beträgt etwa 32 Prozent der Fläche, die gemeldeten Gebiete einschließlich der Küstengewässer in der gesamten deutschen Nord- und Ostsee entsprechen einer Fläche von circa 45 Prozent.

Übersichtskarten der Natura 2000-Gebiete

Schutz und Management der Gebiete

Gemäß Artikel 4 (4) der FFH-Richtlinie müssen die Mitgliedstaaten nach Aufnahme der gemeldeten Gebiete in die sog. Gemeinschaftsliste diese unter Schutz stellen und ggf. entsprechende Erhaltungsmaßnahmen (hier in Form von Managementplänen) erarbeiten. Der Schutz der Natura 2000-Gebiete erfolgt auf Grundlage von Rechtsvorschriften (Schutzgebietsverordnungen). Die Schutzgebietsverordnung definiert den Schutzzweck des Gebietes und trifft grundsätzliche Regelungen. Sowohl Schutzgebietsverordnungen als auch Managementpläne sind notwendig, um einen "günstigen Erhaltungszustand" geschützter Lebensraumtypen und Arten zu erreichen und langfristig zu sichern. Eine Regulierung der Fischerei in den Natura 2000-Gebieten ist nur auf europäischer Ebene möglich, da die ausschließliche Kompetenz hierfür bei der Europäischen Union liegt.

Weiterführende Informationen zum Schutz und Management der Schutzgebiete in der deutschen AWZ finden sich auf der Internetseite des BfN.